myVulture.com kauft in Konkurs gegangene Internetfirmen
Geier kreisen um gescheiterte Dot-coms

dpa Seattle/Salt Lake City. Ein Scherz wurde Wirklichkeit, und die Betroffenen können gar nicht darüber lachen. Im populären amerikanischen Zeitungs-Comic-Strip «Doonesbury» entsteht ein Unternehmen, das unter dem Namen «myVulture.com» wie ein Geier über dem Besitz gescheiterter Dot-Com-Firmen kreist. Die Überreste der Geschäftsleichen werden billig eingekauft und dann Gewinn bringend abgestoßen. Was Millionen amerikanischer Zeitungsleser amüsiert, ist jetzt Realität: Der Geschäftszweck der echten Firma Overstock.com in Salt Lake City (Utah) ist derselbe wie der des fiktiven Vorbilds.

«Wir erwarten in den nächsten sechs Monaten noch mehr Firmendebakel», sagt Patrick Byrne. Der Chef von Overstock.com reibt sich schon die Hände. Er kann es kaum erwarten, sein eigenes Lager mit den Waren weiterer Pleiteunternehmen zu füllen. Byrne übernahm bereits die Sortimente des Juweliers Miadora.com, des virtuellen Hutgeschäfts eHats.com und des Babyartikel-Fachhändlers Babystripes.com. Dort freuten sich die Konkursverwalter über die Geldspritze Byrnes, mit der wenigstens einige der Schulden abbezahlt werden konnten.

Bei Overstock.com gibt es auch die Waren des gescheiterten Spielzeughändlers ToyTime.com. Kuschelbären, Plastikautos und Tretroller im Wert von 12 Millionen Dollar übernahm der neue Besitzer zum Preis von 3,7 Millionen Dollar. Das Spielzeug kann deshalb den Einzelkunden zu Schleuderpreisen angeboten werden, die oft über 50 Prozent unter den normalen Ladenbeträgen liegen. «Man labt sich am Dot-Com-Aas» - mit solch drastischen Worten beschrieb die Tageszeitung «USA Today» unlängst den schwunghaften Handel mit den Hinterlassenschaften der Gescheiterten.

Davon profitiert auch die Firma Bid4assets.com, deren Internet- Name wörtlich das Geschäft beschreibt: Die Kunden sollen Gebote einreichen. Dann können sie Teile aus der Konkursmasse von gescheiterten Unternehmen ersteigern, ganz gleich ob es sich um deren Warenlager oder Büroeinrichtungen handelt, von gebrauchten Computern über Möbel bis zu Kopierern.

Nutznießer der Pleiten sind auch Immobilienmakler, die leer stehende Büroräume der Pleitefirmen gegen hohe Provisionen weitervermitteln, und Anwälte, die den Konkurs abwickeln. «Wir sind sehr, sehr, sehr beschäftigt», sagt Steve O´Neill von der Kanzlei Murray & Murray in Kaliforniens Silicon Valley. Auch professionelle Arbeitsvermittler freuen sich über die Vielzahl der Pleiten. Sie können sich aus der großen Masse von neuerdings arbeitslosen Technologie-Experten die Topkandidaten herauspicken, berichtet Jim Audel von der Vermittlungsfirma Russell Reynolds in San Francisco. «Wir sehen immer mehr traditionelle Firmen, die im Internet-Handel mitmischen wollen und nun sachkundige Manager suchen, die sich in der E-Welt auskennen», freut sich Audel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%