Nach 2:0 gegen Polen
Vom Prügelknaben zum Nationalhelden

Präsident soll er werden und ein Denkmal wollen sie ihm setzen: Trainer Guus Hiddink hat in Südkorea den Status eines Nationalhelden erreicht. Egal, wo der 55-jährige Niederländer in diesen Tagen auftaucht, fallen die ansonsten zurückhaltenden Südkoreaner geradezu in Trance, kreischen, jubeln und weinen zugleich. Hiddink ist derzeit wohl die beliebteste Person in Südkorea.

dpa DAEGU. Mit dem 2:0 über Polen, dem ersten südkoreanischen WM-Sieg bei der sechsten Endrunden-Teilnahme seit 1954, hat Hiddink 45 Mill. Menschen von einem Albtraum und einer Schmach befreit. "Hiddink, mach' unseren Traum wahr", flehen sie auf Spruchbändern und meinen damit den Einzug ins Achtelfinale. Der Sieg gegen Polen sei "nur der erste Schritt", betont der frühere niederländische Bondscoach und blickt über den WM-Horizont hinaus. "Es ist der erste Schritt auf dem Weg, den koreanischen Fußball an die Weltspitze heranzuführen."

Als der Niederländer im Dezember 2000 als erster ausländischer Trainer die Mannschaft übernahm und in Testspielen zunächst Misserfolge erntete, schlugen ihm Kritik und Anfeindungen in den Medien entgegen. Die "Langnase" aus Europa galt schon als Fehleinkauf. Eine Kreditkarten-Werbung im Fernsehen, in dem Hiddink in Boris-Becker-Manier die Faust ballt, wurde kurzerhand abgesetzt. Das Unternehmen befürchtete einen Imageschaden.

Doch der Niederländer baute das Team unbeirrt um, setzte auf jüngere Spieler, missachtete die alte Rangordnung und warf damit das ostasiatische Ordnungs- und Lebensprinzip der uneingeschränkten Herrschaft des Alters über die Jugend über den Haufen. "Als ich die Mannschaft übernahm, entdeckte ich einige Merkwürdigkeiten. Beim gemeinsamen Essen nach dem Training saßen am ersten Tisch die alten Spieler, am zweiten aß die mittlere Altersgruppe und am dritten saßen die Jungen. Miteinander geredet wurde nicht", berichtete Hiddink. "Aber Kommunikation untereinander ist die Voraussetzung, um ein echtes Team zu sein. Also habe ich die alte Rangordnung aufgelöst."

Hiddink verordnete seinen Spielern eine erbarmungslose Konditionsknüppelei. "Die physische Stärke ist die Grundlage, dass die Mannschaft die Taktik über die gesamte Spielzeit mit hohem Tempo umsetzen kann", erklärt der Anhänger des Offensiv-Fußballs, der den PSV Eindhoven 1988 zum Europapokalsieg der Landesmeistern führte und später den FC Valencia, Real Madrid und Betis Sevilla betreute. Heute gestehen Hiddinks Kritiker: "Er hat alles richtig gemacht. Er ist ein Taktik-Genie." Mittlerweile ist die TV-Werbung mit dem Niederländer wieder einer der meistgesendeten Werbespots.

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