Nach Ausbleiben der Millionen
Fußballliga droht Kirch mit Kündigung der Verträge

Mit einer Finanzspritze von rund 40 Millionen Euro aus dem eigenen "Kautions-Topf" hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die gröbsten Liquiditätsprobleme der Profivereine beseitigt. Die Finanzierung der laufenden Saison dürfte damit auch ohne die volle Fernsehrate gesichert sein.

dpa FRANKFURT/M. Die Kirch Media hatte nur 24 Mill. Euro inklusive Mehrwertsteuer statt der vereinbarten 103 Mill. Euro für das letzte Saisonviertel gezahlt. Ob die Liga in der nächsten Saison 360 Mill. Euro und in der Spielzeit 2003/04 460 Mill. Euro erhält, bleibt aber höchst zweifelhaft.

Die DFL-Führung beschloss am Freitag zudem, die Gespräche mit der insolventen Kirch Media in der nächsten Woche fortzusetzen. Der Dachverband drohte unmissverständlich mit der Kündigung des bis 2004 laufenden Vertrages, falls nicht ausreichend Geld fließt. "Das Instrument einer außerordentlichen Kündigung ist ein probates Mittel, um die Freiheit zu haben, mit anderen Anbietern in konkrete Verhandlungen zu treten", betonte DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub. Die 36 Clubs erteilten Aufsichtsrat und Geschäftsführung der DFL einstimmig "grünes Licht" für die anstehenden Verhandlungen und für eine mögliche Kündigung des TV-Vertrages.

"Mit dem Geld aus dem Kautions-Topf, den bereits gezahlten 24 Millionen Euro und anderen individuellen Hilfen können alle Vereine die Saison zu Ende bringen", sagte DFL-Chef Werner Hackmann. Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, der mit einer umstrittenen TV- Boykott-Drohung in der vergangenen Woche heftige Proteste beim FC Bayern München und Bayer Leverkusen ausgelöst hatte, betonte die volle Rückendeckung der Vereine: "Auch Bayern und Leverkusen tragen unsere strategische Linie mit."

Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

Für viele kleinere Vereine dürften die 40 Mill. Euro aber ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Die Clubs hatten das Geld in den vergangenen Jahren im Zuge des Lizenzierungsverfahrens als Rücklagen eingezahlt. Jetzt sollen damit die Finanzlöcher gestopft werden. "Jeder Verein hat aber nur den Anspruch auf das Geld, das er eingezahlt hat", erläuterte Straub das Verfahren.

"Die Leute in der DFL sind findige Köpfe. Sie werden eine vernünftige Lösung finden, denn die Liga ist auf das Geld angewiesen", sagte DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer. Die DFL rechnet mit "schwierigen Verhandlungen" mit der Kirch Media, die angeblich 80 Mill. Euro als Anzahlung für die kommende Spielzeit angeboten hat. "Beide Seiten wollen mit einem guten Ergebnis aus der Sache herauskommen. Wir müssen aufpassen, dass es keine materielle Beschädigung für die Liga gibt", meinte Straub.

Bis zum nächsten Treffen am 17./18. Mai in Leverkusen hat die DFL die Möglichkeit, den TV-Vertrag mit Kirch Media zu kündigen, nochmals mit Leistungsverweigerung zu drohen und mit anderen Interessenten zu sprechen. Leverkusens Manager Reiner Calmund, der einen TV-Boykott weiterhin rigoros ablehnt, rechnet mit langen Verhandlungen. "Wegen der rechtlichen Vorgaben fällt die Entscheidung erst in ein paar Wochen", meinte der Leverkusener Manager. Er hatte wie viele seiner Kollegen viel zu lange daran geglaubt, dass die Kirch Media das ausgehandelte TV-Geld zahlen wird: "Wenn man aus der Kirche raus kommt, ist man immer schlauer."

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