Mut zum Extra-Poker ist gefragt
Firmenwagen statt Gehaltserhöhung: Indirekte Vergütung kann lukrativ sein

Wer beim Gehaltspoker mit dem Chef erst vor kurzem wieder in der Sackgasse gelandet ist, sollte nicht frustriert aufgeben.

ap BERLIN. Beim nächsten Anlauf könnten Abwehrstrategien wie "Unsere Kassen sind leer, mehr ist wirklich nicht drin" einfach mit einem verlockenden Gegenvorschlag pariert werden, ermutigt Jürgen Hesse, Gründer des Berliner Büros für Berufsstrategie. Wer nicht starr auf mehr Geld schielt, kommt mit einer Strategie der indirekten Vergütung überraschend oft auch ans Ziel. Und kann auch noch Steuern sparen.

Statt eingleisig um mehr Salär zu kämpfen, sollten sich Arbeitnehmer ruhig einmal trauen, Zuschüsse zum Essen, zum Fahrtgeld, für den Kindergarten, für Nachhilfestunden des Sprösslings oder zur Berufskleidung zu verlangen. Oder um wertvolle Extras wie teure Weiterbildungskurse, Dienstwohnung, Belegschaftsrabatt, Sonderurlaub, längeren Erziehungsurlaub oder flexiblere Arbeitszeiten pokern.

Denkbar ist auch, dass man um Beteiligungen an der Altersvorsorge feilscht, an Telefonkosten, Fax- und Handyrechnungen, dem Internetzugang zu Hause. Oder dass man den Firmenwagen und das Laptop auch privat nutzen darf, womöglich Aktienoptionen erhält, die bislang nur Topmanagern vorbehalten waren. Der Kreativität sind zunächst wenig Grenzen gesetzt, ermuntert Diplompsychologe Hesse. Bonusleistungen, die in den privaten Bereich hineinreichen und früher nur Führungspersonal offen standen, könnten inzwischen mit etwas Geschick auch von "normalen" Angestellten ergattert werden.

"Viele Arbeitgeber sind tatsächlich offen für Extra-Bonbons", meint Berufsberater Hesse. Das Ausloten möglicher Zusatzleistungen biete dem Chef eine Chance, dem hartnäckigen Mitarbeiter entgegenzukommen - gerade wenn sein Etat zum Aufstocken des Monatsgehalts wirklich erschöpft ist. Die Hemmschwelle, in der Sackgasse der Gehaltsverhandlung doch noch ein "Zuckerl" draufzupacken, sei nach allen Erfahrungen deutlich niedriger als eine grundsätzliche Anhebung des Monatsverdienstes, betont der Psychologe.

Denn Gehaltsextras kommen in der Regel aus anderen Finanztöpfen, die womöglich noch besser gefüllt sind. Eine Lohnanhebung zöge dagegen höhere Firmenbeiträge zur Sozialversicherung nach sich. Deshalb dürften vor allem Chefs, die immer wieder über zu hohe Lohnnebenkosten klagen, an solchen Einsparmaßnahmen interessiert sein, erläutern auch Experten der ZDF-Ratgebersendung Wiso. Außerdem hat der Arbeitgeber bei steuerfreien oder-begünstigten Zuwendungen auch noch selbst steuerliche Vorteile.

Gratismassagen und Bügelservice

Vor allem aber für die Beschäftigten lohnen sich die Extras. Von lupenreinen Gehaltserhöhungen bleibt nach Abzug der Steuern und Abgaben ohnehin nur noch etwas mehr als die Hälfte übrig. Extras können dagegen oft steuerfrei kassiert werden wie Prämien oder die private Nutzung von Firmenwagen. Beschäftigte müssen nur mutig danach fragen.

Nach den Erfahrungen Hesses schließen sich mittlerweile immer mehr deutsche Firmen von sich aus dem amerikanischen Vorbild der `fringe benefits", wie die Leistungen über den Lohn hinaus auch heißen, an. Forderungen nach Gehaltserhöhung werden in fluktuationsstarken Branchen wie Werbeagenturen oder Unternehmensberatungsfirmen von vornherein mit Bonus-Anreizen pariert. Mit täglich frischem Obst, Büromassagen, Gratis-Büffets und-Fitnessstudios, Bügelservice oder Ferienhäusern auf Sylt sollen Beschäftigte an die Firma gebunden werden. Das Draufpacken von Aktienoptionen gehört besonders in der Informations-Technologie-Branche (IT) nach wie vor zur Motivation der Führungskräfte.

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