„MV“ bleibt wohl nur der Rückzug
Machtkampf im DFB spitzt sich zu

Sein Schatzmeister Theo Zwanziger will gegen ihn ins Rennen ziehen, sein einflussreicher Vorgänger Egidius Braun kündigt ihm die Gefolgschaft, seine Landesfürsten wenden sich nach und nach von ihm ab - die Tage von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sind wohl gezählt. Offen bleibt dagegen weiter die Trainer-Frage.

HB FRANKFURT/MAIN. Zwanziger kündigte der Krisensitzung in Frankfurt/Main seine Gegenkandidatur an und formulierte am Dienstag seinen Führungsanspruch: "Mein erklärtes Ziel ist es, in der Zukunft einen veränderten Führungsstil innerhalb des DFB anzustreben", begründete er seine Entscheidung.

Trotz der harschen Vorwürfe wegen seines Alleingangs bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer hat auch Mayer-Vorfelder nach der sechsstündigen Sondersitzung erklärt, auf dem DFB-Bundestag am 22./23. Oktober in Osnabrück eine Wiederwahl anzustreben. Zunächst wird er noch der vierköpfigen Findungskommission angehören, die im Teamwork einen neuen DFB-Cheftrainer küren soll.

Da der DFB auf jeden Fall eine erstmalige Kampfabstimmung um die Präsidentschaft vermeiden will, ist ein Rückzug in Ehren des gewieften Ex-Politikers Mayer-Vorfelder, dem vor allem der Amateurbereich Vernachlässigung vorwirft, wahrscheinlich. Eine Kommission soll möglichst schnell "eine konsensuale Lösung" suchen.

Selbst bei seinem Mentor und Vorgänger Egidius Braun hat "MV" inzwischen verspielt. "Theo Zwanziger ist mein Mann. Ich werde ihn unterstützen", sagte der DFB-Ehrenpräsident der dpa und fügte an: "Wir müssen an die Millionen Menschen im DFB denken. Zwanziger ist der Beste für die Interessenvertretung dieser Millionen." Braun machte aber zugleich deutlich, dass er einen Kompromiss begrüßen würde. Deshalb plädiert er mit Blick auf die Weltmeisterschaft in zwei Jahren für ein sportpolitisches Arrangement: "MV kann die WM 2006 weitermachen und den DFB in der Fifa und der Uefa vertreten."

Verbunden mit Zustimmung für Zwanziger hat Heinrich Schmidhuber, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, noch einmal die Kritik am derzeitigen DFB-Chef bekräftigt. "Wir unterstützen die Kandidatur von Zwanziger", sagte er, "einen Verband mit sechs Mill. Mitgliedern kann man nicht nach Gutsherrenart führen." Ähnlich sehen es auch die fünf Regionalverbände des DFB, die über Vizepräsident Engelbert Nelle während der Sondersitzung ausrichten ließen, einhellig für Zwanziger votieren zu wollen. Sogar in der Führung des deutschen Rekordmeisters Bayern München scheint sich ein Sinneswandel vollzogen zu haben. "Zwanziger ist ein guter Mann", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der vor dem Krisentreffen noch Mayer-Vorfelder unterstützt hatte.

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