Nach dem frühen EM-Aus des deutschen U-21-Teams deutet Fußballtrainer Ulli Stielike seinen Rücktritt an
Der einsame Abschied

Der Spaziergang über den Mainzer Stadionparkplatz war der Schlussakt eines traurigen Abends. Ulli Stielike steckte die Hände in die Hosentaschen und lief zu seinem Auto. Der Mannschaftsbus hatte nicht warten können, also blieb Stielike allein zurück.

MAINZ. Es war nicht das erste Mal an diesem Abend. Während der Fußballtrainer der deutschen U-21-Nationalmannschaft über die Autobahn fuhr, sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bereits verärgert: "Ich will ihm in die Augen schauen, wenn wir darüber reden." Zu sprechen wird sein über die 1:2-Niederlage des U-21-Teams gegen Portugal, die das Ausscheiden bei der EM im eigenen Land und das Verpassen der Olympia-Qualifikation bedeutet. Und vielleicht wird auch über Abschied gesprochen.

Stielike, seit 1988 beim DFB, kennt das Geschäft zu gut, als hätte er so einen Kommentar nicht schon erahnt. Nach der Niederlage gegen Portugal hielt er bei der Pressekonferenz einen Monolog: "Ich fühle mich im Jugendbereich wohl, die U 21 ist dagegen schon sehr professionell. Ich weiß nicht, ob ich das noch mitmachen will." Am Tag danach hatte Stielike sein Telefon ausgeschaltet. Er wolle seine Ruhe, bald fahre er als Spielbeobachter zur EM nach Portugal, hieß es aus DFB-Kreisen. Die Worte des Präsidenten und vor allem dessen Schroffheit hatten die Führungsriege der U 21 durcheinander gebracht. "Ich kenne die Worte nur aus der Zeitung", sagte Teammanager Bernd Barutta. "Ich gehe davon aus, dass sich die beiden erst nach der EM treffen werden."

Zu diesem Zeitpunkt vermeldeten die Nachrichtenagenturen bereits, dass Dieter Eilts ein Kandidat als neuer Trainer sei. Dabei muss er erst beweisen, dass er den Erwartungen gerecht wird. Seine U-19-Nationalmannschaft tritt in einem Monat bei der EM in der Schweiz an. Sein Team gilt als ähnlich gut besetzt wie das der U 21 - und steht ebenfalls enorm unter Druck.

Erklären wird Stielike seinem Chef Mayer-Vorfelder müssen, wieso er die Mannschaft nach dem Sieg gegen die Schweiz auf neun Positionen veränderte. Prompt folgte eine Niederlage gegen Schweden. Intern soll das Team über diese Veränderungen vorher diskutiert haben. In Schutz genommen hat den Trainer niemand. Jetzt wäre es wohl zu spät. Stielike, dessen Vertrag bis 2006 läuft, hat gesagt, "wenn mich jemand zurückstufen will, bricht mir das keinen Zacken aus der Krone". Das klang beleidigt und schon ein wenig nach Abschied.

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