MWV: 4 000 Tankstellen überflüssig
Tankstellen zu verkaufen

Rund 1 500 Tankstellen in Deutschland stehen auf einen Schlag zum Verkauf.

dpa. Die Auflagen des Kartellamtes für die geplanten Zusammenschlüsse in der Mineralölwirtschaft zwingen Shell und DEA, BP und Aral, sich von einem beachtlichen Anteil ihrer Stationen trennen. Das wird für die Konzerne nicht leicht: Bislang sind keine Käufer für die Tankstellen in Sicht.

Mit dem Verkauf von Benzin lässt sich in Deutschland seit rund drei Jahren kein Geld mehr verdienen; das Jahr 2000 endete für die Branche nach einem mörderischen Preiskampf sogar mit einem Milliardenverlust. In diesem Jahr sieht es etwas besser aus, aber immer noch nicht gut. Nach Schätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) sind rund 4 000 der 16 000 Tankstellen in Deutschland überflüssig und müssten aus dem Markt genommen werden.

Die Motoren der Autos werden sparsamer, die Fahrleistungen sinken und der Markt wächst nicht, sondern schrumpft. Vor diesem Hintergrund hat sich das Bundeskartellamt mit den Konzernen auf ein paar Bonbons verständigt, die den Verkauf der Tankstellen erleichtern sollen. Dazu gehören sehr günstige Einkaufsbedingungen für die verkauften Tankstellen, die von den Verkäufern auf fünf Jahre garantiert werden müssen, sowie vergünstigter Zugang zu Transport- und Raffineriekapazitäten für mittelständische Tankstellenbetreiber. "Der Mittelstand ist der eigentliche Gewinner bei dieser Kartellamts-Entscheidung", sagt Heino Elfert vom Hamburger "Energie-Informationsdienst" (EID). "Aber der Mittelstand kann das Problem nicht lösen."

Denn 1 500 Tankstellen - die genaue Zahl kann am Ende noch deutlich abweichen - sind ein zu großer Brocken, um ihn in Kleinstportionen zu fünf oder zehn Stationen meistbietend zu verscherbeln. Um überhaupt Käufer zu interessieren, müssen die Konzerne Pakete bündeln, mit großen und kleinen, lukrativen und weniger attraktiven Tankstellen, quer durch die Republik und ohne regionale Schwerpunktbildung. "Wir werden einen repräsentativen Querschnitt durch unsere Netze anbieten", verspricht Josef Waltl, der künftige Chef von Shell&DEA. Das wird auch nötig sein. Sollten die Unternehmen nur ihre schlechten Stationen auf den Markt werfen, werden potenzielle Käufer gleich abwinken.

Der Kreis von Unternehmen, die sich für eine größere Anzahl Tankstellen in Deutschland interessieren könnten, ist begrenzt. ExxonMobil als nächstgrößerer Wettbewerber scheidet aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aus und auch für TotalFinaElf dürfte sich das Kartellamt nicht erwärmen.

Spekulativ genannt werden so stets die gleichen Kandidaten: Q8 aus Kuwait, Statoil aus Norwegen, Agip aus Italien, OMV aus Österreich und die US-amerikanische Conoco mit ihren "Jet"-Tankstellen. Keine dieser Firmen hat bislang den Finger gehoben und sich als Interessent bekannt. Branchenkenner schließen aber nicht aus, dass eines dieser Unternehmen sich engagiert - wenn der Preis stimmt.

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