Nach 49 Jahren Chipgeschäft
Siemens stößt Infineon ab

Der Siemens-Konzern hält nicht mehr die Mehrheit an seiner verlustreichen Halbleiter-Tochter Infineon. Die Beteiligung sei durch den Verkauf von Aktien von zuletzt 50,4 auf unter 50 % gedrückt worden, teilte die Siemens AG (Berlin/München) am Mittwoch mit.

dpa-afx MÜNCHEN. Ab sofort werde Infineon nicht mehr voll bei Siemens konsolidiert. Nach 49 Jahren, in denen sich der Siemens-Konzern im Halbleiter-Geschäft engagierte, wird Infineon nur noch als Finanzbeteiligung geführt. Der für beide Unternehmen historische Schritt war seit längerem erwartet worden.

Ziel bleibe es, sich ganz von den Infineon-Anteilen zu trennen, sagte ein Siemens-Sprecher. Die Infineon-Aktie, die zuletzt schon von höheren Chippreisen profitiert hatte, reagierte mit weiter steigenden Kursen auf die Nachricht. Auch Infineon-Chef Ulrich Schumacher begrüßte den Schritt.

Infineon steht künftig auf eigenen Beinen

Infineon wird nun künftig endgültig auf eigenen Beinen stehen, die Mehrheit der Stimmrechte liegt bei den freien Aktionären. "Mit diesem wichtigen Schritt wird Infineon seinen bisherigen Kurs eigenverantwortlich und erfolgreich fortsetzen", sagte Schumacher. Siemens werde aber ein strategischer Partner und bedeutender Kunde bleiben. Der Infineon-Aktienkurs stieg am Mittwoch zwischenzeitlich um mehr als 12 % auf 27 ? und setzte damit den Aufwärtstrend der vergangenen Handelstage fort. Auch die Siemens-Aktie legte nach der Mitteilung deutlich um zeitweise 9 % auf über 73 ? zu.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte im November 1998 im Rahmen seines Zehn-Punkte-Programms den Rückzug aus dem zyklischen Halbleitergeschäft angekündigt. Vor knapp zwei Jahren schickte der Konzern die Chiptochter an die Börse, behielt aber noch die Mehrheit. Schrittweise wurde die Beteiligung weiter reduziert, zuletzt durch die Übertragung von 13,5 % an einen Siemens-Pensionsfonds.

200 Millionen Infineon-Aktien an einen Treuhänderfonds

Da in den USA die Stimmrechte Pensionsfonds den Konzernen zugerechnet werden, übertrug Siemens auch noch 200 Mill. Infineon-Aktien an einen Treuhänderfonds. Der Konzern behält zwar das wirtschaftliche Eigentum an den Aktien, die Stimmrechte können jedoch nicht genutzt werden. Somit liegt Siemens auch unter Einrechnung des Pensionsfonds bei den Stimmrechten unter 50 %. Siemens wird die Gewinne oder Verluste von Infineon künftig anteilig als Beteiligungsergebnis in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließen lassen.

Infineon hatte im Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) vor Steuern und Zinsen einen Verlust von einer Milliarde Euro erzielt. Der Umsatz sank um 22 % auf 5,67 Mrd. ?.

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