Nach annullierten Toren
Italiener toben - Kroaten genießen

Die Italiener tobten und fluchten. Flehend und bettelnd bedrängten sie das Schiedsrichter-Gespann. Doch Nichts half. Die zwei nicht gegebenen Treffer und das Spiel waren unwiderbringlich verloren. Die Kroaten hingegen tanzten, jubelten und genossen die hart erkämpfte neue Chance auf das WM-Viertelfinale. Und zu den beiden umstrittenen Szenen schwiegen sie und grinsten genüsslich.

dpa IBARAKI. Ganz nüchtern betrachtet und in Zahlen ausgedrückt lautete das Ergebnis dieses erst am Ende packenden und leidenschaftlichen Spiels der Gruppe G: Italien - Kroatien 1:2 (0:0).

Sündenbock der emotionsgeladenen Samstag-Nacht in Ibaraki war vor allem der an der Linie Dienst tuende Jens Larsson. "Ein dänischer Albtraum", wie der "Corriere della Sera" meinte. Ein Assistent, der "in Italien nicht mal in der dritten Liga pfeifen dürfte", wie Torschütze Christian Vieri (55.) befand. Und tatsächlich hatte er den Italienern ein Tor "geklaut", weil die Vorlage zu Vieris (50.) erstem Einschuss ein Rückpass war und damit kein Abseits vorlag. Beim zweiten annullierte Treffer hingegen gab Larsson seinem Vorgesetzten Graham Poll (England) in der Nachspielzeit das richtige Signal: Nach einem langen Pass von Marco Materazzi hatte Filippo Inzaghi ein Foul begangen, ehe der Ball ins Netz trudelte.

Larsson unterlief nur ein Fehler. Die pomadigen Italiener, die nach den Toren von Ivica Orlic (73.) und Milan Rapaic (76.) um den Viertelfinal-Einzug bangen müssen, machten viele. Den größten brachte Zvonimir Soldo auf den Punkt: "Die haben den Fehler gemacht, dass sie nach dem Tor zufrieden waren." Auf die umstrittenen Szenen angesprochen, grinste der beim VfB Stuttgart angestellte Kroate und sagte fast wortgleich wie Bayern-Profi Robert Kovac: "Das habe ich gar nicht gesehen."

Lieber sprachen die Kroaten über sich selber. "Nur große Mannschaften kommen nach einem Rückstand gegen Italien so zurück", jubilierte Trainer Mirko Jozic, sprach von "Überlebenskampf-Fußball" und bezeichnete seine Spieler als "Sport-Helden, denn in den letzten 20 Minuten hatten wir drei Verletzte auf dem Feld". Dass der Coach mit markigen Worten feststellen durfte, dass "sie auf dem Platz füreinander gestorben sind", war so selbstverständlich allerdings nicht. Denn beim 0:1 gegen Mexiko hatten die Kroaten ähnlich emotionslos agiert wie die Italiener am Samstag.

Den Grund für das Mexiko-Desaster fasste Hertha-Verteidiger Josip Simunic zusammen: "Wir waren müde von vielen Dingen innerhalb der Mannschaft." Der Coach reagierte, setzte sich gegen die Wortführer Davor Suker und Robert Prosinecki durch und schickte die beiden Stand-Fußballer auf die Bank. "Heute sind alle gerannt", sagte Robert Kovac trocken. Den internen Zoff wollte er nicht weiter kommentierten.

Zuhause seien sie "hart kritisiert und teilweise mit Dreck beschmissen worden", berichtet der jüngere der Kovac-Brüder. Samstag, nach der unerwarteten WM-Wende, sah das ganz anders aus: Zehntausende kroatischer Fans badeten in den Brunnen der Hauptstadt Zagreb, schwenkten die karierten Nationalflaggen und tanzten auf den Straßen. Die Zeitung "Vjesnik" titelte: "Kroatien wirft Italien auf die Knie", und "Vecernij" schrieb: "Der Ruhm gehört den Helden."

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