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Nach dem Dienstags-Debakel: Wall Street versucht die Wende

Nach einem Tag rekordverdächtiger Verluste bemühen sich die US-Börsen am frühen Mittwochmorgen um eine Wende. Die Futures auf die drei großen Indizes notieren freundlich: Der Dow Jones verbessert sich vorbörslich um 35, die Nasdaq um 8 Punkte. Der marktbreite S&P 500 gewinnt 4 Zähler.

Nach einem zunächst schwachen Auftakt geben Daten aus dem konjunkturellen Umfeld dem Markt Kraft. Das Bruttosozialprodukt sei im vierten Quartal um 0,2 Prozent gewachsen, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Das ist zunächst eine Schätzung. Bleibt es jedoch dabei, wäre die Rezession offiziell beendet. Wie lange der Markt von der guten Nachricht profitieren kann, ist indes ungewiss. Auch die Daten zu Verbrauchervertrauen und den Bestellungen langlebiger Industriegüter waren am Dienstag positiv ausgefallen und ungehört im Kursstrudel untergegangen.

Schlechte Nachrichten aus nahezu allen Sektoren hatten die Wall Street unterdessen in den Keller gejagt. Nachdem die Industrie-Schwergewichte Honeywell und US Steel mit schlechten Aussichten gemeldet, ChevronTexaco enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und Tyco sowie der Energietrader Williams Companies Bilanz-Unstimmigkeiten angedeutet hatten, war das Vertrauen der Anleger dahin. Der Dow Jones Index verlor 248 Punkte oder 2,5 Prozent und landete unsanft auf einem Zweieinhalb-Monats-Tief von 9618 Punkten. Die technologie-lastige Nasdaq verlor 51 Punkte oder 2,6 Prozent auf 1892 Punkte.

Dass sich US-Präsident George W. Bush am Dienstagabend in seinem Bericht zur Lage der Nation nicht nur mit dem Kampf gegen den Terror beschäftigte, sondern auch die Rezession zum Thema machte, hat man an der Wall Street vernommen. Doch Bushs wiederholtes Plädoyer für Steuersenkungen und ein Stimulierungspaket, das die Wirtschaft ankurbeln solle, werden dem Markt alleine nicht nachhaltig Kraft geben können. Vielmehr wartet man auf Alan Greenspan; der Notenbank-Chef wird am Nachmittag (20.15 Uhr MEZ) die Ergebnisse der zweitägigen Fed-Sitzung vorstellen. Die meisten Analysten rechnen damit, dass der Offenmarkt-Ausschuss die Zinsen nicht weiter senken wird und das Komitee damit erneut Optimismus und Vertrauen in einen Aufschwung zeigt.

Positive Unternehmensmeldungen könnten für den Handel jedoch bedeutender sein. AOL Time Warner hat am Morgen Quartalsergebnisse in Höhe der Erwartungen gemeldet. Der weltgrößte Medienkonzern weist für Q4 ein Anteilsplus von 33 Cent pro Aktie aus und damit ein Wachstum um 25 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal. Für das laufende erste Quartal rechnet das Management allerdings nur mit einem Umsatz und Gewinn in Höhe des Vorjahresquartals, womit man leicht unter den bisherigen Prognosen der Wall Street Analysten liegt. AOL gewinnt vor der Glocke 1,2 Prozent.

AT&T , größter US-Telekommunikationskonzern und Dow-Wert, beendete das abgelaufene Quartal mit einem Gewinn von 5 Cent pro Aktie. Das ist zwar 1 Cent besser als der Markt erwartet hatte, im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte man aber noch einen Gewinn von 24 Cent pro Papier ausweisen können. Für das laufende Quartal hat erwartet AT&T weiter sinkende Gewinne auf 2 bis 5 Cent pro Aktie. AT&T handelt vorbörslich mit leichten Gewinnen.

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