N-TV erhöht Marktanteil
Phoenix geht bei Gebührenrunde leer aus

Der Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix geht bei einer möglichen Erhöhung der Rundfunkgebühr leer aus. "Der erste Etat von Phoenix ist am grünen Tisch entworfen worden, und wir müssen mit ihm wahrscheinlich über zehn Jahre leben", sagte Geschäftsführer Bodo Hauser dem Handelsblatt.

BONN. Phoenix wurde von seinen beiden Gesellschaftern ARD und ZDF bei der Anmeldung des Finanzbedarfs für die nächste Gebührenperiode nicht berücksichtigt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk fordert derzeit eine 10 prozentige Erhöhung der monatlichen Gebühr von 16,15 Euro.

"Wir müssen seit 1997 mit dem gleichen Programm-Etat auskommen. Das heißt unterm Strich: Wir haben bei Phönix Jahr für Jahr weniger Geld, wegen der Kostensteigerung", berichtet der frühere ZDF-Moderator Hauser. Der vor sechs Jahren gegründete Kanal verfügt bei 88 Mitarbeitern über einen Jahresetat von 30 Mill. Euro. "Mit der Bündelung von Ressourcen, mit weniger Auslandsübertragungen und mehr Wiederholungen haben wir die Kosten herunter gefahren", sagte Klaus Radke (ARD) - neben Hauser einer der beiden Geschäftsführer von Phoenix.

Das Einfrieren des Haushalts wird in Branchenkreisen mit Unverständnis aufgenommen. Denn bei anderen kleineren Sendern wie dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte sehen ARD und ZDF durchaus höheren Finanzbedarf. "Wir fordern eine Anpassung in der Höhe der Inflationsrate", bestätigt eine Arte-Sprecherin. Der Straßburger Sender verfügt über einen Jahresetat von fast 357 Mill. Euro, davon kommen 160 Mill. Euro vom deutschen Gebührenzahler.

Trotz des Finanzkorsetts will Phoenix inhaltlich expandieren. Der Ereigniskanal, der gegen die private Konkurrenz N-TV (Bertelsmann) und N 24 (Pro Sieben Sat 1 Media) antritt, will der Wirtschaft mehr Platz im Programm einräumen. "Ich fände es reizvoll, mehr aus Unternehmen und von Unternehmern berichten zu können", sagte Hauser. Im Gegensatz zur Politik gibt sich die Wirtschaft aber zugeknöpft. "Wir haben das Problem, dass sich deutsche Vorstandschefs mit der Fernsehpräsenz sehr zurückhalten. Da fehlt es noch an Souveränität", beklagt Hauser, der bei Phoenix die Interessen des ZDF vertritt.

Bei der Zuschauerakzeptanz liegt Phoenix derzeit vor N 24 und hinter N-TV. Phoenix erzielte im ersten Halbjahr einen Marktanteil von 0,6 % (Zuschauer über 14 Jahre). Der frühere Kirch-Sender N 24 kam auf nur 0,5 %. Die RTL-Tochter N-TV hingegen steigerte ihren Marktanteil um ein Viertel auf 0,8 %.

Die Quote hat bei Phoenix aber nicht die höchste Priorität. "Für uns ist es als Dokumentations- und Ereigniskanal wichtiger, unseren Programmauftrag zu erfüllen, als nur auf die Quote zu achten", sagt Senderchef Radke offen. Große Steigerungsraten erwartet sich der werbefreie Kanal sowieso nicht. "Eine Zuschauerquote von über 1 % zu erreichen, halte ich für äußerst schwierig", meint Hauser.

Hinsichtlich des Programms gibt sich Phoenix selbstbewusst: "N-TV und N 24 nähern sich mit mehr Dokumentation und Live-Berichterstattung unserem Programmkonzept an und nicht umgekehrt", sagt Hauser. Denn im Vergleich zur privaten Konkurrenz ist Phoenix an kein starres Programmschema gebunden, sondern kann sogar im Abendprogramm bei wichtigen Ereignissen wie Bundestagsdebatten flexibel reagieren.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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