Nach Berichten über Plünderungen
Hilfsorganisationen stellen Lieferungen vorübergehend ein

Angsichts der unübersichtlichen Sicherheitslage in Afghanistan haben UNICEF und Welternährungsprogramm (WFP) ihre Hilfslieferungen am Mittwoch vorübergehend eingestellt. Beide Organisationen hätten ihre Konvois an der Grenze von Usbekistan nach Afghanistan gestoppt und wollten zunächst eine Einschätzung der Lage im Land abwarten, erklärte UNICEF-Sprecher Alfred Ironside in New York.

AP TERMES/USBEKISTAN. Eine erste Schiffsladung mit Hilfsgütern der Vereinten Nationen aus Usbekistan traf am Mittwoch über den Grenzfluss Amu-Darja in der afghanischen Hafenstadt Hairaton ein. An Bord des unter UN-Flagge fahrenden Schiffs befanden sich 50 Tonnen Mehl, 10.000 Wintermäntel, 2.000 Decken, 1.333 Paar Stiefel und 10.000 Wasserbehälter. Die Grenze war seit 1997 geschlossen, als die Taliban die Region erobert hatten. Die Nordallianz nahm Hairaton am vergangenen Donnerstag wieder ein.

Die Lieferungen über den Fluss sollen nach dem Willen der Vereinten Nationen zu einem "Korridor der humanitären Hilfe" in den Norden Afghanistans ausgeweitet werden. Dort gebe es schätzungsweise drei Millionen hungernde Menschen, erklärten die UN in Usbekistan. Die Lieferungen nach Hairaton bleiben jedoch in der Stadt und werden nicht weiter ins Landesinnere transportiert. Nach der Einstellung weiterer Hilfslieferungen war es daher fraglich, ob die UN bis zum Einbruch des Winters noch wesentliche Menge an Hilfsgütern ins Land bringen können.

Aus Masar-i-Scharif und Kabul wurden unterdessen Plünderungen von Lagern der Vereinten Nationen gemeldet. Ein Lager des UN-Flüchtlingshilfswerks wurde nach Angaben der Vereinten Nationen während des Falls der afghanischen Hauptstadt an die Nordallianz geplündert. UNHCR-Sprecher Yusuf Hassan erklärte am Mittwoch in Islamabad, 1.400 Zelte und einige Decken seien gestohlen worden. Sie befanden sich in einem Lagerhaus am Rande Kabuls, das am Dienstagmorgen von den Taliban aufgegeben wurde.

Auch das UNHCR-Büro in Masar-i-Scharif sei geplündert worden. Die Stadt im Norden des Landes war am Freitag von der Nordallianz eingenommen worden. Am Wochenende wurden acht Lastwagen eines Konvois der Unicef von der Nordallianz beschlagnahmt. Drei Menschen werden nach Angaben von UNICEF-Sprecher Ironside vermisst. Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte, die unsichere Lage in Masar-i-Scharif sei nur auf bestimmte Stadtviertel beschränkt.

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