Nach Ausscheiden der British-Telecom-Beteiligung Blu nur 12,2 Mrd. Euro Erlös
UMTS-Auktion in Italien enttäuscht die Regierung

Nur ein Viertel des deutschen Ergebnisses hat die italienische Regierung gestern mit der Auktion der UMTS-Mobilfunklizenzen erzielt. Die erfolgreichen Bieter atmen auf.

mab/dri MAILAND/BERLIN. Die Versteigerung von fünf UMTS-Lizenzen in Italien ist gestern wesentlich schneller als von der Regierung erwartet zu Ende gegangen. Nach nur zwei Tagen und zehn Bieterrunden hat das britisch-italienische Gemeinschaftsunternehmen Blu aus Autostrade und British Telecom seinen Rückzug erklärt und damit die Auktion beendet. Der Gesamterlös beträgt 12,2 Mrd. Euro; die Regierung hatte mit 25 Mrd. Euro gerechnet. Jede der fünf Lizenzen für den Mobilfunk der dritten Generation, der das Internet auf die Handys bringen wird, kostet im Durchschnitt 2,4 Mrd. Euro. Das ist nur ein Viertel der Summe, die die sechs Sieger in Deutschland bezahlen mussten.

Sichtlich verärgert zeigte sich Ministerpräsident Giuliano Amato. Er kündigte für den Abend eine Kabinettssitzung an, auf der über den verunglückten Verlauf der Auktion diskutiert werden sollte. In Rom kursierten Gerüchte, die Regierung plane, die Auktion noch einmal neu zu starten. Industrieminister Enrico Letta sagte, der vor kurzem verabschiedete Haushalt für 2001 sei nicht in Gefahr. Das enttäuschende Ergebnis werde aber den Privatisierungsprozess weiter beschleunigen. Es wird nun erwartet, dass die Regierung im kommenden Jahr sowohl eine zweite Tranche des noch mehrheitlich vom Staat kontrollierten ehemaligen Strommonopolisten Enel als auch eine fünfte Tranche des Ölkonzerns Eni am Markt platzieren wird.

Große Fragezeichen wegen des Auktion-Verlaufs

Der Verlauf der Auktion gibt Beobachtern Rätsel auf. Bereits in der letzten Woche war klar geworden, dass sich die Aktionäre des kleinsten Mobilfunkbetreibers Italiens, Blu, über die künftige Eigentümerstruktur zerstritten hatten. Die British Telecom hatte sich geweigert, ihren Anteil von 20 % auf 51 % aufzustocken. Dennoch hatte das Konsortium in letzer Sekunde die Teilnahme an der Auktion beschlossen. Nun können sich die fünf Gewinner über den niedrigen Preis freuen: Telecom Italia Mobile (Tim), Omnitel (Vodafone), Wind (Enel, France Télécom), Ipse (Telefónica, Sonera, Fiat) und Andala (Hutchison Whampoa, Tiscali).

Mit so hohen Erlösen wie in Großbritannien und Deutschland hatte allerdings schon im Vorfeld niemand gerechnet. Der italienische Mobilfunkmarkt gilt wegen seines Duopols aus Tim und Omnitel-Vodafone als sehr schwierig für Newcomer. Zudem hat er seine Sättigungsgrenze mit einem Anteil von 70 % Mobiltelefonierern an der Bevölkerung bereits erreicht.

Schon für die beiden jüngeren Mobilfunkgesellschaften Wind und Blu schätzen es Telekom-Analysten als schwierig ein, in die Gewinnzone zu kommen. Der Chef der Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile, Kai-Uwe Ricke, hatte daher bereits im August angekündigt, in Italien nicht antreten zu wollen.



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