Nach 15 Monaten erstmals wieder schwarze Zahlen
Ford schafft im zweiten Quartal die Wende

Das drastische Sparprogramm, das Konzernchef Scheele dem US-Autobauer Ford im Januar verordnet hatte, zeigt in Nordamerika endlich Wirkung. Im zweiten Quartal wird Ford in die Gewinnzone zurückkehren. Der Verkauf von Unternehmensteilen wie "Kwik-Fit", der sich in der letzten Phase befindet, soll zusätzlich Geld bringen.

DÜSSELDORF. Ford-Präsident Nick Scheele kann sich ein wenig entspannen: Im zweiten Quartal dieses Jahres kann der zweitgrößte amerikanische Automobilhersteller wieder einen Gewinn ausweisen. "Das wird mehr als nur eine schwarze Null sein", sagte der Automanager im Gespräch mit dem Handelsblatt. Details zum Quartalsergebnis wird Ford Mitte Juli vorlegen. Damit geht eine mehr als einjährige Durststrecke für den US-Konzern zu Ende. Zuletzt hatte der Autobauer im ersten Quartal 2001 schwarze Zahlen geschrieben.

Ford durchlebt derzeit eine der schwersten Krisen seiner Unternehmensgeschichte. Im vergangenen Jahr stand ein Verlust von mehr als 5 Mrd. $ in den Büchern. Schuld an dem Desaster waren die miserablen Verkaufszahlen in Nordamerika, in Europa ist der US-Konzern dagegen aus den roten Zahlen heraus. Alle amerikanischen Hersteller stehen auf ihrem Heimatmarkt unter dem starken Druck asiatischer und deutscher Anbieter, die immer wieder neue Marktanteile hinzugewinnen.

Ford glaubt dennoch an die dauerhafte Wende. Nach Scheeles Worten gibt das im Januar eingeleitete Sanierungsprogramm in Nordamerika Anlass für Optimismus. In erster Linie setzt der US-Konzern auf Kostensenkung: So werden in amerikanischen Ford-Werken Schichten ersatzlos gestrichen, überall im Unternehmen laufen rigorose Programme zum Stellenabbau. Mehr als 20 000 Mitarbeiter werden in einem Zeitraum von über fünf Jahren von den Stellenkürzungen betroffen sein. Ab Herbst nächsten Jahres stehen auch Werksschließungen an, denn dann laufen Schutzabkommen mit der Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW aus. "Das wird nicht einfach werden", prophezeite Scheele.

Inoffiziell wird auch im Ford-Konzern nicht mehr bestritten, dass sich General Motors (GM) in die Position des stärksten der drei amerikanischen Autohersteller vorgearbeitet hat. Auch der Nummer drei, Chrysler, fehlen wie Ford derzeit die zugkräftigen neuen Modelle. "GM befindet sich in einer sehr komfortablen Situation", bestätigt Markus Plümer, Automobilanalyst der WestLB in Düsseldorf. "General Motors hat in den vergangenen Jahren rechtzeitig beim Materialaufwand gespart", ergänzt sein Münchener Kollege Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Der Ford-Konzern werde länger benötigen, um mit neuen Modellen den Abstand zu GM wieder zu verkleinern.

Scheele, nach seinen Erfolgen bei der Sanierung in Europa im vergangenen Jahr von der Ford-Eigentümerfamilie in die US-Zentrale geholt, äußerte sich über die Ertragsentwicklung im weiteren Jahresverlauf allerdings vorsichtig. Am Schluss werde in den Büchern wahrscheinlich ein Ergebnis stehen, das "nur ein bisschen besser als Break-even" sei. Traditionell fallen das dritte und das vierte Quartal in der Automobilindustrie schwächer aus als die Frühjahresperiode, in der die meisten neuen Autos zugelassen werden.

Ford braucht auf jeden Fall viel Geduld. "Der gesamte Umbau könnte bis 2008 dauern", sagte Scheele über die geplante Flexibilisierung der Werke, von denen ein Großteil künftig mehr als nur ein Modell fertigen soll. Ford will seine Produktionskapazität in Nordamerika bis zur Mitte des Jahrzehnts von 5,7 Millionen auf 4,8 Millionen Autos zurückfahren.

Verkäufe von Konzerntöchtern werden in diesem Jahr etwa 1 Mrd. $ zusätzlich in die Kassen spülen und damit den Kostendruck mindern. Den größten Teil dieser Summe wird der Verkauf der Reparaturkette "Kwik-Fit" (in Deutschland: "Pit-Stop") bringen. Die Verkaufsverhandlungen sind laut Scheele "in der letzten Phase

".

Die Lage des europäischen Geschäfts schätzt Scheele dagegen stabil ein. Die noch unter seiner Regie von der Europa-Zentrale in Köln aus gestartete Sanierung habe sich besser entwickelt als erwartet. Weitere Sparmaßnahmen seien aber nicht ausgeschlossen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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