Nach dem Ausscheiden
Spanien fühlt sich um Halbfinale betrogen

"Unfähig" seien die Linienrichter, die spanische Mannschaft habe "elf gegen zwölf gespielt", so die Reaktionen auf das Ausscheiden gegen Gastgeber Südkorea.

dpa GWANGJU/SÜDKOREA. Am liebsten hätten sich die Spanier in Stiere verwandelt und die Schiedsrichter auf die Hörner genommen. Mit erbitterten Anklagen gegen die "unfähigen Linienrichter" und dubiose Vorgänge im Weltfußballverband (Fifa) hat sich Spanien wütend von "der dreckigen Weltmeisterschaft" ("Marca") verabschiedet. Die "Seleccion" fühlt sich nach der 3:5-Niederlage im Elfmeterdrama gegen Südkorea von den Unparteiischen um den ersten Einzug ins Halbfinale seit 52 Jahren betrogen. "Wir haben mit elf gegen zwölf gespielt", schimpfte Francisco De Pedro. "Die Auswahl der Linienrichter durch die Fifa ist ein Skandal", erboste sich Trainer Josè Antonio Camacho.

Erst erkannte der ägyptische Schiedsrichter Gamal Ghandour den Spaniern in der 49. Minute Ivan Helgueras Tor wegen eines angeblichen Stürmerfouls ab. Dann verweigerte er Fernando Morientes in der zweiten Minute der Verlängerung das per Kopf erzielte "Golden Goal", weil der Ball bei Joaquins Flanke nach Meinung seines Linienrichters aus Trinidad im Aus gewesen sein soll - eine klare Fehlentscheidung. Pechvogel Morientes scheiterte in der 101. Minute am Pfosten und wenig später am zweiten Linienrichter aus Uganda, der ihm den Zauberpass auf den einschussbereiten Luis Enrique wegen angeblichen Abseits abwinkte. "Der Schiedsrichter hat dieses Spiel entschieden", klagte der Stürmer von Real Madrid.

"Die Fifa verlangt von uns immer Fair Play. Aber die einzigen, die in Gwangju Fair Play gezeigt haben, waren die beiden Teams", erklärte ein verbitterter Kapitän Fernando Hierro, der sich seinen Abschied von der Nationalmannschaft anders vorgestellt hatte. "Jetzt verlange ich von der Fifa Fair Play", forderte der 34-jährige Mittelfeldspieler von Real Madrid.

Anders als Italiens in Rage geratener Trainer Giovanni Trapattoni behielt Camacho nach dem "Betrug" ("Sport") einigermaßen die Fassung. "Bei dieser WM ist zu viel passiert. Das ist nicht gut für den Fußball", stellte der 47-Jährige aber den Wert des Turniers in Frage. Direkt nach Abpfiff hatte Camacho alle Mühe, die wutentbrannten Juanfran und Ivan Helguera von den flüchtenden Linienrichtern fern zu halten. "Liegt denn ein Fluch auf uns?", rief der verzweifelte Helguera, nachdem er von den beiden Sündenböcken abgelassen hatte.

Bei aller Wut über die Schiedsrichter fanden die Spanier vorm Kofferpacken auch selbstkritische Worte. "Wir hatten trotz allem genug Chancen", gab Luis Enrique zu. Spanien hatte im Spiel einfach der nötige Biss und im zweiten Elfmeterschießen innerhalb von nur sechs Tagen das Glück gefehlt. König Juan Carlos gratulierte trotzdem. Direkt nach dem Spiel rief Spaniens Monarch Camacho an und beglückwünschte ihn und seine Spieler für die gezeigte Leistung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%