Nach dem Aufstieg kommt es in der ersten Börsenliga erst einmal zu kräftigen Kurseinbußen
Mögliche Dax-Aufsteiger müssen sich warm anziehen

Kennen Sie den schon? "Die Aktie hat Kurspotenzial, denn es winkt die Aufnahme in den Dax. So etwas lockt Investoren an." Vergessen Sie die Weisheit, denn sie ist ein schlechter Witz.

DÜSSELDORF. Das Gegenteil ist richtig: Aktien, die in den Deutschen Aktienindex aufsteigen, müssen erst einmal Verluste hinnehmen. Das ist nicht nur in der aktuellen Baisse so. Langfrist- Studien belegen, dass sich ein Titel schon immer unterdurchschnittlich entwickelte, wenn er in den MDax oder Dax aufstieg. Das galt auch für die Boomjahre.

Doch die jüngsten Beispiele um die beiden Newcomer MLP und Altana sind besonders krass. MLP kämpfte jahrelang um die Aufnahme in die erste Börsenliga. Unter Händlern und Analysten machten damals Gerüchte die Runde, der Arbeitskreis Indizes, der über Auf- und Abstieg entscheidet und dem viele Bankangestellte angehören, verweigere dem Finanzdienstleister die Aufnahme, um die Dax-Konkurrenz vor den rasant wachsenden Heidelbergern zu schützen. Den Rest der Geschichte kennen Sie: Als MLP endlich feierte, begann der für einen Dax-Wert beispiellose Sturzflug. Seit Aufnahme vor gut einem Jahr verlor die Aktie über 90 %.

Zugegeben, der Aufstieg ist nicht der einzige Grund. Neben der allgemeinen Baisse drücken Vorwürfe um Bilanzmanipulationen auf den Kurs. Doch ein wesentliches Motiv für den Kursverfall galt schon vor den Fälschungsspekulationen: Als die Aktie in den Dax aufstieg, war sie mit einem dreistelligen Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) extrem überbewertet - selbst unter der Annahme, dass Wachstumsprognosen von 50 % pro Jahr zutreffen.

Die Folge: MLP verlor nach der Dax-Aufnahme in wenigen Tagen ein Drittel an Wert. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich noch kein Magazin um MLP-Bilanzen gekümmert.

Den jüngsten Dax-Aufsteiger Altana plagen keine Manipulationsvorwürfe, ebenso wenig ein dreistelliges KGV. Doch wie MLP war auch Altana eine Perle im MDax. Beiden wurde eine hohe Börsenbewertung zugestanden, weil sie kontinuierlich mit zweistelligen Zuwachsraten bestachen. Weil das hohe Wachstum mit dem noch höheren Kursgewinn aber nicht Schritt hielt, schnellte das KGV nach oben. Derartige Schönheitsfehler verzeihen Investoren nur den wenigen Perlen im 70 Werte umfassenden MDax.

Doch in der harten ersten Liga weht der Wind rauer. Kaum im Dax, verfliegt die Kurs-Aufstiegsphantasie. Gleichzeitig beginnt der Wettstreit mit der erstklassigen Konkurrenz. MLP muss sich mit der Bewertung europäischer Finanzdienstleister messen, Altana mit soliden und wachstumsstarken Pharma-Aktien in aller Welt. Das Ergebnis: Gemessen daran sind Kursabschläge gerechtfertigt gewesen.

Inzwischen erfüllt sich die Prophezeiung von selbst. Weil bei einem Dax-Aufstieg die Kurse sinken, stürzen diese bei jedem Neuling immer stärker ab. Denn Investoren wissen um die Malaise und stoßen die entsprechenden Aktien lieber einen Tag zu früh als zu spät ab. Hedge-Funds verstärken den Trend, indem sie sich Aufsteiger-Aktien leihen, diese verkaufen, um sie später wieder billiger einzusammeln. Je häufiger die Strategie aufgeht, desto mehr Spekulanten wetten so auf niedrigere Kurse.

Deshalb sollten sich mögliche Nachfolger für Epcos und MLP, denen auf Grund des Kursverfalls und der gesunkenen Marktkapitalisierung der Rauswurf aus dem Dax droht, warm anziehen. Die möglichen Kandidaten Beiersdorf, Deutsche Börse, Karstadt-Quelle, Continental und Merck haben die schwere Börsen-Baisse bislang im MDax gut überstanden. Im Dax werden die Attacken der Bären größer.

Quelle: Handelsblatt

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