Mutterkonzern stimmt Geschäftsauflösung zu
Teldafax steht vor dem Ausverkauf

Das US-Unternehmen World Access hat gestern einer Abwicklung seiner deutschen Tochter Teldafax zugestimmt. Wie das Unternehmen in Atlanta mitteilte, sei der Schaden bei der Teldafax AG, Marburg, inzwischen irreparabel. Die meisten Kunden seien abgewandert, nachdem die Deutsche Telekom die Leitungen zum Teldafax-Netz vor einer Woche gesperrt hatte. Eine Stellungnahme von Teldafax zu der Entscheidung der Muttergesellschaft war gestern bis Redaktionsschluss nicht erhältlich.

slo DÜSSELDORF. Die Telekom hatten die Teldafax-Leitungen abgeschaltet, da das Unternehmen Rechnungen in Höhe von insgesamt 90 Mio. DM nicht bezahlte. Am Montag vor einer Woche hatte das Unternehmen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Insolvenz gestellt.

Die Muttergesellschaft World Access, die 70 % der Teldafax-Anteile besitzt, hatte zwar immer wieder angekündigt, ihre Tochter finanziell zu unterstützen und die Schulden bei der Telekom zu begleichen, doch die Verhandlungen verliefen ergebnislos. Man habe keinen tragfähigen Schuldentildungsplan vorlegen können, hieß es bei der Telekom.

Teldafax AG 3-Monatsverlauf

Dem Marburger Telekom-Anbieter droht jetzt der Ausverkauf. Der vorläufige Insolvenzverwalter Bernd Reuss kündigte bereits Anfang der Woche den Verkauf von Tochtergesellschaften und anderen Unternehmensteilen für heute an. Es gebe mehr als 20 Interessenten. Wer konkret zu den potenziellen Käufern gehört, sagte er nicht.

Zum Verkauf stehen unter anderem das Mobilfunkgeschäft Netztel Plus AG, der Internetbereich Geonet Systems GmbH und der Fachhandel Demuth&Dietl + Co Kommunikationselektronik GmbH. Netztel gehört mit über 210 000 Kunden nach Teldafax-Angaben zu den am schnellsten wachsenden Service-Providern.

Teldafax gehört zu den Pionieren unter den privaten Telekom-Gesellschaften. Nach dem Fall des Telefonmonopols 1998 machte der ehemalige Baustoffhändler und Teldafax-Gründer Hans Gerhard Lenz sein Unternehmen mit Discount-Tarifen für Ferngespräche zu einem der erfolgreichen Privat-Anbieter. In nur drei Jahren sank daraufhin der Preis für Ferngespräche tagsüber von 60 auf unter 6 Pfennig pro Minute - zu wenig zum Überleben. Um andere Bereiche auszubauen, zum Beispiel das Internet, fehlte Teldafax das Geld.

Die am Neuen Markt notierte Teldafax-Aktie brach gestern zwischenzeitlich um mehr als 30 % auf 0,47 Euro ein. Am Vortag war das Papier wegen einer Pflichtmitteilung vom Handel ausgesetzt worden.

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