Nach dem Börsengang
Haltefrist für Altaktionäre: Wenn die Fesseln fallen

Nach einem Börsengang achten die Anleger mit Argusaugen auf das Ende der Haltefrist für Altaktionäre. Sie fürchten den heimlichen Ausstieg.

tlu DÜSSELDORF. Ein paar dürre Zeilen sorgten für die Trendwende. Monatelang gehörte die Aktie des Chip-Designers Dialog Semiconductor zu den Überfliegern am Neuen Markt. Mitte Oktober vergangenen Jahres zu 19 Euro emittiert, stieg das Papier des Mobilfunkspezialisten rasant auf über 140 Euro. Dann, acht Monate nach dem Börsengang, gab das Unternehmen bekannt, dass zwei der Altaktionäre - eine Risikokapitalgesellschaft und ein Kunde - ihre Beteiligung im Rahmen einer Kapitalerhöhung um ein Drittel reduzieren. Die Börse reagierte verschnupft. Die Schwäche der Handyproduzenten Nokia und Ericsson schickte die Notierung dann endgültig auf Talfahrt.

Die Kurskapriolen findet Dialog-Chef Roland Pudelko "unverständlich". Doch wenn die Altaktionäre nach der am Neuen Mark vorgeschriebenen Haltedauer von sechs Monaten, der so genannten Lock-up-Periode, auch nur einen Teil ihres Aktienpakets versilbern wollen, herrscht bei Anlegern Alarmzustand - vor allem, wenn es Vorstände oder Aufsichtsräte sind.

Schließlich spiegeln sich in den üppigen Bewertungen der Wachstumstitel hohe Zukunftserwartungen wider, und oft ist der unternehmerische Erfolg mit Gründern oder Management verbunden - so wie zum Beispiel mit Gerhard Schmid, Chef bei Mobilcom.

Wenn nun Mitglieder aus der Kernmannschaft Kasse machen, so das Kalkül der Anleger, kann es mit dem Vertrauen in das eigene Unternehmen nicht so weit her sein, oder der aktuelle Börsenkurs ist unrealistisch hoch. Die Negativbeispiele aus der Vergangenheit geben ihnen Recht. Ex-CPU-Chef Jochen Furch und Ex-Ixos-Vorstand Hans Strack-Zimmermann zum Beispiel nutzten das Ende der Lock-up-Periode, um sich klammheimlich von einem Teil ihrer Aktien zu trennen. Erst dann informierten sie die Öffentlichkeit - und schickten eine Gewinnwarnung gleich hinterher. Bei Ixos hat zusätzlich die US-Investmentbank Goldman Sachs den Kurs durch positive Research-Studien gepflegt - und danach die eigenen Aktien zusammen mit den Altaktionären verkauft.

"Das Verhalten der Altaktionäre nach der Lock-up-Periode beeinflusst natürlich das Vertrauen der Investoren", weiß Marc Schädler, Fondsmanager bei Nordinvest. Nach der Emissionswelle zu Anfang des Jahres steht daher bei vielen Neulingen in den nächsten Wochen die Nagelprobe an.

Sensibilisiert durch die Vergangenheit haben viele Unternehmen ihre Haltefristen freiwillig verlängert. Oft gilt aber diese Verpflichtung nur für das Management und die Gründer, und dann manchmal auch nur für einen Teil der Aktien. Für Risikokapitalgeber gibt es dagegen kaum Einschränkungen. "Das sind oft diejenigen, die als erste ihre Stücke auf den Markt werfen, falls die Aktien nicht bei institutionellen Anlegern platziert werden können", beobachtet Volker Borghoff, Aktienstratege bei der DG Bank.

Kein Wunder, denn die Risikokapitalgesellschaften brauchen das Geld zur Finanzierung neuer Startups. "Wenn das Ende der Lock-up-Periode naht, sollte sich der Anleger Gedanken machen, ob der Kurs zu weit von den fundamentalen Daten abgewichen ist", rät Borghoff. Ein Warnsignal: Der Kurs ist seit Emission enorm gestiegen, ohne dass das frische Kapital im operativen Geschäft für Schub gesorgt hat.

Gute Unternehmen überstehen das Ende der Haltefrist schadlos. Ein Ausstieg der Großaktionäre kann sogar für einen Kursschub sorgen. Denn erst wenn die Zahl der frei handelbaren Aktien ausreichend groß ist, denken Fonds über einen Einstieg nach.

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