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Myskina schreibt auf rotem Platz Geschichte

Paris (dpa) - Ausgerechnet auf dem roten Sand-Platz der French Open in Paris ist Anastasia Myskina zur ersten russischen Grand-Slam-Gewinnerin der Tennis-Geschichte gekürt worden.

Paris (dpa) - Ausgerechnet auf dem roten Sand-Platz der French Open in Paris ist Anastasia Myskina zur ersten russischen Grand-Slam-Gewinnerin der Tennis-Geschichte gekürt worden.

Für die 22-Jährige, die in einem der schwächsten Endspiele der vergangenen Jahre ihre Moskauer Freundin Jelena Dementjewa in nur 59 Minuten mit 6:1, 6:2 besiegte, wurde erstmals nach einem Grand-Slam-Finale auch die Hymne gespielt. Auf Tränen von Myskina wartete man jedoch vergebens. Die dunkelhaarige Russin hatte nicht nur den Silberpokal und ihren Siegerscheck über 838 500 Euro fest im Griff, sondern auch ihre Emotionen - dieses Mal.

Dass sie sich in ihrer Dankesrede bei ihrem deutschen Trainer Jens Gerlach öffentlich entschuldigte, geschah aus gutem Grund. Bei den Australian Open hatte sie sich mit dem Stuttgarter und ihrer Mutter auf dem Tennisplatz derart gefetzt, dass die Zeitungen in Melbourne groß darüber berichteten. Und auch zu Beginn der French Open fauchte sie permanent in Richtung Coach. «Es ist nicht leicht, mit mir zu arbeiten», gab Myskina zu.

Ihre Beziehung zu Gerlach war eine Zeit lang sehr innig, vielleicht erklärt das die ständigen Reibereien. Der Trainer, der zunächst Myskinas Trainingspartner, später Lebensgefährte war, seit sieben Monaten aber nur noch Coach ist, hat ein dickes Fell. «Ich weiß, dass unsere Beziehung nach außen hin komisch wirkt», erzählte der 31-Jährige. «Anastasia ist witzig und sehr nett. Leider kommt das auf dem Tennisplatz nicht immer so rüber. Aber sie entschuldigt sich immer gleich.»

Neun Jahre hat Gerlach in den USA Wirtschaft und Sportmanagement studiert, seinen Fulltime-Job als Coach würde er aber um keinen Preis der Welt hergeben. «Tennis ist mein Leben», sagt er und glaubt, dass das deutsche Damentennis vor allem an mangelnder Einstellung krankt: «Wenn man die Augen aufmacht, sieht man, dass es in Deutschland genauso viele Talente gibt. Aber man muss mit der Seele und dem Herzen dabei sein.» Als Beispiel führt Gerlach gern das Fedcup-Duell von 2002 an: «Damals in Dresden hat Russland gegen die deutsche Mannschaft verloren.» Die russischen Einzelspielerinnen hießen Jelena Dementjewa und Anastasia Myskina.

Die beiden Moskauerinnen sind mit dem ersten russischen Grand-Slam-Finale für ihre harte Arbeit belohnt worden, auch wenn das Endspiel auf niedrigem Niveau stand und bei den 15 000 Zuschauern auf dem Center Court keine Begeisterung entfachte. Selbst die Zeitung «Sowjetski Sport» urteilte kühl: «Ein Sieg des russischen Tennis. Myskina erledigte ihre Aufgabe so selbstbewusst und kaltblütig wie selten zuvor.» Ihre in Tränen aufgelöste Freundin Jelena Dementjewa brach unter dem nervlichen Druck hingegen fast zusammen, servierte katastrophal und brachte es in dem kurzen Match auf 33 leichte Fehler. «Mit dem Match konnte man keinen Schönheitspreis gewinnen», gab Jens Gerlach zu. «Aber das wollten wir auch gar nicht.»

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