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«MV» hält an seinen Zielen festDPA-Datum: 2004-06-28 16:23:33

Lissabon (dpa) - Auch der «Fall» Völler soll Gerhard Mayer-Vorfelder nicht zu Fall bringen. Auf dem Weg zu den nächsten großen Zielen will sich der Machtmensch aus Stuttgart keinen Zentimeter von seinem Kurs abbringen lassen.

Lissabon (dpa) - Auch der «Fall» Völler soll Gerhard Mayer-Vorfelder nicht zu Fall bringen. Auf dem Weg zu den nächsten großen Zielen will sich der Machtmensch aus Stuttgart keinen Zentimeter von seinem Kurs abbringen lassen.

Im Oktober möchte sich Mayer-Vorfelder zum DFB-Präsidenten wiederwählen lassen, im Sommer 2006 soll eine strahlende Weltmeisterschaft das Funktionärs-Leben krönen. So reagierte der Politiker schnell. Vorwürfe aus der Bundesliga und dem eigenen Präsidium über Alleingänge bei der Trainer-Suche wischte er am Montag via Pressemitteilung vom Tisch: «Die Entscheidung über die Einstellung obliegt dem Präsidium. Etwas anderes ist nicht geschehen und ist auch nicht geplant.»

Der überraschende Rücktritt von Völler, um den Mayer-Vorfelder seit seinem Amtsantritt als Chef des größten Sportfachverbandes der Welt seine Pläne für die WM im eigenen Land gebaut hatte, brachte den 71-Jährigen für wenige Tage ins Wanken und seinen Führungsstil wieder einmal in die Kritik. Die Liga klagte über sein Solo, fürchtete die Installation von Christoph Daum. Mayer-Vorfelder betonte: Irgendwelche Kontakte zu Daum habe es weder direkt noch indirekt gegeben.

Seit mehr als 30 Jahren zieht Gerhard Mayer-Vorfelder im deutschen Fußball die entscheidenden Fäden, erst als Präsident des VfB Stuttgart, dann als Chef des Ligaausschusses, jetzt als DFB-Präsident sowie als Mitglied der UEFA - und FIFA-Exekutive. Nach der EM-Pleite vor vier Jahren in Belgien und den Niederlanden, hatte «MV» den erkrankten Egidius Braun als DFB-Chef beerbt. Am 23. Oktober in Osnabrück will er sich auf dem Verbandstag nochmals für drei Jahre bestätigen lassen. «Wenn ein Älterer die Spannkraft hat, dann ist das Alter nicht die Frage», meinte der einstige Innenminister von Baden-Württemberg.

Als «Affärenprofi» hat ihn das Magazin der «Süddeutschen Zeitung» bezeichnet, als «Fußball-Pate» der «Stern». Ob Toto-Lotto-Affäre, der Steuerskandal um Steffi Graf, der Kokain-Fall Christoph Daum oder der Verdacht der Steuerhinterziehung - Mayer-Vorfelder stand alles durch. Und auch jetzt strebt der Politiker jenem Ausgang zu, den die Mehrzahl der Fans, Fachleute und Fußball-Entscheidungsträger erwartet. Er stehe seit Tagen nur in Kontakt mit Ottmar Hitzfeld, erklärte «MV», einen Alleingang bei der Trainersuche gebe es nicht.

So wie sich Mayer-Vorfelder in Portugal immer wieder verhalte, gehe es nicht weiter, ließ Wolfgang Holzhäuser vom Bundesligaclub Bayer Leverkusen über die «Frankfurter Allgemeine» wissen. Kritiker wie Paul Breitner forderten sogar die Ablösung. Doch eine echte Alternative steht auch für die Wahl im Herbst nicht bereit. Im Gegenteil: Längst scheint in dem Verband mit mehr als 6 Millionen Mitgliedern sogar die ordentliche Nachfolge von Mayer-Vorfelder im Jahr 2007 geregelt. Der unauffällige Schatzmeister Theo Zwanziger, schon nachträglich in das WM-Organistationskomitee für 2006 gehievt, ist als «Erbe» längst vorgesehen.

In seiner 25-jährigen Amtszeit beim VfB verschliss Mayer-Vorfelder 18 Trainer, elf davon wurden gefeuert. In der Nationalmannschaft musste er zum zweiten Mal eingreifen. Vor vier Jahren schlug er den verdutzten Völler als Übergangslösung vor, wollte dann seinen «Intimus» Christoph Daum auf den Bundestrainer-Stuhl heben. Doch dessen Kokain-Affäre stoppte den Plan. Mayer-Vorfelder war von Anfang an klar, dass der Versuch, Daum jetzt im zweiten Versuch das Amt zu übertragen, seine Ziele doch noch in arge Gefahr hätte bringen können.

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