Nach dem Aufschwung bei US-Unternehmen verlassen auch deutsche Hightech-Aktien die Talsohle
Experten sehen Chancen für IT-Dienstleister

Aus Kostengründen lassen viele Unternehmen ihre IT-Systeme nur mehr optimieren. Unternehmen, die sich auf diesen neuen Trend eingestellt haben, verdienen damit gut. Und ihre Aktien sind an der Börse gefragt.

FRANKFURT/M. Die Marktforscher von IDC bestätigen das, was deutsche IT-Unternehmen schon lange vermuteten: Ihre Kunden werden auch in diesem Jahr nur wenig in neue Technologie investieren. Die Ausgaben für IT-Service und die Auslagerung der Datenverarbeitung ("Outsourcing") werden jedoch weiter zunehmen. Besonders die IT-Dienstleister dürften davon profitieren, schätzen Analysten. In den USA gelang es dem Marktführer IBM Global Services im letzten Quartal bereits, Neuaufträge von rund 12 Mrd. Dollar zu einzufahren. Auch deutsche IT-Dienstleister profitieren inzwischen von dem Trend, dass ihre Kunden statt neuer Systeme verstärkt auf die Optimierung des Bestehenden setzen.

Unternehmen, den Trend erkannt haben, können auch im laufenden Jahr mit guten Zuwächsen rechnen. Das zeigt sich gerade bei den Big Playern in den USA. Dort erhöhte IBM, wo man neben dem klassischen Hardware-Geschäft schon seit einigen Jahren auf Dienstleistungen setzt, zuletzt die Quartalsdividende von 15 auf 16 Cent. Konkurrent Sun Microsystems, der hingegen weiter vor allem im Hardware-Geschäft tätig ist, musste im Ende März beendeten 3. Quartal einen Umsatzrückgang um über 10 % hinnehmen bei einem Gewinn von nur noch mageren 4 Mill. Dollar.

In Deutschland profitieren von diesem Trend besonders die im Umfeld des Software-Konzerns SAP angesiedelten Unternehmen. Die Saarbrücker IDS Scheer bestätigte dies mit ihren Zahlen für das erste Quartal, die über den Erwartungen der Analysten lagen. "Und es kommt noch besser" lautet die Stellungnahme von Felix Ellmann von SES Research, nachdem IDS Scheer bereits im vergangenen Jahr mit hervorragenden Zahlen glänzte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag um rund 35 % über seiner Prognose bei 5,8 Mill. Euro. Einer der Hauptgründe für den hohen Gewinn ist seiner Ansicht nach die Ausrichtung auf die Optimierung von Geschäftsprozessen der firmeneigenen Software Aris, mit der sich IDS Scheer wohltuend vom Wettbewerb abheben kann. Mit Ellmann raten noch 10 weitere Analysten zum Kauf der Aktie.

Auch Hauptkonkurrent SAP SI darf inzwischen wieder auf bessere Zeiten hoffen, nachdem im vergangenen Jahr noch Restrukturierungsmaßnahmen von rund 9,8 Mill. Euro das Ergebnis belasteten. Für das laufendeJahr erwartet SAP SI eine Ebit-Marge von 12 bis 14 %. "SAP SI hat die Kosten im Griff" sagt Michael Bahlmann von M.M. Warburg. Er hat die Aktie deshalb Anfang Mai von "Halten" auf "Kaufen" hoch gestuft. Grund dafür ist auch eine angekündigte Groß-Akquisition in den USA, die für Kursfantasie sorgt. Belastend wirkt hingegen, dass SAP SI sein bisher prognostiziertes einstelliges Wachstum senken musste und nun nur noch mit Umsätzen auf Vorjahresbasis rechnet.

Das Thema Outsourcing steht auch bei AC Service ganz oben auf der Agenda. "Wir wollen eines der führenden Unternehmen hier zu Lande in diesem Bereich werden", gibt Vorstandschef Herbert Werle klar die Linie vor. Zu Gute kommt dem Stuttgarter Unternehmen dabei, dass es mit vielen Kunden langfristige Verträge - größtenteils über 5 Jahre - abgeschlossen hat, womit sich solide planen lässt. Inzwischen macht der Bereich Outsourcing rund die Hälfte des Umsatzes aus und am Markt ist laut Werle weitere Nachfrage spürbar. Die Ebit-Marge, die im vergangenen Jahr bei über 6 % lag, soll langfristig zweistellig werden.

Grund zur Freude bieten auch die gestern vorgelegten Quartalszahlen von AC Service. Zum neunten Mal in Folge steigerte der Outsourcing- und Consulting-Dienstleister Umsatz und Ergebnis. Der Umsatz stieg zum Vorjahresquartal um 10 % auf 13,3 Mill. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) gar um fast zwei Drittel auf 1 Mill. Euro. Im Aktienkurs schlug sich das kaum noch nieder: Er hatte bereits in den letzten beiden Wochen über 10 % zugelegt.

Quelle: Handelsblatt vom 15.05.2003

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