Nach dem Bilanzskandal
Comroad prüft Klage gegen KMPG

Die wegen mehrerer Bilanzskandale unter Druck geratene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stellt von ihr selbst geprüfte Jahresabschlüsse in Frage. Sie will daher einen Teil ihrer Mandanten erneut kontrollieren - und muss eventuell mit einer Klage ihres Kunden Comroad rechnen.

HB/dpa/rtr DÜSSELDORF/MÜNCHEN. "Wir werden sämtliche von uns testierten Abschlüsse am Neuen Markt noch einmal überprüfen", sagte Harald Wiedmann, Vorstandssprecher von KPMG Deutschland, dem Handelsblatt.

Damit würde etwa jedes siebte Unternehmen am Wachstumssegment rückwirkend genauer unter die Lupe genommen. Insgesamt prüft KPMG rund 45 Unternehmen am Neuen Markt. Die größte deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft reagiert damit auf wachsende Kritik an ihrer Arbeit. Vor allem beim Skandal um den Telematik-Anbieter Comroad wird KPMG vorgeworfen, falsche Bilanzen testiert zu haben. KPMG hatte im Februar dieses Jahres das Mandat bei Comroad niedergelegt und das Testat für 2001 verweigert.

Nach dem Bilanzskandal bei dem Telematik-Anbieter Comroad prüft die neue Geschäftsführung des Unternehmens rechtliche Schritte gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Die Prüfer hätten die Bilanzen jahrelang anstandslos testiert, sagte ein Comroad-Sprecher am Mittwoch in München. Darauf hätten sich sowohl die Mitarbeiter als auch Analysten und Aktionäre verlassen. Der wirtschaftliche Schaden, der Comroad durch die lange Zeit unbemerkten Bilanzfälschungen entstanden ist, sei enorm.

Gestern teilte Comroad mit, dass auch die Umsätze in den Bilanzen der Jahre 1998 bis 2000 zu einem großen Teil nur auf dem Papier existieren. KPMG-Chef Wiedmann kündigte daraufhin an, die Testate der entsprechenden Abschlüsse zu widerrufen. Die Comroad AG, die 1999 an die Börse gegangen ist, hatte Jahr für Jahr hohe Umsatzanteile aus Geschäften mit der Hongkonger VT Electronics verbucht. Eine Sonderprüfung hat ergeben, dass diese Firma wohl nie existiert hat.

KPMG-Chef Wiedmann weist den Verdacht zurück, seine Gesellschaft habe bei Comroad unzureichend geprüft. "Die Vorwürfe sind völlig absurd", sagte er am Dienstagabend am Rande einer Veranstaltung in Augsburg. Die KPMG-Prüfer hätten die Comroad-Bilanzen nach bestem Wissen geprüft und über lange Zeit keine Unregelmäßigkeiten entdeckt. "Es existierten ja Kunden von Comroad", sagte er.

Mit Blick auf die nachträgliche Streichung der Comroad-Testate sagte Wiedmann: "Es war nicht möglich, das vorher zu wissen." Als Testat oder auch Bestätigungsvermerk wird das Absegnen einer Bilanz durch den Wirtschaftsprüfer bezeichnet, was im Geschäftsbericht kenntlich gemacht wird. Laut Regelwerk des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) muss ein solches Testat jedoch dann widerrufen werden, wenn nachträglich bekannt wird, dass "die Voraussetzungen für die Erteilung eines Bestätigungsvermerkes nicht vorgelegen haben".

Die Staatanwaltschaft München prüft indes eine Anzeige der auf Anlegerrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Rotter gegen die KPMG in Sachen Comroad. Rotter erhofft sich dadurch nach eigenen Angaben Akteneinsicht, um etwaige Schadensersatzansprüche gegen die Wirtschaftsprüfer vorzubereiten. Um diese Ansprüche geltend machen zu können, müsste den Prüfern allerdings vorsätzlich falsches Handeln nachgewiesen werden. KPMG-Chef Wiedmann sieht eigenen Worten zufolge der Angelegenheit aber gelassen entgegen. "Das werden wir sehen", sagte er auf Anfrage.

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