n-tv-Verkauf ist sinnvoll
Holtzbrinck hat keine Liquiditätsprobleme

Die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hat Medienberichte, dass sie im weiteren Verlauf des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen könnte, entschieden zurückgewiesen.

DÜSSELDORF. "Unsere Liquidität ist gesichert und zwar nicht nur kurzfristig. Punkt. Die Banken stehen entschieden hinter uns und unserem Konzept, die Finanzkennziffern stetig zu verbessern", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Stefan von Holtzbrinck, dem "Handelsblatt". Gleichzeitig bestätigte er die Absicht der Verlagsgruppe, sich aus dem Fernseh- und Hörfunkgeschäft zurückzuziehen.

HB: Mitten in der Zeitungskrise kaufen Sie die Berliner Zeitungs-Gruppe. Warum?

Holtzbrinck: Unser Vertrauen in das Medium Zeitung ist trotz der konjunkturell schwierigen Lage ungebrochen. Mit der Akquisition wollen wir dafür sorgen, dass auch langfristig in der Hauptstadt eine publizistische Vielfalt ökonomisch gesichert wird.

HB: Was ist, wenn das Kartellamt Nein sagt?

Holtzbrinck: Wir hoffen, dass das Kartellamt diese Ziele teilt. Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, so werden wir uns selbstverständlich der Entscheidung fügen. Auch diesen schlimmsten Fall haben wir natürlich vor dem Kauf mit einkalkuliert.

HB: Ist das Zeitungsgeschäft künftig die Hauptsäule der Verlagsgruppe?

Holtzbrinck: Wir haben in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren am meisten investiert. Dies zeigt, dass wir hier eine unserer Kernkompetenzen sehen.

HB: Wollen Sie raus aus Hörfunk und Fernsehen?

Holtzbrinck: Ja, wir wollen uns von diesem sehr erfolgreich geführten Bereich trennen. Der Umsatzanteil an unserem Gesamtgeschäft ist verschwindend gering, die dort tobenden Schlachten sind enorm aufreibend. Wir werden allerdings weiterhin einige ausgewählte TV-Qualitätssendungen produzieren.

HB: Ihre NTV-Beteiligung galt bisher als wichtig für Synergien mit den Wirtschaftstiteln.

Holtzbrinck: Wir haben unsere Marken- und Programmrechte bei NTV für einige Zeit sichern können. Wirtschafts- und Börsenfernsehen interessiert uns nach wie vor. Außerdem kooperieren unsere Wirtschaftstitel wie das "Handelsblatt" auch mit anderen Sendern inklusive der öffentlich-rechtlichen.

HB: Hätten Sie sich die "Berliner Zeitung" ohne NTV-Verkauf überhaupt leisten können?

Holtzbrinck: Wir wollen unsere Fremdverschuldung nicht weiter steigern. Deshalb macht es Sinn, einen Nicht-Kernbereich abzugeben.

HB: Brauchen Sie für den NTV-Verkauf die Zustimmung Ihrer Banken? Holtzbrinck: Wir machen grundsätzlich keine Geschäfte zu Lasten unserer Banken. Wir sind in unserer Informationspolitik ihnen gegenüber äußerst transparent.

HB: Die Werbekrise beutelt alle Medien. Erwarten Sie in der Verlags-gruppe für 2002 einen dramatischen Ergebniseinbruch?

Holtzbrinck: Das weltweite Buchgeschäft wird trotz der miserablen Lage des deutschen Buchhandels insgesamt überplanmäßig abschneiden. Der Bereich Bildung und Wissenschaft wird seine hervorragenden Ergebnisse wie in den Vorjahren nochmals um mindestens 20 Prozent verbessern. Die Regional- und Tageszeitungen inklusive "Tagesspiegel" und "Zeit" liegen über Vorjahr - trotz einer miserablen Werbekonjunktur. In der Verlagsgruppe Handelsblatt müssen wir im Jahr 2002 erst einmal die Restrukturierungskosten wegstecken. Die Kernobjekte "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" sowie die Fach-verlage sind nach wie vor gut profitabel. Zusammmengefasst: Über zwei Drittel unseres Geschäfts liegen gegenüber dem Vorjahr im Plus. Hierbei kommt uns die Ausgewogenheit unseres Portfolios entgegen: Wir haben zum Beispiel einen Auslandsanteil von 40 Prozent. Und lediglich ein Viertel unseres Geschäfts besteht aus Werbeeinnahmen.

HB: Können Sie aus Ihrem Cash-flow noch alles finanzieren, was Sie vorhaben?

Holtzbrinck: Sicherlich übersteigen unsere Fantasien und die sich anbietenden Chancen die Möglichkeiten eines mittelständischen Fa-milienunternehmens. Andererseits sind wir kreativ, flexibel und solide genug, um auf Ebene unserer Holding oder unserer Subholdings alle Möglichkeiten der Finanzierung weiteren Wachstums anzugehen.

HB: Ihre Konkurrenten streuen das Gerücht, Sie könnten im weiteren Verlauf des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen.

Holtzbrinck: Unsere Liquidität ist gesichert und zwar nicht nur kurzfristig. Punkt. Die Banken stehen entschieden hinter uns und unserem Konzept, die Finanzkennziffern stetig zu verbessern. Wie bei vielen anderen Medienunternehmen auch, könnten unsere in der gegenwärtig schlechten Konjunkturlage natürlich besser aussehen.

HB: Der "Spiegel" behauptet, sie stünden auf einem "gewaltigen Schuldenberg".

Holtzbrinck: Unsere Nettofinanzschulden liegen weit unter dem genannten Betrag von 1,23 Milliarden Euro. Unsere Eigenkapitalquote ist, auch im Vergleich zu Unternehmen ähnlicher Größenordnung, nach wie vor ordentlich.

HB: Planen Sie weitere Verkäufe, um Ihre Finanzschulden zu reduzieren?

Holtzbrinck: Die Verlagsgruppe wäre in Folge ihres gelebten Prinzips der Dezentralität jederzeit in der Lage, Unternehmensteile zu verkaufen. Wir haben starke Marken, die andere Medienkonzerne sehr gut bezahlen würden. Aber wir wollen lieber gute Eigentümer sein als clevere Verkäufer.

HB: Sie haben vor kurzem Ihre Holding-Geschäftsführung gestrafft. Gab es einen Machtkampf?

Holtzbrinck: Nein. Ich bin der festen Überzeugung, dass mein Verhältnis zu allen Kollegen exzellent war und ist. Machtkämpfe würde ich nicht zulassen. Richtig ist, dass eine Holding nicht vor Ort schlanke Managementstrukturen verlangen kann, ohne dabei selbst ein Beispiel zu geben. Mit der einheitlichen Leitung der Bereiche Tageszeitungen und Wirtschaftsinformationen durch Michael Grabner sind wir jetzt viel schneller in unseren Entscheidungen.

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