Nach Börsendebakel will WOL aus den Negativschlagzeilen
T-Online bekommt ernste Konkurrenz

Die beiden Internetunternehmen Tiscali aus Italien und World Online aus den Niederlanden wollen sich zum zweitgrößten europäischen Internetprovider mit fünf Millionen Abonnenten zusammenschließen. World Online war auf Grund des missratenen Börsengangs in die Schlagzeilen geraten.

HB BRÜSSEL. Der italienische Internet-Dienst Tiscali Spa, Cagliari, und der niederländische Online-Provider World Online N.V. (WOL), Amsterdam, haben sich über ihre Fusion geeinigt. Die Partner wollen den Zusammenschluss durch einen Aktientausch realisieren. Dabei wird die WOL-Aktie mit 20 Euro bewertet. Die Transaktion hat einen Wert von 5,9 Mrd. Euro. Das liegt etwas unter der Einschätzung von Analysten. Der Schlusskurs vom Mittwoch betrug 15,80 Euro.

Tiscali-Chef Renato Soru wird mit einem Anteil von 35,5% größter Aktionär und Konzernchef des neuen Unternehmens. Die Sandoz-Stiftung, derzeit mit 45% größter WOL-Aktionär, wird an der neuen Gruppe 18,3% halten. Ein weiterer WOL-Großaktionär (Anteil 9 %) hat Zustimmung signalisiert. Die World Online-Aktionäre werden an der neuen Gruppe zu 43% beteiligt sein. World Online-Chef James Kinsella wird als "Chief Executive" das Tagesgeschäft verantworten. Binnen sechs Wochen soll das offizielle Übernahmeangebot gemacht werden. Für den Fall von Kursänderungen haben die Partner Änderungen des Umtauschverhältnisses vereinbart.

Mit der Fusion will World Online aus den negativen Schlagzeilen kommen. Treibende Kraft hinter den Fusionsplänen war angeblich die Schweizer Sandoz-Familienstiftung. Sie wolle WOL nach dessen Börsendebakel auf eine neue Schiene setzten, heißt es im Umfeld des Unternehmens.

Für den Neubeginn steht auch der erst Mitte Juni ernannte Vorstandschef Kinsella, Ex-Vize von Microsoft. Firmengründerin Nina Brink war zurückgetreten. Sie hatte vor dem Börsengang im März ein Anteilspaket zu einen Bruchteil des Einführungspreises von 43 Euro abgestoßen. Darüber hatte sie nicht korrekt informiert Als der Verkauf bekannt wurde, brach der Kurs ein und dümpelt seither auf niedrigem Niveau. Ob die übrigen Aktionäre der Übernahme zustimmen, scheint fraglich, da der Kaufpreis weit unter dem einst von ihnen gezahlten Preis liegt.

WOL bringt Tiscali Millionen neuer Kunden und hohe Schulden

Für Tiscali hat die Fusion Vor- und Nachteile. Tiscali stiege zum größten Herausforderer von T-Online auf. WOL bringt die Hälfte der künftig fünf Millionen aktiven Abonnenten mit. Die Verdoppelung des Kundenstamms ist angesichts des niedrigen Börsenkurses von WOL relativ kostengünstig zu haben. Einen Kauf von WOL bezeichneten Analysten daher als "logisch".

Auch geographisch ergänzen sich beide Unternehmen gut. WOL ist in 15 europäischen Staaten tätig. Zudem stieg der Umsatz im zweiten Quartal kräftig um 37% auf 55 Mill. Euro. Überdies hat WOL rund 1,6 Mrd. Euro aus dem Ertrag des Börsengangs in der Kasse. Das brächte Tiscali die dringend benötigte Finanzspritze. Die Italiener mussten im Mai Pläne für eine Aktienemission aufgeben und sich über eine Anleihe finanzieren.

Jedoch bringt WOL auch das beschädigte Image sowie tiefrote Zahlen als Last mit. Tiscali hingegen fährt bereits Gewinn ein. Im zweiten Halbjahr stieg der WOL-Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stärker als erwartet um 37% auf 121 Mill. Euro.

Kinsella kündigte daher eine neue Strategie an, um WOL "signifikant" schneller als geplant, also vor Ende 2002, aus den roten Zahlen zu ziehen. WOL konzentriert sich künftig auf das Netz und den Internetzugang. Die Herstellung von Inhalten und der elektronische Handel werden eingestellt. Solche Dienste sollen Partner übernehmen.

Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin
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