N24 und n-tv kämpfen in engem Markt um Anteile
Platz im Kabel entscheidet über Erfolg der Nachrichtensender

Reuters HAMBURG. Jahrzehntelang hatten ARD und ZDFpraktisch das Monopol für Fernsehnachrichten. Neben der inzwischen etablierten Konkurrenz durch private Vollprogramme wie RTL und SAT.1 buhlen jetzt auch reine Nachrichtensender wie n-tv und N24 immer stärker um die Gunst informationshungriger Zuschauer. Doch für diese Spartenkanäle ist ein wichtiges Gut knapp: Platz im Kabelnetz.

Ein weiteres Stück davon erobert hat jetzt der zur Münchner Kirch-Gruppe gehörende Sender N24. Zur Jahreswende werde N24 in alle 1,4 Millionen Berliner Kabelhaushalte eingespeist und sei dann - ein Jahr nach seinem Start - in 48 % aller deutschen Fernsehhaushalte zu empfangen, teilte N24 am Montag mit. N24 ist bereits in den Kabelnetzen mehrerer Bundesländer vertreten und wird auch über Satellit ausgestrahlt. Der 1992 gestartete Hauptkonkurrent n-tv erreicht in Deutschland eigenen Angaben zufolge praktisch alle knapp 18 Mill. Kabelhaushalte sowie über Satellit rund 33 % aller Fernsehhaushalte. Über die Vergabe von Kabelfrequenzen entscheiden die Landesmedienanstalten.

"Die Nachrichtensender haben Perspektiven", sagt Thorsten Grothe, stellvertretender Geschäftsführer des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT). "Aber sie sind abhängig von den Verbreitungswegen." Als Interessensvertreter der Privatsender setzt sich der VPRT deshalb für den Ausbau der Netze ein. "Da 55 % der Deutschen Fernsehen über Kabel empfangen, ist der Zugang zu diesem Netz besonders wichtig."

Unabhängige GfK-Zahlen kann N24 nicht vorweisen

Doch trotz einer verbesserten technischen Reichweite - also der Möglichkeit, den Sender überhaupt zu empfangen - ist die Zahl der tatsächlichen N24-Zuschauer entsprechend einem Spezialprogramm weiter gering: Die Marke von einer Million Zuschauern täglich erreichte der Sender nach einer von ihm selbst in Auftrag gegebenen Studie im August. Im Vergleich dazu sahen nach Zahlen der GfK-Fernsehforschung im selben Monat durchschnittlich knapp 5,5 Mill. Menschen täglich allein die 15 Minuten dauernde "Tagesschau", knapp vier Mill. sahen "heute" und rund 3,3 Mill. "RTL aktuell". Unabhängige GfK-Zahlen liegen für N24 nicht vor.

Doch Sender wie N24 und n-tv sind nicht nur Spartenkanäle für Nachrichten-Freaks, die sich vor allem für Wirtschaftsthemen interessieren, sondern entwickeln sich immer mehr zu zentralen Nachrichtenredaktionen für ganze Senderfamilien. So soll die Redaktion von N24 im Sommer von München nach Berlin verlegt werden, mit dem Nachrichtenbereich von SAT.1 fusionieren und für die von Kirch und Springer neu gegründete Senderfamilie Prosieben-Sat.1 Nachrichten produzieren. Dort denkt man jetzt auch über neue Nachrichten-Formate nach - vor allem für jüngere Zuschauer. Ursprünglich wollte sich die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" an N24 beteiligen, nahm davon aber nach der Gründung der Senderfamilie Abstand.

"Ich bin mir gar nicht sicher, ob sich N24 je rechnen wird", sagt Uwe Hasebrink, Leiter des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung an der Universität Hamburg. Aber zentral erarbeitete Nachrichten könnten auf allen Kirch-Kanälen verbreitet werden, woraus sich Synergie-Effekte ergäben. N24 will eigenen Angaben zufolge 2004 die Gewinnschwelle erreichen. Das Hans-Bredow-Institut wird unter anderem von der ARD und dem ZDF finanziert.

Auch über die Gründung eines eigenen Nachrichtenkanals beim Kirch-Konkurrenten RTL wird seit längerem spekuliert. Branchenkreisen zufolge hatte RTL sich ursprünglich an n-tv beteiligen wollen, was die Haupteigner aber abgelehnt hätten. Die meisten n-tv-Anteile werden von der Verlagsgruppe Handelsblatt, dem US-Nachrichtensender CNN und dem US-Konzern Time Warner gehalten. Die RTL-Sendergruppe wird von Bertelsmann kontrolliert.

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