Nach Beilegung des Streits
Experten: Sparkassen-Gruppe stärkt Verbriefungsinitiative

Die Entscheidung der Sparkassen-Finanzgruppe, sich an der Verbriefungs-Initiative der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu beteiligen, wird nach Einschätzung von Experten das Projekt stärken und der Entwicklung des Marktes für Verbriefungen weiteren Schub geben.

Reuters FRANKFURT. "Das ist ein wichtiger Schritt. Damit ruht die Initiative auf zwei Säulen des deutschen Bankensystems", sagte ein mit der Thematik vertrauter Banker am Freitag. Gerade im Hinblick auf die Mittelstandsfinanzierung sei der Beitritt der Finanzgruppe von großer Bedeutung. Über mögliche Volumina eines künftigen Verbriefungsmarktes könne derzeit zwar nur spekuliert werden. Ein Eurobetrag in dreistelliger Milliardenhöhe pro Jahr erscheine aber erreichbar.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass die Sparkassen-Finanzgruppe an der so genannten "True-Sale-Initiative" der KfW, privaten Großbanken und DZ Bank teilnehmen werde. Eine KfW-Sprecherin sagte dazu, die Plattform sei für alle Banken offen.

Analyst: Beteiligung der Finanzgruppe für Markt wichtig

Bei True-Sale-Verbriefungen werden Kredite gebündelt, an eine Zweckgesellschaft verkauft, in Wertpapiere umgewandelt und am Finanzmarkt platziert. Die Banken entlasten damit ihr Eigenkapital und gewinnen mehr Raum für die Vergabe neuer Kredite. Ziel der Förderbank KfW ist es dabei vor allem, dem Mittelstand weiterhin den Zugang zu Fremdkapital zu ermöglichen.

"Die Mittelstandsfinanzierung läuft zu großen Teilen über Institute der Sparkassen-Gruppe", sagte ein Kapitalmarktanalyst. "Insofern ist es wichtig, dass sie mit im Boot sind." Aber auch aus Marktsicht sei die Beteiligung der Gruppe gut. "Wir rechnen dadurch mit steigenden Verbriefungsvolumina", sagte der Analyst. Dies werde den Markt liquider machen und auch den Kreis der Investoren vergrößern, die Verbriefungsprodukte kaufen.

Wichtig sei aber auch, dass über das Joint-Venture ein hoher Standardisierungsgrad bei den Transaktionen erreicht werde. "Das ist für Investoren, die es mit einem in Deutschland noch relativ wenig etablierten Produkt zu tun haben, ein echtes Argument."

Zu den möglichen Volumina des künftigen Marktes äußerten sich die Experten zurückhaltend. "Ein Faktor dabei ist natürlich, wann das Gesetz zur Befreiung der Zweckgesellschaften von der Gewerbesteuer kommt", sagte ein Analyst. Transaktionen im dreistelligen Milliarden-Eurobereich pro Jahr seien danach aber vorstellbar. Nach früheren Angaben der Rating-Agentur Moody's gab es in Deutschland 2002 Verbriefungstransaktionen im Volumen von 35 Mrd. ?. Damit liegt Deutschland nach Großbritannien und Italien in Europa derzeit auf Platz Drei.

Helaba: Initiative gut für den Finanzplatz Deutschland

Die Vorstandsvorsitzenden der Landesbanken wollten die Schaffung des Verbriefungsmarktes mitgestalten, hatte der DSGV mitgeteilt. Aus der Gruppe sollen sich zunächst die BayernLB, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die WestLB direkt beteiligen. Interessen wahrend für weitere Institute beteilige sich die Deka-Bank.

"Wir sind der Meinung, dass die Initiative gut für den Finanzplatz Deutschland ist", sagte eine Helaba-Sprecherin. Sie sei außerdem ein Beispiel für sektorübergreifende Kooperationen im Bankensektor. "Die Helaba hat Interesse bekundet, sich unmittelbar an der Initiative zu beteiligen."

Innerhalb der Sparkassen-Organisation hatte es zuvor Streit um die Beteiligung von Instituten an der Initiative gegeben. Dabei war es laut Bankenkreisen weniger um den Nutzen des Projekts gegangen, als um die künftige Position einzelner Häuser innerhalb der Finanzgruppe. So habe es bei einigen Landesbanken Bedenken gegeben, dass die Deka ihre Position als eine Art Zentralbank innerhalb der Gruppe zu weit ausbauen könnte. Auch das Vorpreschen der BayernLB, die am Mittwoch bekannt gegeben hatte, sich der Initiative vom Start weg anschließen zu wollen, hatte zu Verstimmungen geführt.

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