Nach dem Ende des Zehn-Punkte-Programms: Märkte warten auf neue strategische Aussagen
Hohe Erwartungen an Siemens

Siemens steht unter großem Erfolgsdruck: Das fast schon legendäre Zehn-Punkte-Programm ist beinahe abgearbeitet, die wichtigsten Ertragsziele sind erreicht. Jetzt erwarten Anleger und Analysten, dass Siemens-Chef von Pierer die weitere Strategie des Konzerns vorgibt.

MÜNCHEN. Der Erfolg schürt neue, große Erwartungen: Am morgigen Donnerstag will sich Konzern-Chef Heinrich von Pierer in München bei der Bilanzvorlage den Medien stellen, am Freitag findet dann eine große Analysten-Konferenz statt. "Es baut sich eine gewisse Spannung auf", meint dazu Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck. Steve Woolf von Commerzbank Securities in London erwartet konkrete Aussagen zur weiteren Strategie des Konzerns. Andere Analysten gehen davon aus, dass neue, konkrete Ergebnisziele genannt werden.

Siemens-Chef von Pierer, dessen Vertrag als Vorstandsvorsitzender noch bis Februar 2003 läuft, ist unter Druck. Denn das Zehn-Punkte-Programm, mit dem von Pierer den Konzern grundlegend umgebaut hat, ist so gut wie abgeschlossen. Die beiden Tochtergesellschaft Epcos und Infineon sind erfolgreich aufs Parkett gekommen und notieren mittlerweile sogar im Deutschen Aktienindex (Dax). Die Vorbereitungen für den Gang des Konzerns an die Börse in New York laufen planmäßig. Das Listing ist für den 12. März 2001 geplant.

Auch die Ergebnisziele hat von Pierer erreicht. Ein Jahr früher als geplant hat Siemens im Geschäftsjahr 1999/2000 (30.9.) einen positiven Geschäftswert-Beitrag erzielt. Die Kosten auf das eingesetzte Kapital wurden sogar um 800 Mill. " übertroffen. Alle 14 Geschäftsfelder arbeiten zum ersten Mal seit langem wieder mit Gewinn. Nur noch drei Bereiche im weiten Siemens-Reich - die Automobiltechnik, die IT-Beratung SBS und Siemens Building Technologies (Gebäudetechnik) - erfüllen derzeit nicht die hohen Rendite-Anforderungen aus der Konzernzentrale.

Von Pierer hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass dies nur ein Zwischenschritt beim geplanten "Aufstieg zum Gipfel" ist. Jetzt muss er neue konkrete Ziele setzen und auch die Wege dahin erläutern. Ein neues grundlegendes Umbau-Programm erwarten die Experten aber nicht. Die Hoffnungen darauf seien ohnehin gedämpft, sagt Simon Scholes von der Bankgesellschaft Berlin, der schon länger weitere Verkäufe von Unternehmensteilen fordert. Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank verweist in diesem Zusammenhang aber darauf, dass die begonnene Umstellung auf E-Business wie eine Umstrukturierung innerhalb des Konzerns wirke. Von Pierer dürfte allerdings seiner Linie treu bleiben und die Umwandlung von Siemens in eine Holding mit selbstständigen Tochtergesellschaften weiter vehement ablehnen.

Mit Spannung werden auch die Prognosen für die beiden Hoffnungsträger im Konzern - Infineon und das Mobilfunkgeschäft - erwartet. Beide Geschäftsfelder machten 1999/2000 knapp 50 % des gesamten Vorsteuer-Gewinns aus. Insbesondere im Mobilfunk, das im Geschäftsbereich ICM gebündelt ist, gab es zuletzt einen Durchhänger. Das Ergebnis brach im vierten Quartal 1999/2000 um 80 % ein. Zwar schlugen dabei Einmal-Effekte zu Buche. Aber auch die Margen gingen zurück. Zudem wurden die Absatzziele nach unten revidiert. Bisher war von 60 Mill. Handys die Rede, jetzt wird eine Verdoppelung des Vorjahreswertes (24 Mill.) prognostiziert.

Dazu kommt: Die von Siemens geplante weltweite Offensive auf dem Handy-Markt dürfte viel Geld kosten. Der Start auf dem heiß umkämpften US-Markt ist nicht zum Nulltarif zu haben. Gerade erst hat der US-Konzern Motorola, hinter Nokia Nummer Zwei auf dem Weltmarkt für Mobiltelefone, eine Gewinnwarnung abgegeben.

Auch die Siemens-Tochter Infineon leidet derzeit unter der Unsicherheit der Märkte, insbesondere bei Speicherchips. Hier wird eine Erholung der Nachfrage und der Preise für Mitte 2001 erwartet. Die Siemens-Aktie, die nach der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen 1999/2000 Anfang November nach unten ging, steigt seit einigen Tagen wieder. Gestern lag die Aktie bei knapp 150 ". Bis zum Hoch vom Februar bei über 190 " ist es aber noch weit.

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