Nach dem Deal mit J.D.Edwards
Oracle will Peoplesoft kaufen

Der weltweit zweitgrößte Softwarekonzern Oracle will seinen Konkurrenten PeopleSoft für gut fünf Milliarden Dollar übernehmen und damit die deutsche SAP in deren Kerngeschäft Unternehmenssoftware stärker angreifen.

Reuters NEW YORK. Das überraschend vorgelegte Übernahmeangebot des US-Unternehmens heizte an den Börsen Übernahmefantasien an, die Aktien zahlreicher Softwareunternehmen legten deutlich zu. Peoplesoft riet seinen Aktionären, vorerst nicht auf die Offerte zu reagieren, kündigte aber eine Prüfung des Angebots an. Oracle teilte am Freitag mit, der Abschluss der Übernahme von Peoplesoft werde für Juli erwartet. Firmenchef Larry Ellison sagte, Oracle sei auch sehr an dem Softwarehersteller J.D. Edwards interessiert, für dessen Kauf Peoplesoft erst vor wenigen Tagen geboten hatte. Der Walldorfer SAP-Konzern reagierte gelassen aufn die Nachricht. Der Peoplesoft-Aktienkurs sprang als Reaktion auf das Angebot in die Höhe, Oracle-Titel drehten nach deutlichen Kursgewinnen ins Minus. Die SAP-Aktie zog deutlich an.

Oracle bietet sechs Prozent Prämie

Oracle ist der weltweit größte Hersteller von Datenbank-Software und hatte sich auch um eine stärkere Position auf dem Markt für betriebswirtschaftliche Software bemüht. Peoplesoft ist ähnlich wie SAP auf betriebswirtschaftliche Standardsoftware spezialisiert.

Peoplesoft-Chef Craig Conway kündigte an, die Offerte über 5,1 Milliarden Dollar zu prüfen. Dennoch bezeichnete er das Angebot als schlechtes Benehmen. Die Offerte sei ein durchsichtiger Versuch, den Kauf von J.D. Edwards durch die im kalifornischen Pleasanton ansässige Peoplesoft zu stören. Oracle kündigte an, den Peoplesoft-Aktionären sollten in bar 16 Dollar je Aktie und damit ein etwa sechsprozentiger Aufschlag auf den Vortages-Schlusskurs geboten werden. Oracle-Chairman Larry Ellison ergänzte, Oracle bleibe auch an J.D. Edwards interessiert und halte sich dafür weiter alle Optionen offen. Peoplesoft hatte angekündigt, J.D. Edwards per Aktientausch für 1,7 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen.

Ellison sagte weiter, Peoplesoft-Chef Conway sei bereits vor einem Jahr mit dem Vorschlag an ihn herangetreten, die Unternehmenssoftware-Sparten beider Unternehmen zusammenzulegen. Beide hätten sich jedoch nicht über die Struktur der Fusion einigen können. Conway selbst äußerte sich dazu zunächst nicht. Nach der Oracle-Ankündigung legten weltweit die Kurse von Aktien von Softwarekonzernen zu, da sich Händler eine Konsolidierung der Branche erhofften. Die anhaltende Schwäche bei den Technologieinvestitionen setzt die Manager immer stärker unter Druck.

An der Technologiebörse Nasdaq fiel der Kurs der Oracle-Aktie um mehr als 2,5 Prozent, nachdem er zuvor deutlich im Plus tendiert hatte. Der Wert der PeopleSoft-Aktien erhöhte sich 17,6 Prozent auf 17,77 Dollar. Am deutschen Markt kletterte der Kurs der SAP-Aktie um rund 8,8 Prozent auf 107,09 Euro. "Da übernimmt einer einen anderen, und sofort denken alle "Da bewegt sich was' und fangen an zu kaufen", sagte ein Aktienhändler.

SAP zeigt sich gelassen - Analysten sehen Vorteile

SAP zeigte sich angesichts des möglichen Entstehens eines neuen Hauptkonkurrenten gelassen. "Gemessen am Marktanteil für Betriebssoftware würden wir weiterhin doppelt so groß sein wie Oracle/PeopleSoft", sagte SAP-Sprecher Markus Berner. Sollte die Übernahme klappen, würde eine klare Nummer Zwei auf dem Markt entstehen, wodurch sich SAP im Grunde noch deutlicher auf den Wettbewerb einstellen könne.

Zudem scheint SAP in der möglichen Fusion auch Potenziale für das eigene Geschäft zu sehen. Tendenziell könnten feindliche Übernahmen durchaus die Kundenbeziehungen stören, sagte Berner. Auch Branchenkenner sahen durchaus mögliche positive Auswirkungen einer Fusion Oracle/Peoplesoft für SAP. SAP könne Marktanteile gewinnen, da bei Übernahmen stets Reibungsverluste entstünden, urteilte Analyst Mirko Maier von der Landesbank Baden-Württemberg. Druck für SAP, nun selbst hinzuzukaufen, sehe er nicht.

Jamie Friedman von Fulcrum Global Partners äußerte indes Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Kaufabsicht. "Ich glaube, dahinter steckt, dass Oracle die Übernahme von J.D. Edwards durch PeopleSoft zu blockieren versucht." SAP hatte im ersten Quartal 2003 einen Umsatz von 1,52 Milliarden Euro erzielt, Oracle setzte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2002/2003 2,3 Milliarden Dollar um.

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