Nach dem Abgang von Schulte-Noelle
Allianz: Die neuen starken Männer sind die alten

Nach dem überraschenden Rückzug Schulte-Noelles: Beteiligungschef Achleitner und Controller Perlet gewinnen an Macht. Dresdner-Bank-Chef Fahrholz wirkt dagegen immer isolierter.

cbu/hjk/mm/po FRANKFURT/M. Die Überraschung ist gelungen: Vom bevor stehenden Führungswechsel beim Allianz-Konzern wussten auch die meisten Aufsichtsräte nichts, als sie sich am Mittwoch Morgen in München zu ihrer Routinesitzung trafen. Auf der Tagesordnung gab es keinen Punkt "Personalien". Konzernchef Henning Schulte-Noelle hatte seinen Coup gut vorbereitet, er konnte den verblüfften Aufsehern ein komplettes Konzept vorlegen.

Zum neuen Kernteam im Allianz-Vorstand werden nach Informationen des Handelsblatts neben dem designierten Chef Michael Diekmann Controlling-Vorstand Helmut Perlet und Finanzchef Paul Achleitner gehören. Bevor er die Nachfolge von Schulte-Noelle akzeptiert habe, sei Diekman auf Achleitner und Perlet zugegangen und habe sich ihre Unterstützung gesichert, hieß es in Finanzkreisen. Perlet soll weiterhin die Rolle des "Innenministers" wahrnehmen, der sich um Sanierungsfälle wie die Dresdner Bank kümmert. Achleitner werde künftig verstärkt den "Außenminister" geben und sich um die Bereinigung des großen Beteiligungsportfolios kümmern.

Konsequenzen dürfte der Führungswechsel bei der Allianz vor allem für die tiefrote Zahlen schreibende Dresdner Bank haben. Diekmann hat bereits angekündigt, die Integration der Frankfurter Tochter zügig vorantreiben zu wollen.

Durch die Machtverschiebung im Vorstand erhöht sich der Druck auf den Chef der Frankfurter Bank, Bernd Fahrholz, noch einmal. Denn sowohl Perlet als auch Achleitner gelten als Verfechter einer Zerschlagung des Kreditinstituts. Eine Position, die auch der inzwischen ausgeschiedene Investmentbanking-Chef der Dresdner, Leonhard Fischer, vertreten hatte. Ihr Plan sah vor, Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung voll in den Versicherungskonzern zu integrieren. Das Firmenkundengeschäft und das Investment-Banking sollten für eine Abspaltung vorbereitet werden. Fahrholz setzte sich dagegen für den Erhalt der Bank als selbstständige Einheit ein. Vor allem dank Schulte-Noelles Rückendeckung konnte Fahrholz den bankinternen Machtkampf mit Fischer im Herbst für sich entscheiden.

Nach dem Abgang Schulte-Noelles wird jetzt die schützende Hand über Fahrholz und der Dresdner fehlen, hieß es in Finanzkreisen. Der Bankchef selbst habe sein Schicksal an die schnelle Sanierung des maroden Geldhauses geknüpft. Die Frage sei jetzt, wie lange ihm Diekmann dafür Zeit lasse. Analysten wie Thorsten Wenzel von der DZ Bank rechnen mit weiteren tiefen Einschnitten bei der Dresdner. Auch die Experten von Credit Suisse First Boston sehen die Sanierung des Instituts als die dringendste Aufgabe des neuen Vorstandschefs.

Insgesamt beurteilen die Analysten die weitere Entwicklung der Allianz skeptisch. So reduzierte etwa Merrill Lynch gestern die Gewinnprognose deutlich. "Das Schlimmste könnte vorbei sein, aber die Erholung wird sich wohl schwieriger gestalten, als von den meisten Beobachtern erwartet", begründete die Investmentbank ihre Entscheidung. Goldman Sachs stufte das Allianz-Papier gestern nach unten. Die Versicherungsaktie musste darauf hin deutliche Verluste hinnehmen.

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