Mutmaßlicher Dealer hat keine Hirnströme mehr
Streit um Brechmittel-Einsatz in Hamburg

Der in Hamburg im Koma liegende mutmaßliche Dealer wird den gewaltsamen Brechmitteleinsatz vom Sonntag vermutlich nicht überleben. Bei dem 19-Jährigen aus Kamerun seien bereits keine Hirnströme mehr messbar, teilte die Sprecherin der Hamburger Justizbehörde, Simone Käfer, am Dienstagmorgen mit.

afp/ap HAMBURG. Ein Überleben sei "sehr unwahrscheinlich." Die Ärzte hätten den Mann allerdings noch nicht für hirntot erklärt. Der Mann hatte einen Herzstillstand erlitten, nachdem ihm im rechtsmedizinischen Institut trotz heftiger Gegenwehr ein Brechmittel eingeführt worden war.

Die Hamburger Ärztekammer hat den unverzüglichen Stopp des Brechmittel-Einsatzes bei mutmaßlichen Drogendealern gefordert, nachdem ein 19-Jähriger in der Hansestadt nach der Verabreichung von Brechwurzel-Sirup einen Herzstillstand erlitten hatte.

Kammerpräsident Frank Ulrich Montgommery erklärte am Montag, unter ärztlichen Gesichtspunkten sei die Vergabe von Brechmitteln gegen den Willen der Betroffenen nicht zu verteten. Sollte der Hamburger Senat nicht auf den Einsatz des Sirups verzichten, sollte wenigstens dafür gesorgt werden, dass künftig ein solcher Eingriff nur auf einer klinischen Station erfolgt. "Der tragische Vorfall vom Wochenende zeigt, dass eine unverzügliche medizinische Nothilfe möglich sein muss", betonte Montgommery.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, sprach sich dessen ungeachtet dafür aus, Brechmittel zur Beweismittelsicherung auch weiterhin einzusetzen. Es gebe keine Alternative, erklärte Freiberg am Montag. Der Brechmittel-Einsatz war noch von der rot-grünen Landesregierung beschlossen worden, da vermehrt beobachtet worden war, wie Dealer Kügelchen mit Drogen verschlucken, wenn Polizei-Fahnder auftauchen. Innensenator Ronald Schill und Justizsenator Roger Kusch (CDU) hatten den schweren Zwischenfall bedauert und eine eingehende Untersuchung angekündigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%