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MWG-Biotech sieht erste Restrukturierungs-Erfolge

Das in Schwierigkeiten geratene Biotechnologieunternehmen MWG-Biotech sieht erste Ergebnisse seiner Restrukturierung. "Wir senken derzeit gewaltig die Kosten", sagte der neue Vorstandschef Matthias Schönermark am Dienstag.

Reuters EBERSBERG. Im dritten und vierten Quartal 2001 werde der Trend zur Kostensenkung bereits zu erkennen sein, sagte der Firmenchef, ohne Zahlen zu nennen. Trotz einer Delle im USA-Geschäft nach den Anschlägen hoffe das Unternehmen, seine deutlich nach unten revidierte Prognose für das laufende Jahr einzuhalten. "Wir sehen keinen Grund, davon abzurücken".

Das am Neuen Markt gelistete Unternehmen aus Ebersberg bei München hatte Ende August eine Gewinnwarnung ausgegeben. Für 2001 erwartet MWG-Biotech einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 4,5 Mill. Euro, nachdem im Juni den Aktionären noch ein Gewinn von 3,5 Mill. DM (1,8 Mill. Euro) in Aussicht gestellt worden war. "Wir haben uns übernommen und sind zu schnell gewachsen", analysierte Schönermark, der im September die Nachfolge von Michael Weichselgartner übernahm.

"Wir wollen uns von einem produktorientierten zu einem marktorientierten Unternehmen wandeln", kündigte Schönermark an. Bislang habe MWG erst Produkte entwickelt und danach nach einem Markt Ausschau gehalten. Dies solle jetzt umgekehrt werden. "Der Aktienkurs gibt uns bei der Umstrukturierung recht". Die MWG-Aktie war in den vergangenen Wochen nach einem Jahrestief von 1,51 Euro wieder auf drei Euro gestiegen. Am Dienstag notierten die Titel mit knapp zehn Prozent im Plus bei 3,20 Euro.

Der Firmenchef hat ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet. In Europa wurden 15 Prozent und in den USA 20 Prozent der Mitarbeiter abgebaut. "Jeder Kostenfaktor wird überprüft", sagte der Vorstandschef, der zuvor bei der Boston Consulting Group für die Beratung von MWG-Biotech zuständig gewesen war. "Wenn das nicht reicht, werden wir nochmals überlegen, wie die Kosten gesenkt werden können."

Schönermark sagte, MWG wolle in der zweiten Jahreshälfte 2002 die Gewinnschwelle erreichen. "Dann wollen wir schwarze Zahlen schreiben". Ein früherer Turn-Around sei nicht möglich, weil die Umstrukturierung erst langsam greife. "Wir haben einige Risikofaktoren zu beachten, wie Abfindungen für Mitarbeiter oder Verträge, die gekündigt werden", sagte der Firmenchef. Einige Kooperationen hätten sich nicht bewährt.

Für das laufende Jahr halte das Unternehmen an seinem Ziel fest, 55 Mill. Euro Umsatz zu erzielen. "Daran zweifele ich nicht", sagte Schönermark. Vor allem in Europa wolle MWG-Biotech zulegen. Die Anschläge in den USA hätten im dritten Quartal eine Delle im amerikanischen Geschäft verursacht. "Hochschulen haben zwei Wochen lang nichts bestellt." Inzwischen laufe das Geschäft auf dem nordamerikanischen Markt wieder.

MWG-Biotech setzt neben DNA-Chips zur Analyse des Humangenoms auf eine neue Robotergeneration für molekularbiologische Prozesse, etwa der automatisierten DNA-Genotypisierung, die im Frühjahr auf den Markt kommen soll. "Damit können eine Vielzahl von molekular-biologischen Prozessen komplett umgesetzt werden." Auf der Fachmesse Biotechnika seien Roboter-Produkte auf großen Zuspruch gestoßen, sagte Schönermark.

Im ersten Quartal 2001 hatte das Unternehmen wegen Problemen mit einer Roboter-Produktion einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 5,0 Mill. DM erzielt. Im vergangenen Jahr war der Ebit-Verlust auf 42,4 (Vorjahr: minus 15,2) Mill. DM geschnellt.

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