Nach Attentat auf deutsche Truppe
Isaf rechnet mit weiteren Anschlägen auf Soldaten

Nach dem Selbstmordanschlag auf deutsche Isaf-Soldaten rechnet die internationale Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) mit weiteren Attentaten auf die Truppe.

rtr KABUL/BERLIN. Isaf-Sprecher Thomas Löbbering sagte am Sonntag in Kabul, die Isaf rechne mit weiteren "terroristischen Angriffen". Vor dem Attentat auf den Bundeswehrbus, der nach afghanischen Regierungsangaben von der Moslem-Extremistenorganisation El Kaida ausgeführt sein könnte, habe es, wie nahezu täglich, eine konkrete Anschlagwarnung gegeben. Es sei schwierig, falsche von echten Drohungen zu unterscheiden. Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte erklärt, ihm seien keine konkreteren Hinweise als die auf die allgemeine Gefahrenlage in der Region bekannt. "Ich kann nicht erkennen, dass wir dort fahrlässig gehandelt hätten", sagte der Minister. Struck wie auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wiesen Überlegungen über einen Abzug der deutschen Soldaten zurück und betonten, die Bundeswehr werde ihren Auftrag in Afghanistan fortsetzen. US-Präsident George W. Bush drückte in einem Telefonat mit Schröder das Beileid der USA aus.

Bei dem Anschlag auf einen mit 33 Soldaten besetzten Bundeswehrbus in Kabul waren am Samstag vier Soldaten getötet und 29 verletzt worden, sieben von ihnen schwer. Die Soldaten waren in einem mit zwei gepanzerten Begleitfahrzeugen und einem Gepäckwagen zum Flughafen unterwegs, als ein Taxi den Bus überholte und der Sprengstoff gezündet wurde. Die Zahl der Toten wäre höher, wenn die Soldaten nicht ihre Splitterschutzwesten getragen hätten, sagte Löbbering. Als Konsequenz aus dem Anschlag ordnete die Isaf an, dass Soldaten nicht mehr in Bussen gefahren werden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums verfügen die deutschen Isaf-Truppen über rund 100 gepanzerte Fahrzeuge.

Die Leichen der vier getöteten Bundeswehrsoldaten sollen am Dienstag nach Deutschland übergeführt werden. 28 verletzte Soldaten wurden bis Montag nach Deutschland zurückgebracht. 25 von ihnen waren am Sonntag ausgeflogen und in die Bundeswehrkrankenhäuser Koblenz und Ulm verlegt worden. Drei Bundeswehrsoldaten wurden von den US-Streitkräften am Montag nach Ramstein geflogen und zur Behandlung ins US-Militärkrankenhaus Landstuhl gebracht. Bei einem weiteren Soldaten sei die Verletzung so gering, dass er mit einem normalen Rücktransport nach Deutschland zurückkehren werde, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Auch am Montag gab es noch keine gesicherten Erkenntnisse, wer für den bislang schwersten Anschlag auf die Isaf verantwortlich ist. Struck sagte Samstag, sein afghanischer Kollege Mohammed Fahim habe ihm Hinweise gegeben, dass die El Kaida des Moslem-Extremisten Osama bin Laden hinter dem Anschlag stecken könnte. Dies könne man aber zu "diesem relativ frühen Zeitpunkt nun wirklich nicht nachprüfen", sagte er im ZDF. Deutsche Soldaten vor Ort würden die Hinweise überprüfen, ebenso wie die afghanische Polizei. Man müsse davon ausgehen, dass Mitglieder der El Kaida, des entmachteten Taliban-Regimes und auch des früheren afghanischen Anführers Gulbuddin Hekmatjar versuchten, die Isaf zu vertreiben. Die Lage in Afghanistan sei nicht sicher und nicht stabil. Es würden aber alle erdenklichen Maßnahmen zum Schutz der deutschen Soldaten getroffen. Die Bundeswehr stellt rund 2500 der 4500 Isaf-Soldaten und führt die Isaf, die seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 in Kabul und dem nahe gelegenen Flughafen stationiert wurde, derzeit gemeinsam mit den Niederlanden.

Forderungen nach einem Abzug der Bundeswehrsoldaten hielten er und Schröder für falsch, sagte Struck. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, hatte einen Abzug der deutschen Soldaten in die Diskussion gebracht. "Sollte sich die Sichrheitslage dramatisch verschärfen, sollten wir die Isaf-Friedenstruppe entweder erheblich verstärken oder aus Afghanistan abziehen", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag". Struck bekräftigte, dass eine Ausdehnung des Einsatzauftrags über die Grenzen von Kabul hinaus weiter geprüft werde und wie geplant am Dienstag eine Untersuchungsgruppe mit diesem Auftrag nach Kabul fliegen werde.

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