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Nach Anschlag schwächere Autokonjunktur befürchtet

Die Terroranschläge in den USA könnten nach Einschätzung von Finanzexperten die ohnehin schwächer gewordene Autokonjunktur auf dem größten Automarkt der Welt in Nordamerika weiter belasten.

Reuters FRANKFURT. Branchenkenner fürchten vor allem, dass sich das Verbrauchervertrauen in den USA verringert, dessen relativ robuster Stand von Experten in den vergangenen Monaten als wesentlicher Faktor dafür gesehen wurde, dass die USA nicht in eine Rezession abgegleitet sei. "Es gibt die Furcht, dass dies der Nagel in den Sarg des Verbrauchervertrauens ist", sagte ein Analyst. Während einige Branchenexperten auch Belastungen für den US-Absatz deutscher Hersteller erwarten, geht der Verband der Automobilindustrie (VDA) kurzfristig von keinen negativen Auswirkungen auf die Absätze deutscher Konzerne aus.

"Wie ich es sehe, hat sich die Gefahr einer Rezession (in den USA) verstärkt, und die gute Position der deutschen Autohersteller wird nicht so weitergehen", sagte ein deutscher Analyst. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaftslage der USA hat sich unterdessen nach einer jüngsten Umfrage der Universität Michigan Kreisen zufolge deutlich verschlechtert. Die Umfrage war noch vor den Anschlägen fertiggestellt worden.

Die deutschen Hersteller hatten ihre Absätze in den USA zuletzt durchgehend gesteigert und in dem bis August um fünf Prozent geschrumpften US-Automarkt ihren Marktanteil stark ausgeweitet. Von Januar bis August verkauften die deutschen Produzenten in den USA rund 600 000 Fahrzeuge. Durch den hohen Kurs des Dollar hatte das starke US-Geschäft auch die Gewinne der deutschen Konzerne erheblich gestützt.

Finanzexperten sagten, zuletzt habe der Luxus-Status deutscher Autos die Hersteller vor Absatzeinbußen bewahrt. Analysten vermuten, dass Porsche und BMW von einem Nachfragerückgang als Folge der Terroranschläge besonders stark betroffen wären. Sie verwiesen darauf, dass ein großer Teil ihrer US-Kunden aus der Finanzwelt stammt, deren Einkünfte stark von Bonuszahlungen abhängen, die wegen der ohnehin schwachen Finanzmärkte und der weiteren Einbrüche nach den Anschlägen dieses Jahr wohl überwiegend ausfallen dürften.

Garel Rhys, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Cardiff, sagte, die Nachfrage nach deutschen Luxusfahrzeugen in den USA könnte nachlassen, da ihr Kauf auch mit einer guten Stimmung verknüpft sei. "Und die werden die Leute erstmal nicht mehr haben", sagte er. Die Auswirkungen einer sinkenden Nachfrage könnten nach seinen Worten in einigen Monaten sichtbar werden, während andere Branchenexperten Effekte bei den Absätzen erst für das kommende Jahr erwarten.

Einige Analysten sorgen sich auch über die Auswirkungen möglicherweise steigender Kraftstoffpreise auf die Autonachfrage. Nach den Anschlägen war der Ölpreis an den Weltmärkten am Dienstag um mehr als ein Zehntel auf 31 $ gestiegen, ist seitdem aber wieder auf rund 28 $ und damit etwa auf das Niveau wie vor den Anschlägen gefallen. "Es gibt einen starken statistischen Zusammenhang zwischen Ölpreisen und der Nachfrage nach Autos", sagte ein Analyst.

Einige Finanzexperten gehen davon aus, dass die deutschen Hersteller bei einer sinkenden Nachfrage in den USA als Folge der Anschläge die Produktion verringern müssten. "Ich denke, wir werden eine Verringerung des Produktionsvolumens sehen. Die deutschen Hersteller werden voraussichtlich ihre Kapazitätsauslastung prüfen, aber ich erwarte keinen wirklichen Kapazitätsabbau", sagte Autoexperte Rhys dazu. Viele deutsche Hersteller wie etwa BMW und Porsche haben ihre Fertigung derzeit voll ausgelastet, so dass nach Einschätzung von Analysten eine geringfügige Verringerung bei ihnen nicht folgenschwer wäre.

Dagegen geht VDA-Präsident Bernd Gottschalk nicht davon aus, dass sich die Lage in den USA kurzfristig negativ auf den Absatz deutscher Hersteller auswirken könnte. Natürlich hätten die US-Bürger jetzt anderes im Sinn als in ein Auto zu investieren. "Aber wir haben eine Position, die - glaube ich - nicht kurzfristig tangiert ist", sagte er. Gottschalk verwies darauf, dass die Nachfrage bei einigen deutschen Hersteller zuletzt so groß war, dass es Lieferfristen gibt. Insgesamt halte er die konjunkturellen Auswirkungen der Anschläge für überwindbar.

An den Börsen sind die Aktien der deutschen Autohersteller nach den Anschlägen am Dienstag wie die Märkte insgesamt eingebrochen. Die Aktie des Sportwagenherstellers Porsche - das Stuttgarter Unternehmen setzt rund die Hälfte seiner Fahrzeuge in Nordamerika ab - brach zeitweise um ein Fünftel ein. Die DaimlerChrysler-Aktie ist mit rund 37 Euro nur noch so viel wert wie die Aktie des Vorgängerunternehmens Daimler-Benz im Januar 1996. Die US-Tochter Chrysler, die Verluste schreibt und ein milliardenschweres Sparprogramm umsetzt, ist als drittgrößter US-Hersteller stärker als deutsche Anbieter der US-Konjunktur ausgesetzt. Rhys sagte, die jetzige Lage verstärke die Probleme bei Chrysler, aber die Ausgangsposition sei unverändert. Die deutschen Hersteller selbst erklärten, es sei zu früh, um über mögliche wirtschaftliche Folgen der Terroranschläge zu sprechen.

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