Nach dem Aktiensplit warten Investoren auf Anziehen des Börsenhandels
MDax-Aufstieg macht aus der Deutschen Börse keinen Siegertitel

Mit dem Aufrücken in den Index der 70 wichtigsten Nebenwerte spielt die Deutsche Börse AG nun in der Bundesliga der größeren Titel mit. Seit dem Aktiensplit zum 1. Juni haben die Papiere zunächst kräftig zulegen können, aber dann ging es auch schon wieder abwärts. Problem bleiben das noch immer schwache Börsenklima und die unklare Expansionsstrategie: Das Kerngeschäft, der Handel von Wertpapieren über das elektronische Handelssystem Xetra, läuft zurzeit nicht rund, und noch ist nicht ersichtlich, ob die Börse mit Akquisitionen oder Partnerschaften expandieren kann.

DÜSSELDORF. Eher skeptisch sieht Johannes Thormann, Analyst der WestLB Panmure, die weitere Entwicklung der Deutschen Börse auf dem Parkett. Er befürchtet, dass die geringe Investitionsbereitschaft der Investoren sich in der Bilanz niederschlagen wird: "Die Börsenumsätze werden im zweiten Quartal zurück gehen, und das wird auch Auswirkungen auf die Ertragslage haben."

Billig sei die Aktie sowieso nicht. "Der faire Wert liegt bei 37,50 Euro, die Aktie also schon darüber. Mit einem KGV von fast 20 gemessen am derzeitigen Kursniveau ist die Aktie sehr teuer." Zulegen konnten die Aktien vor allem zum Monatsanfang nach dem Split im Verhältnis von 1:10. Die Verringerung der Anteilspreise allerdings hält Olgard Eichler von Union Invest ebenso wie den Aufstieg in den M-Dax für ziemlich belanglos. "Ich kenne nicht viele Fonds, die sich an diesem Index orientieren."

Zugleich räumt Eichler aber ein, dass vor allem das Reduzieren des Preises am Kapitalmarkt in der Regel nicht ohne Wirkung bleibt. "Es gibt eben Anleger, die eine Aktie gerne kaufen, wenn sie billiger aussieht. Viele ignorieren dabei, dass die Stücke am Kuchen dann eben nur kleiner ausfallen."

Handel mit US-Aktien birgt Potenzial

Den Appetit an der Aktie hat der Analyst gleichwohl behalten. Mit Interesse beobachtet Eichler vor allem, wie die Deutsche Börse AG ihre Ankündigung, einen Handel für US-Aktien in Europa aufzubauen, umsetzen wird: "Wenn es dem Unternehmen gelingt, für Liquidität zu sorgen und einen Markt zu etablieren, wäre das eine feine Sache."

Weniger überzeugt ist Eichler dagegen von Überlegungen des Unternehmens, sich selbst stärker als Anbieter von Kapitalmarktinformationen zu profilieren, um auf diese Weise weniger stark dem schwankenden Geschäft mit den Handelsplattformen ausgeliefert zu sein. "Da fehlt uns ein bisschen die Fantasie", sagt Eichler. Veredelung von Information sei prinzipiell nicht verkehrt, nur sei es fraglich, ob die Börse gegen Anbieter wie Reuters bestehen könne. "Es ist zumindest ein Versuch, den man unternehmen kann."

Auch der Analyst der WestLB begegnet dem Vorhaben mit Skepsis. "Ich bin da vorsichtig, weil ich nicht weiß, ob damit Geld zu verdienen ist. Auch beim Internet-Projekt "neuermarkt.com" muss man noch abwarten, ob das Erfolg hat", meint Thormann. Wie Eichler hegt Thormann dagegen eine gewisse Sympathie für die Pläne, in Europa einen Markt für amerikanische Wertpapiere zu etablieren. "Der Plan, US-Aktien anzubieten, gefällt mir, weil mit dem Konzept der zwei Market Maker genügend Liquidität angezogen werden könnte."

Die Aktie kam nicht billig in den Handel

Die Neuerung, die für den Herbst terminiert ist, wäre nach dem IPO die zweite größere Bewährungsprobe in diesem Jahr. Am 5. Feburar hatte die Börse ihr Börsendebüt gegeben. Der Ausgabekurs lag mit 335 Euro am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne. Im ersten Quartal wies die Deutsche Börse einen Vorsteuergewinn von 98,8 Mill. Euro aus. Kräftig zulegen konnten dabei Bereiche wie die Terminbörse Eurex, während die Xetra-Sparte, in der neben der elektronischen Handelsplattform Xetra auch der Parketthandel gebündelt ist, einen Gewinnrückgang von 63 Prozent auf 13,4 Mill. Euro verkraften musste. Um die Investoren bei Laune zu halten, will Börsenchef Werner G. Seifert neue Geschäftsfelder erschließen und expandieren.

Thorman indes schätzt die Expansionspläne der Börse wenig rosig ein. Einer Übernahme der restlichen Anteile am Wertpapierabwicklungssystem Clearstream, die von der Börse selbst zuletzt am Wochenende ins Gespräch gebracht worden war, gibt er kaum eine Chance. "Ich denke, es wird sehr schwierig werden, die übrigen Anteile zu bekommen. Dazu sind zu viele Unternehmen beteiligt, die im Zweifelsfall kein Interesse haben, ausgerechnet die Deutsche Börse zu stärken."

An Clearstream ist die Börse mit 50 Prozent beteiligt. Den Rest der Anteile halten rund 90 Banken und Brokerhäuser, für die die Deutsche Börse nur ein Anbieter unter mehreren ist. Denn die Börse steht zwar solide da, aber eben nicht allein auf weiter Flur. Um sich auf Dauer gegen die Rivalen wie die schwedische OM Gruppen oder Euronext durchsetzen zu können, muss die Börse Verbündete gewinnen oder Konkurrenten schlucken.

Vor allem die kleineren Player aber sind nach den Worten Thormanns nicht leicht zu haben. "Das Handelssystem der Deutschen Börse ist gut. Aber warum sollte ein kleiner Anbieter mit ihr zusammen gehen wollen?" fragt der Analyst. Seine Antwort: "Dann bekäme der Anbieter die Rolle eines Juniorpartners, der wenig zu sagen hat."

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