Nach AT&T Wireless vergibt auch Cingular Netzbau-Aufträge an europäische Mobilfunk-Netzausrüster
Europas Mobilfunkstandard erobert die USA

Der zweitgrößte US-Mobilfunknetzbetreiber Cingular wird sein Netz auf die europäische GSM-Mobilfunktechnik umstellen. Für 3 Mrd. $ sollen Siemens, Ericsson und Nokia parallel zu dem existierenden Cingular-Netz ein landesweites GSM-Netz aufbauen.

dri HB BERLIN. Mit der Auftragsvergabe folgt Cingular dem drittgrößten Mobilfunknetzbetreiber der USA, AT&T Wireless. Der Konzern hatte sich im Dezember für den Neubau eines GSM-Netzes für 6,2 Mrd. $ entschieden. Mit der Telekom-Tochter Voicestream, die GSM in den USA erst eingeführt hatte, setzen jetzt drei der sechs landesweiten US-Mobilfunknetzbetreiber auf die europäische Technik.

Für die europäischen Netzausrüster öffnen sich so die USA als neuer Absatzmarkt. In Europa haben die GSM-Mobilfunknetze die Zeit ihres größten Wachstums bereits hinter sich. Die Netzbetreiber investieren nur noch in den Ausbau der Kapazitäten. Der Schwerpunkt der Neuinvestitionen liegt in Europa auf der neuen UMTS-Technik, mit der bildreiche Datendienste mobil verfügbar werden. In den USA, die im Mobilfunk knapp drei Jahre hinter Europa zurück liegen, können die Netzausrüster jetzt noch einige zusätzliche Jahre mit ihrem Brot- und Butter-Produkt GSM Geld verdienen. Neben der Netzausrüstung winkt den Herstellern zusätzlich das Geschäft mit Handys. So wird Siemens Mobiltelefone bauen, die sowohl in GSM-Netzen als auch in den alten US-Netzen funktionieren, teilte das Unternehmen mit.

Anders als in Europa hatte sich in den USA die Industrie nicht auf einen einheitlichen digitalen Mobilfunkstandard verständigen können. AT&T und Cingular hatten sich für den Mobilfunkstandard TDMA entschieden, der heute als veraltet gilt, weil er sich nicht für die Datenübertragung eignet. Für schnelle Datendienste setzen beide Unternehmen jetzt auch auf die GSM-Erweiterung GPRS (s. Fachwort oben). Und weil in den USA wegen knapper Frequenzen UMTS auf Jahre hinaus nicht aufgebaut werden kann, will Cingular das GSM-Netz weiter beschleunigen: Die so genannte Edge-Technik, für die sich in Europa niemand interessiert, beschleunigt die Datenübertragung auf ein Viertel der UMTS-Geschwindigkeit.

Bereits im Dezember hatte die Deutsche Telekom erklärt, dass sie den Umstieg der US-Konkurrenz auf GSM als Vorteil für Voicestream sieht: GSM-Handys und auch die Netztechnik würden durch die großen Stückzahlen auch für Voicestream billiger. Außerdem erschließen sich weitere Möglichkeiten zur Kooperation beim landesweiten Netzausbau, wenn gleich drei Anbieter das riesige Land komplett abdecken wollen. Im Oktober hatten sich Voicestream und Cingular bereits darauf verständigt, ihre Netze in New York, Nevada und Kalifornien gemeinsam zu bauen.

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