Nach dem Ende des Irak-Krieges
Blair fordert Neubewertung der transatlantischen Beziehung

Nach dem Ende des Irak-Krieges wird nach Auffassung des britischen Premierministers Tony Blair eine Neubewertung der Beziehungen zwischen den USA und Europa notwendig sein.

Reuters LONDON. Er werde am Mittwoch in die USA reisen, um mit US-Präsident George W. Bush und UNO-Generalsekretär Kofi Annan über Irak und dessen Zukunft nach dem Krieg zu beraten, kündigte Blair am Dienstag in London an. Der Vormarsch der amerikanischen und britischen Truppen auf Bagdad verlaufe genau wie geplant. Angesichts des irakischen Widerstandes werde der Militäreinsatz aber Zeit und Ausdauer brauchen, fügte Blair hinzu.

"Darüber muss nach dem Ende (des Krieges) diskutiert und in der Tat eine Neubewertung der Beziehungen zwischen Amerika und den USA vorgenommen werden", sagte Blair. Bereits vor Beginn der Kampfhandlungen hatten sich in der Frage eines Irak-Krieges innerhalb der Vereinten Nationen (UNO) große Differenzen aufgetan. Während etwa Großbritannien und Spanien die harte Haltung der USA unterstützten, lehnten Deutschland und Frankreich eine zweite Resolution, die den Krieg rechtfertigen sollte, ab.

Blair, der seine politische Zukunft an die Entscheidung gebunden hatte, die USA im Krieg gegen Irak zu unterstützen, sagte, es sei aber falsch, die europäischen Nationen einfach in Kriegsgegner und Befürworter aufzuteilen. Es habe eine breite Unterstützung für die harte Haltung gegenüber Irak gegeben, insbesondere bei den osteuropäischen Beitrittsländern zur Europäischen Union EU). Letztlich würden aber die Europäer niemals ihre Beziehungen zu den USA gefährden. "Wenn sie sich Zeit nehmen und über die Interessen Europas nachdenken, würden sie den Gedanken, die transatlantische Allianz zu opfern, als Irrsinn betrachten". Zugleich wies er Beschuldigungen zurück, die USA wollten künftig ihren Weg allein gehen ohne Rücksicht auf den Rest der Welt. Er fügte hinzu, die UNO hätte in der Lage sein sollen, sich auf eine zweite Resolution zu verständigen.

Die Gespräche bei seinem Besuch am Mittwoch bei US-Präsident Bush und am Donnerstag bei UNO-Generalsekretär Annan würden sich nicht ausschließlich auf Fortschritte im Krieg gegen Irak konzentrieren sondern vor allem auf die Zukunft des Landes nach dem Krieg. "Es werden die humanitäre Situation diskutiert und die wichtigen und komplexen Fragen die sich nach dem Ende der Saddam-Ära ergeben", sagte Blair. Die USA und Großbritannien stimmten darin überein, dass der UNO eine Schlüsselrolle in Irak nach dem Krieg zukomme. Er fügte hinzu, die Türkei sei sich dessen bewusst, dass die territoriale Integrität Iraks gewahrt werden müsse.

Es sei seit Beginn des Krieges gegen Irak schon viel erreicht worden, sagte Blair. Die britische und amerikanische Truppen hätten die Stadt Karbala im Südwesten Bagdads erreicht und stünden dort der Medina-Division der Republikanischen Garde, einer Elite-Einheit des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, gegenüber. In den ersten fünf Tagen des Krieges hätten die Truppen bereits zwei mal so viel Boden gewonnen, wie während des gesamten Golfkrieges 1991. Er räumte allerdings ein, dass die Angriffe auf die irakischen Elite-Einheiten durch widrige Witterungsverhältnisse behindert werden. "Die Medina-Division wird derzeit massiv angegriffen, obwohl schlechtes Wetter uns behindern wird", sagte Blair.

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