Nach dem Desaster um EM.TV
Vorsichtiger Optimismus am Neuen Markt

Nach den Katastrophen der letzten Tage zeigt sich der Neue Markt am Mittwoch wieder fester. Vor allem die guten US-Vorgaben sorgen kurzfristig für Erholung. Auch auf die lange Sicht sehen die Analysten wieder Spielräume nach oben. Doch der Sturzflug von EM.TV hat Folgen. Die Investoren schauen jetzt genauer hin, wem sie ihr Geld anvertrauen.

Zwei Tage nach dem EM.TV-Desaster herrscht am Neuen Markt wieder vorsichtiger Optimismus. "Ich glaube, dass wir bei 3 000 Punkten den Boden gesehen haben", sagt Karl-Heinz Homburg von der Bankgesellschaft Berlin. Kurzfristig profitiere der Markt vor allem von den positiven US-Vorgaben. Die Aussagen des US-Notenbankchefs Alan Greenspan, der sinkende Zinsen in den USA in Aussicht stellt, habe die Märkte beflügelt. "Die Investoren glauben, dass die US-Wirtschaft zur weichen Landung ansetzt", so Homburg. "Greenspan hat die Bedeutung stabiler Aktienkurse betont", sagt Homburg, "das hört der Markt natürlich gerne".



So könnte der Nemax nach Meinung der Analysten doch noch zur Jahresschlussrallye ansetzen. Die Tatsache , dass der US-Computerbauer Apple erneut mit einer Gewinnwarnung überraschte, sei dabei von geringerer Bedeutung. Wichtiger sei die Erwartung, dass die europäische Wirtschaft langfristig ihren Wachstumstrend fortsetzen werde und schon Mitte des kommenden Jahres die US-Konjunktur abhängen könnte.



Dennoch sitzt der Schock der letzten Tage tief. "Man kann den Schaden, den EM.TV angerichtet hat noch gar nicht absehen", sagt Stefan Schießer von der GZ-Bank, der Dachgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Schwache Neun-Montszahlen und der Verdacht, dass am neuen Markt noch mehr Luftschlösser zusammenbrechen könnten, hätten eine breite Verunsicherung ausgelöst. Langfristig habe das EM.TV. -Desaster jedoch eher eine heilsame Wirkung glaubt Schiesser. "Die Leute schauen jetzt genauer hin, wenn sie Geld investieren. Das kann dem Markt langfristig nur gut tun.". Auch Karl-Heinz Homberg von der Bankgesellschaft Berlin glaubt an einen "heilsamen Schock."



So rechnen die Experten in den kommenden Wochen mit einer moderaten Aufwärtsbewegung am Neuen Markt. "Die Marke von 3 500 bis Weihnachten ist möglich", glaubt Schießer. Auch im neuen Jahr werde es aufwärts gehen, wenngleich die alten Höchsstände von 7 - 8 000 Punkten nicht wieder erreicht werden. Zum Einen stünde eine Flut von Neuemissionen an, die viel Liquidität aufsaugen werde. "Zum Anderen sind die Aktien auch beim derzeitigen Kursniveau mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von durschnittlich 50 relativ teuer." Dennoch sei Mitte nächsten Jahres ein Kursniveau von 4 500 wieder möglich. Unter den Kaufkandidaten sieht Schießer unter anderem Pandatel, Adva Optical, Mühlbauer und Qiagen.

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