Nach dem Attentat in Tel Aviv
Vorwürfe gegen Arafat aus Deutschland

Nach dem blutigen Terroranschlag eines Palästinensers in Tel Aviv ist Palästinenserpräsident Jassir Arafat von deutscher Seite heftig kritisiert worden. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, machte ihn direkt für das Selbstmordattentat verantwortlich, bei dem am Freitag mindestens 21 Menschen ums Leben kamen.

dpa/afp BERLIN. Nach einem Gespräch mit Außenminister Joschka Fischer in Ramallah hatte sich Arafat deutlich von dem Anschlag distanziert. Wegen der jüngsten Ereignisse verschob Israels Ministerpräsident Ariel Scharon seine für kommende Woche geplante Europa-Reise samt Deutschlandbesuch.

Spiegel sagte am Samstagabend, das Attentat "demaskiert auf schreckliche und verabscheuungswürdige Weise das wahre Gesicht Arafats und damit der palästinensischen Autonomiebehörde". Der Terroranschlag zeige, dass Israel nicht die maßgebliche Schuld am täglichen Leid zwischen Jordan und Mittelmeer trage. "Durch Mord und Terror soll Israel weichgebombt und destabilisiert werden."

Am Freitagabend hatte sich ein palästinensischer Extremist vor einem Nachtlokal in Tel Aviv unter eine Gruppe wartender junger Israelis gemischt und eine um seinen Leib geschnallte Bombe mit Nägeln und Munition gezündet. Dabei wurden 17 Israelis, überwiegend russische Einwanderer, durch die Explosion zerrissen, die auch den Attentäter tötete. 120 Menschen erlitten zum Teil schwerste Verletzungen, einer starb im Krankenhaus.

Arafat will Waffenstillstand verwirklichen

Nicht zuletzt auf massiven Druck von Fischer hatte Arafat angekündigt, er werde "jetzt alles tun, um das Blutvergießen unseres und des israelischen Volkes zu verhindern und um einen sofortigen, bedingungslosen und echten Waffenstillstand zu verwirklichen". Gleichzeitig verurteilte er die Gewalt gegen die Israelis erstmals ohne Einschränkungen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bat Scharon, "sich auch angesichts dieser entsetzlichen Tat nicht von den Bemühungen um eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts abbringen zu lassen". Er forderte auch die palästinensische Seite auf, alles zu tun, um solche Anschläge zu unterbinden.

Scharon wollte ursprünglich schon am Montag zunächst zu Gesprächen nach Berlin reisen, um dort für Israels Position im Konflikt mit den Palästinensern zu werben. Auf dem Programm standen zudem Gespräche mit EU-Vertretern in Brüssel und der französischen Regierung in Paris.

Israel dringt mit Panzern und Planierraupen in Gazastreifen ein

Unterdessen ist die israelische Armee nach palästinensischen Angaben am Montag in den Gazastreifen eingedrungen und hat mit Planierraupen rund fünf Hektar Felder niedergewalzt. Bevor die von Panzern flankierten Planierraupen wieder auf israelisches Territorium zurückfuhren, zogen Soldaten Stacheldraht um das zerstörte Gebiet, wie ein Vertreter der palästinensischen Sicherheitsbehörden am Montag mitteilte. Der Angriff der Armee erfolgte demnach in der Nähe des palästinensischen Orts Dir Balah, nicht weit von der jüdischen Kolonie Kfar Darom in der Mitte des Gazastreifens.

Nach israelischen Militärangaben wurde die Siedlung am Sonntagabend aus Dir Balah mit Granaten beschossen. Dabei sei niemand verletzt worden. Der israelische Regierungsberater Dori Gold nannte die Tatsache, dass trotz des Aufrufs zur Waffenruhe in der Nacht jüdische Siedlungen von Palästinensern getroffen worden waren, am Montag in Jerusalem "kaum ermutigend".

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