Nach dem angekündigten Ausscheiden von Kajo Neukirchen droht der MG Technologies die Zerschlagung
Happel übernimmt mit MG ein heikles Geschäft

MG Technologies steht vor einer Zäsur. Der siegreiche Großaktionär Otto Happel wird wahrscheinlich versuchen, Teile des Konzerns zu verkaufen und den Anlagenbau bei GEA zu konzentrieren.

FRANKFURT/M. Der Entschluss von Kajo Neukirchen, sein Amt als Vorstandsvorsitzender der MG Technologies aufzugeben, markiert mehr als das Ende seines seit zweieinhalb Jahren dauernden Streits mit dem MG-Großaktionär Otto Happel.

"Wenn Dr. Happel seinen Einfluss auf die Gesellschaft ausbaut, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Strategie sich mittel- oder langfristig ändern wird", sagte Ulrich Scholz Analyst bei Oppenheim. Happel - so ist aus seinem Umfeld zu hören - spielt seit längerem mit der Idee einer Aufspaltung des Konzerns. Denkbar wäre es zum Beispiel, die Chemiesparte mit der Spezialchemie-Tochter Dynamit Nobel und der sowieso zum Verkauf stehenden Handelsfirma Solvadis zu veräußern. Die Spezialchemie mit der Wirkstoffproduktion könnte für Unternehmen wie Degussa oder die niederländische DSM interessant sein.

Schwieriger ist dagegen ein Verkauf des Anlagenbaus, der unter Lurgi firmiert. Dieser ist ist zur Zeit nahezu unverkäuflich, hier hatte schon Neukirchen mehrere Versuche unternommen. Neben einer angespannten wirtschaftlichen Situation belastet das Problem der Bürgschaften: Ohne Avale, bei denen die Banken in letzter Zeit aber immer restriktiver verfahren, können im Anlagenbau keine größeren Projekte finanziert werden. Die schwierige Weltlage erschwert die Geschäfte der international ausgerichteten Sparte natürlich zusätzlich. Deshalb spricht einiges dafür, dass das neue Management versuchen wird, den Anlagenbau zu restrukturieren und wieder weitgehend auf GEA zurück zu stutzen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Chemiesparte könnte die GEA dann gezielt expandieren.

Beobachter schließen zudem nicht aus, dass auch die Anteile der beiden MG-Großaktionäre Allianz (12,8 %) und Deutsche Bank (9 %) bei Happel landen werden. Beide haben angekündigt, sich von ihren Beteiligungen trennen zu wollen.

Ob das tatsächlich geschieht, ist allerdings offen. Vorerst wollen sowohl Allianz als auch Deutsche Bank einen Vertreter in den MG-Aufsichtsrat entsenden.

Über die Beweggründe Happels wurde viel spekuliert. Eigentlich hatte sich Happel mit dem GEA-Verkauf bewusst aus dem operativen Geschäft verabschiedet. Mittlerweile lebt er am Vierwaldstätter See in der Schweiz. Mehrere Monate im Jahr verbringt der 54jährige auf seiner Segelyacht. Eigentlich könnte Happel sein Leben in vollen Zügen genießen, schließlich zählt er nach Berechnungen des "Manager Magazins" mit einem Vermögen von schätzungsweise 1,9 Mrd. Euro zu den reichsten Deutschen (Platz 41

).

Doch statt dessen streitet Happel. Der Dauerclinch geht zurück auf das Jahr 1999. Damals verkaufte Happel den Bochumer Anlagenbauer GEA an die MG Technologies. Neben Bargeld erhielt er knapp 10 % der MG-Aktien. Noch heute - so ist aus dem Umfeld Happels zu hören - bezeichnet er diese Transaktion als einen "guten Deal". Auch die damals von Neukirchen in den Verhandlungen vorgeschlagene künftige Strategie hält er nach wie vor für schlüssig. Neukirchen wollte durch die Zusammenarbeit mit der MG-Anlagenbautochter Lurgi jährlich rund 75 Mill. Euro an Synergieeffekten herausholen.

Doch geworden ist daraus nichts - zumindest nach Ansicht von Happel. "Happel hatte große Sorgen, ob sich GEA unter der Führung von Neukirchen gut weiterentwickeln würde", beschreibt ein Happel-Vertrauter die Motive für seine Reibereien mit Neukirchen.

Happels Leben ist eng mit dem Bochumer Anlagenbau-Spezialisten verbunden. Sein Vater hatte das Unternehmen gegründet. Mit dem Einstieg von Sohn Otto 1974 begann eine beispiellose Expansion. Firmen wurden akquiriert, das Unternehmen international aufgestellt. 1989 folgte der Gang an die Börse. Jetzt muss der Unternehmer seine Leistungsfähigkeit erneut unter Beweis stellen.

Quelle: Handelsblatt

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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