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„MV“ stärkt Klinsmann: Er macht nichts unvernünftig

Jürgen Klinsmann lässt sich vom ersten Gegenwind nicht den kleinsten Moment aus der Ruhe bringen. Die Kampfansage des aussortierten Sepp Maier konnten den Bundestrainer nicht zu einer Gegenreaktion provozieren.

dpa BERLIN. Jürgen Klinsmann lässt sich vom ersten Gegenwind nicht den kleinsten Moment aus der Ruhe bringen. Die Kampfansage des aussortierten Sepp Maier konnten den Bundestrainer nicht zu einer Gegenreaktion provozieren.

Auch die Münchner Sorgen um eine mögliche "Vetternwirtschaft" durch die Installation von Andreas Köpke oder die verbalen Dauer-Attacken von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ließen ihn kalt. "Da wird noch viel mehr auf uns zukommen bis zur WM 2006", erklärte Klinsmann. Allerdings sei es schade, dass nach seinem dritten positiven Spiel als verantwortlicher Coach die "Nebengeräusche" das wirklich Wichtige wie die erfolgreiche Mission in Teheran in den Hintergrund drängen würden.

Gerhard Mayer-Vorfelder stufte demonstrativ alle bisherigen Entscheidungen und Forderungen von Klinsmann als vernünftig und der Sache dienend ein. "Ich habe bisher noch nichts von dem, was er für seine Arbeit fordert, als unvernünftig angesehen", betonte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Selbst das Ansinnen von Klinsmann, über das WM-Quartier 2006 selbst zu entscheiden, sieht der Präsident "zumindest als verständlich" an.

"Dass jetzt Leute aus vielen Bereichen kommen und diverse Dinge kritisieren, ist ihr gutes Recht. Aber jeder sollte wissen, dass es für uns Verantwortliche bei allem, was wir tun, um das Ziel 2006 geht", übermittelte Klinsmann via der Tageszeitung "Die Welt" aus seiner Wahlheimat Kalifornien. Öffentlich reagieren will Klinsmann auch weiter auf Vorwürfe und Misstrauen nicht. Dafür telefonierte er mit Bayern-Manager Uli Hoeneß, um dessen Vorurteile im Fall "Köpke" auszuräumen.

Matthäus ordnete in der "Sport Bild" die Trennung von Maier als "offene Provokation" für Oliver Kahn ein. Im Moment würde alles gegen seinen ehemaligen Münchner Mitspieler sprechen. "Ich gehe sogar so weit, dass ich fürchte, Oliver Kahn wird die WM 2006 nicht als Torwart erleben", spekulierte Matthäus über einen möglichen Rücktritt des geschwächten "Titans". Laut "Bild"-Zeitung soll sich Klinsmann auch für das nächste Länderspiel am 17. November in Leipzig gegen Kamerun bereits für Jens Lehmann in der Startelf festgelegt haben.

Klinsmann sei schon als Spieler ein "Killer" gewesen, mit dem einen Unterschied: "Damals lief vieles hinten rum, jetzt als Bundestrainer macht er das offiziell", sagte Matthäus. Eine Reaktion bei Klinsmann erreichte er damit nicht. "Da kommt von meiner Seite aus gar kein Kommentar", sagte der Bundestrainer.

Bei seinen Entscheidungen wie bei der Neu-Besetzung der Position des Torwart-Trainers gehe es zum einen nur nach der Qualität mit Blick auf 2006 und zum anderen sei es normal, "eher jemanden mit ins Boot zu nehmen, den ich kenne, dem ich vertrauen kann und von dessen Qualität ich überzeugt bin", unterstrich der Bundestrainer. Und Köpke passe wie nur wenige Menschen in sein Konzept. Der DFB-Präsident begrüßt diese Entscheidung Klinsmanns. "Was er sagt, ist wohl überlegt und hat Tiefgang - mit Köpke käme ein vierter Partner auf der gleichen Wellenlänge hinzu", sagte Mayer-Vorfelder.

Inzwischen wird immer offensichtlicher, dass der alte und wahrscheinlich auf dem Bundestag am 23. Oktober in Osnabrück auch bestätigte DFB-Präsident Mayer-Vorfelder im Gegensatz zur zweiten designierten "DFB-Spitze" Theo Zwanziger die umstrittene Quartierfrage nicht stur mit einem bestehenden Vertrag mit Bayer Leverkusen verbindet. Die WM-Unterbringung sei sicher auch aus der Nähe von Ex-Teamchef Rudi Völler zu Leverkusen zu erklären, meinte Mayer-Vorfelder, der bereits "Fühlung" zu Bayers Fußball- Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser aufgenommen hat.

Derweil hat auch Klinsmanns Nummer 3, Timo Hildebrand, Unverständnis für Kahns jüngste Unbeherrschtheit gegen den Bremer Miroslav Klose geäußert. "Ich denke, in seinem Alter, mit seiner großartigen Karriere hätte er diese Aggressivität nicht nötig, sagte der Stuttgarter der Wochenzeitung "Die Zeit". Hildebrand stuft sich selbst anders ein: "Ich glaube nicht, dass ich der Typ bin, so mit Kollegen umzugehen. Ich möchte keiner werden, der anderen an die Gurgel geht."

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