Nach Ablauf der Haltefrist
T-Aktie stürzt auf 42-Monats-Tief

Die T-Aktie verlor in der Spitze bis zu fünf Prozent, nachdem für viele Ex-Aktionäre der per Aktientausch übernommenen Voicestream die Haltefrist abgelaufen war.

Reuters FRANKFURT. Die Aktien der Deutschen Telekom sind am Montag erneut massiv unter Druck geraten und zeitweise auf ihren tiefsten Stand seit mehr als dreieinhalb Jahren abgestürzt. Bei geringen Umsätzen verlor die T-Aktie in einem insgesamt schwachen Markt bis zum Nachmittag 3,2 % auf 16,41 Euro, nachdem sie zuvor noch in der Spitze mehr als fünf Prozent abgegeben hatte. Allerdings standen die Aktien von Telekommunikations-Firmen europaweit unter Druck. Einige Analysten führten die Verluste der T-Aktie auf das Ablaufen einer Haltefrist für ehemalige Aktionäre der größtenteils von der Telekom per Aktientausch übernommenen US-Mobilfunkfirma VoiceStream zurück. Die mögliche Platzierung großer T-Aktienpakete habe sogar den Euro belastet, hieß es.

Die T-Aktie fiel am Mittag mit Kursverlusten von mehr als fünf Prozent auf 16,06 Euro und markierte damit ihren tiefsten Stand seit 42 Monaten. Mit rund 8,5 Mill. gehandelten Papieren fiel der Umsatz im Vergleich zu einem durchschnittlichen Handelstag allerdings verhältnismäßig gering aus, was Händler auf die Abwesenheit von Marktteilnehmer auf Grund des Labour-Day-Feiertags in den USA zurückführten. Im Durchschnitt werden üblicherweise rund 20 Mill. T-Aktie pro Tag über das elektronische Handelssystem Xetra gehandelt.

Analysten sahen den möglichen Rückfluss von T-Aktien ehemaliger Voicestream-Aktionäre durchaus als Grund für den Kursrückgang am Montag an. Am Samstag war eine zwischen der Telekom und ehemaligen Voicestream- und Powertel-Aktionären vereinbarte Haltefrist für rund 200 Mill. T-Aktien abgelaufen. "Diese Rückflüsse nach dem Haltefristende sind eine plausible Begründung für den schwachen Kursverlauf", sagte WestLB-Analyst Frank Wellendorf auf Anfrage. Ähnlich sieht das auch WGZ-Bank-Analyst Jörg Natrop. "Immerhin geht es um 200 Mill. Aktien, deren Haltefrist abgelaufen ist", sagte Natrop. Ein Teil davon laufe derzeit wohl zurück und belaste den Kurs, so der Analyst weiter.

Börsianer sagten dagegen, dass auf Grund des im Vergleich zu sonstigen Handelstagen niedrigen Telekom-Umsatzes ein massiver Rückfluss von T-Aktien seitens ehemaliger VoiceStream-Aktionäre nicht erkennbar sei. "Dass es hier die großen Rückflüsse gibt, können wir bis jetzt nicht sehen. Die Umsätze sind einfach zu schwach."

Die Telekom bekräftigt indes am Vormittag, dass die seit Monaten laufenden Gespräche mit dem US-Kabelnetzbetreiber Liberty Media über den Kauf von sechs Kabel-TV-Netzen weiterhin im Plan verliefen. Ein Telekom-Sprecher sagte, die Verhandlungen seien "auf gutem Weg". Man lasse sich in den Verhandlungen von Liberty Media und öffentlichen Äußerungen nicht unter Druck setzen. Die Telekom reagierte mit dieser Bekräftigung auf einen Zeitungsbericht, demzufolge Liberty Media von der Telekom Ausstiegsklauseln aus den Kaufverträgen für sechs regionale Kabel-TV-Netze verlangt.

Börsianer sagten, die T-Aktie folge auch der Tendenz der übrigen Telekomwerte in Europa. Der Dow Jones-Euro Stoxx-Telekom-Index gab um rund 2,4 % nach, was auf die anstehende Neubesetzung der europäischen Stoxx-Indizes zurückzuführen sei. Am Montagabend wird der Index-Anbieter Stoxx-Ltd über eine neue Zusammensetzung des Euro-Stoxx-50-Index entscheiden. Die wahrscheinlichsten Kandidaten für einen Abstieg seien die Titel von France Telecom und dem niederländischen Telekomkonzern KPN. Die Werte gaben um rund 6,5 beziehungsweise 5,1 % nach und waren damit größte Verlierer unter den europäischen Telekomtiteln.

Die Verluste bei der T-Aktie wirkten sich nach Angaben von Devisenhändlern auch auf den Euro aus. Es gebe Befürchtungen im Markt, Investoren könnten Telekom-Aktien aus dem VoiceStream-Kauf nach Ablauf einer der Haltefristen am Wochenende verkaufen und in andere Währungen - vornehmlich $ - investieren. Dies würde größere Euro-Verkäufe und Dollar-Käufe auslösen. Im Referenzkursverfahren EuroFX wurde der Euro mit 0,9072 $ nach 0,9169 $ am Freitag festgesetzt.

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