Nach dem Enron-Skandal liefern die Großkonzerne den Anlegern mehr Informationen – Kurse erholen sich
US-Giganten werben um Vertrauen

Im Wettbewerb um die Gunst der Anleger werden sich die großen amerikanischen Unternehmen nach dem Skandal um den Energiehändler Enron mehr Mühe geben müssen. Bilanzmanipulationen hatten Enron in die Pleite gestürzt. Verunsicherte Anleger verlangen jetzt mehr Auskunft über das Zahlenwerk der Unternehmen.

CHICAGO. General Electric (GE) und IBM haben jetzt detailliertere Zahlen über ihr Geschäft veröffentlicht. GE-Chef Jeffrey Immelt ist bereit, den Aktionären einen Jahresbericht in der Größe eines Telefonbuchs zu schicken, falls diese es wünschen. Doch Investoren wollen nicht unbedingt mehr Information, sie wollen mehr Qualität in den Berichten. Großunternehmen wie GE laufen Gefahr, aufgrund der Größe und Komplexität ihres Geschäfts von den Anlegern als riskant abgestempelt zu werden, was einen tieferen Aktienpreis zur Folge hätte. "Die undurchsichtige Natur der Finanztochter GE Capital dürfte in Anlegerkreisen zunehmend als problematisch angesehen werden", mahnt Rob Plaza von Morningstar, einem Vermögensverwalter in Chicago.

Gefragt sind genauere Angaben über die Herkunft und die Nachhaltigkeit von Profiten. Dem Beispiel von GE und IBM folgte der Versicherungskonzern AIG. Er will in Zukunft genauere Angaben über die Spartenrechung liefern. Dabei will AIG vor allem tiefere Einsicht ins Lebensversicherungsgeschäft bieten. Auch Sun Trust Bank ist bereit, im nächsten Jahresbericht Klarheit über die so genannten Special Purpose Entities (SPE) zu schaffen. Dabei handelt es sich um verbundene Unternehmen, die allein zu steuerlichen oder bilanziellen Zwecken gegründet werden. Gerade im Finanzbereich sind solche SPEs, die im Zusammenhang mit der Pleite des Energiekonzerns Enron zu unbeliebter Prominenz gekommen sind, sehr beliebt. In Analystenkreisen rechnet man daher auch mit detailierteren Angaben zu den SPEs von Citigroup und JP Morgan.

Neben einer umfassenderen Buchführungspolitik versuchen einige Gesellschaften auch den Dialog mit den Anlegern zu vertiefen. Joe Nacchio, Chef des Telekommunikationskonzerns Qwest nennt die gegenwärtige Hexenjagd an den US Finanzmärkten "Corporate McCarthyism" - eine Anspielung auf die Verfolgung politisch Andersdenkender durch den konservativen Senator Joseph McCarthy in den 50er Jahren. Nacchio, dessen Konzern von der US-Börsenaufsicht SEC wegen dubioser Bilanzpraktiken durchleuchtet wird, will mit wöchentlichen Telefonkonferenzen das Vertrauen der Anleger wieder gewinnen. Auch der gebeutelte Mischkonzern Tyco sucht den Dialog.

Erfolgreich sind diese Initiativen, indem sie den weiteren Fall der Aktienkurse bremsen. IBM und GE haben sich inzwischen sogar stark erholt. Trotzdem mahnen Analysten: Mehr Informationen bedeuten nicht unbedingt bessere Informationen. Diese könnten sich gar als Bumerang erweisen, falls die zusätzlichen Zahlen fehlinterpretiert werden.

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