Nach dem Fehler gegen Juventus Turin nimmt der FC Bayern seinen Torwart in Schutz
Kahns Verteidiger

Bloß keine Zeit verlieren. Als die Bayern-Spieler eine halbe Stunde nach Abpfiff schwitzend vom Auslaufen Richtung Kabine trotteten, stolzierten ihre Gegner von Juventus Turin Richtung Stadionausgang - gehüllt in feinstes Tuch, umgeben von süßesten Düften. Nicht ein Hauch von Anstrengung war ihnen anzumerken, sie hatten ihren Auftrag mit geringstmöglichem Verschleiß erledigt.

MÜNCHEN. Neben dem Kreuzbandriss von Andreas Görlitz beschäftigte die Münchner das zweite 0:1 gegen Juve binnen zwei Wochen. Die Niederlage gab ihnen einige Rätsel auf. "Man kann nach diesem Spiel ja nicht draufhauen auf die Mannschaft, wie wollen Sie denn das machen?", fragte Bayerns Manager Uli Hoeneß, der in dieser Angelegenheit gewöhnlich nicht auf Ratschläge angewiesen ist. Aber diesmal gebe es dafür "keine Begründung. Wir haben über weite Strecken gegen einen hochklassigen Gegner gut mitgespielt." Und die Schützenhilfe des kommenden Gegners Tel Aviv (2:1 gegen Ajax) machte eine allzu kritische Bestandsaufnahme entbehrlich. Schließlich ist der FC Bayern (6 Punkte) immer noch Zweiter hinter Turin (12) und vor Ajax (3). "Nach einem verlorenen Spiel noch so eine Ausgangsposition zu haben ist ein Geschenk, und das sollte man auch nutzen", sagte Michael Ballack.

In dieser Einschätzung stimmte ihm sein Trainer zu. Felix Magath ließ sich von den Ereignissen des Abends nicht den Blick auf die ursprüngliche Zielsetzung vernebeln. "Das ist noch möglich", sagte er und meinte den Gewinn der Champions League. "Wenn man beide Spiele zusammen nimmt, kann man vielleicht sogar sagen: Wir haben ein bisschen besser gespielt."

In jedem Fall kann man sagen: Die Bayern haben ein paar Fehler mehr gemacht. Im Hinspiel hatte ein finsterer Moment Samuel Kuffours gereicht, um das Spiel zu verlieren, diesmal beantragten gleich drei Münchner Patenschaft für das Gegentor des Tages: Oliver Kahn, Torsten Frings und Owen Hargreaves. "Ich kann ihm da keinen Vorwurf machen, es war ein unglaublich scharfer Schuss von Ibrahimovic", sagte Hoeneß in Richtung Oliver Kahn, der jenen entscheidenden Ball in der 90. Minute vor die Füße des einschussbereiten Alessandro del Piero hatte abprallen lassen. "Da braucht er sich keine Gedanken machen", versicherte Hoeneß und fasste damit die offizielle vereinsinterne Deutung des erneuten Kahnschen Fauxpas? zusammen. Gedanken jedoch machte sich Kahn offenbar sehr wohl. Der Abpfiff war für ihn Startschuss für einen Sprint Richtung Kabine, in der er seinem Unmut in einer Weise Luft machte, die Magath "nicht als in sich gekehrt bezeichnen" wollte.

"Der Stürmer steht fast mit dem Rücken zur Eckfahne, wir sind in Überzahl", klagte Ballack in Richtung seiner Kollegen Frings und Hargreaves, "und dann kommt er frei durch. Das darf nicht passieren." Magath verwahrte sich gegen allzu harte Kritik an seinem Torwart mit dem pikanten Hinweis: "Jeder macht mal einen Fehler. Auch ein Torwart lässt mal einen Ball fallen." Kurze Pause. "Auch Jens Lehmann."

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