Nach Bekanntgabe durch den Regulierer
Post erwägt drastischen Stellenabbau

Mit der Streichung von bis zu 10 000 Arbeitsplätzen könnte die Deutsche Post auf eine drohende Portosenkung durch den Regulierer reagieren.

Reuters BONN. Die Post bestätigte am Mittwochmorgen in Bonn, dass die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) den Konzern dazu aufgefordert hat, ab kommenden Jahr seine Preise für bestimmte Produkte und Dienstleistungen zu reduzieren. Dazu zählt auch eine Portosenkung.

"Die beabsichtigte Entscheidung zur Preisregulierung führt bei der Deutsche Post World Net zu Ertragseinbußen in Höhe von insgesamt rund 1,5 Mrd. ? bis 2007", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Post wolle daher Anstrengungen zu Kostensenkungen unternehmen, um die Zukunftsfähigkeit des Konzerns weiter zu sichern.

RegTP-Sprecher Harald Dörr hatte am Dienstagabend der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt, die Post zur Verringerung bestimmter Preise auffordern zu wollen. "Mit aller Wahrscheinlichkeit ist da auch eine Porto-Senkung drin", sagte Dörr. Es wäre das erste Mal in der Nachkriegszeit, dass das Versenden von Briefen in Deutschland preiswerter würde.

Post erwägt Filialschließungen und Stellenabbau

Bis zu 10 000 der insgesamt 240 000 Stellen der Deutschen Post AG könnte der Konzern als Reaktion auf die zwangsweise Portosenkung streichen, hieß es in der Mitteilung weiter. Darüber hinaus werde eine "Ausdünnung des Filialnetzes" in Erwägung gezogen. Die Post unterhält derzeit etwa 13 000 von 12 000 gesetzlich vorgeschriebenen Niederlassungen.

Denkbar wären zudem Preiserhöhungen für bestimmte Produkte, teilte die Post weiter mit. Mit der RegTP-Entscheidung zu Preissenkung droht der Deutschen Post eine weitere schwere finanzielle Belastung: Der Konzern war jüngst erst von der Kommission der Europäischen Union (EU) dazu aufgefordert worden, mehr als 570 Mill. ? an den Bund für angeblich erhaltener Staatsbeihilfen zurückzuzahlen.

Neben finanziellen Sorgen lastet auf der Deutschen Post auch zusehends der Druck der Börse. Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit dem Börsengang Ende 2000 unaufhörlich gefallen und hat dabei auch immer wieder Dämpfer durch regulatorische und politische Querelen erhalten. Am Mittwoch erwarteten Händler mit Blick auf die möglichen Ertragseinbußen weitere Kursverluste.

Regulierungsbehörde: "Verbraucher kann sich auf Portosenkung einstellen"

RegTP-Sprecher Dörr hatte allerdings den Eindruck zurück gewiesen, seine Behörde verlange von der Post explizit eine Portosenkung. Vielmehr fordere die RegTP den Konzern auf, die Preise für bestimmte "Warenkörbe" zu verringern. Dazu zählten auch die Monopolleistungen und somit die Briefzustellung.

Die Post kann nun zur Aufforderung der RegTP Stellung nehmen und erhält auch innerhalb der Produkt- und Leistungsgruppen Spielraum für ihre Preisanpassungen. Insofern könne er "beim besten Willen" nicht sagen, welche Angebote der Post im Einzelnen günstiger würden und um wieviel, hatte Dörr gesagt. "Der Verbraucher kann sich aber mit aller Wahrscheinlichkeit auf eine Portosenkung erstmals seit dem Krieg einstellen."

Zu Informationen der "Süddeutschen Zeitung", wonach das Porto für Standardbriefe um einen auf 55 Cent und für Postkarten um sechs auf 45 Cent sinken würden, hatte Dörr gesagt, die Zahlen seien "völlig aus der Luft gegriffen". "Das kann jetzt kein Mensch sagen."

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