Nach dem glücklichen 1:0-Erfolg in Leverkusen bleibt Bayern München im Titelrennen: Bayern quält sich zum Erfolg

Nach dem glücklichen 1:0-Erfolg in Leverkusen bleibt Bayern München im Titelrennen
Bayern quält sich zum Erfolg

Die Bayern haben sich wieder zum Sieg gemauert. Wie in Madrid gewannen sie in Leverkusen glücklich mit 1:0. Erneut konzentrierten sich die Münchner dabei auf die Defensive.

LEVERKUSEN. Kerzengerade sitzt Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld bei der Pressekonferenz und lauscht den Fragen der Journalisten. Seine Mannschaft hat gerade durch das Kopfballtor von Roque Santa Cruz drei wichtige Zähler im Kampf um die deutsche Meisterschaft gewonnen. Doch Hitzfeld wirkt weiter angespannt. Als Leverkusens Coach Berti Vogts um Worte gebeten wird, fühlt sich Hitzfeld unbeobachtet. Er starrt in die Luft und scheint mit seinen Gedanken meilenweit entfernt zu sein. Die Freude des Sieges über den Rivalen aus dem Rheinland hält sich in Grenzen - auch wenn Bayern München weiter punktgleich mit Schalke 04 auf Platz zwei der Tabelle liegt und beste Aussichten auf den Titel hat.

Kein Jubel, keine Genugtuung, kaum ein Zeichen von Freude. Die Bayern sind in dieser Bundesliga-Saison noch abgeklärter als gewohnt. Torwart Oliver Kahn zeigte sich schon vor der Partie in Leverkusen sicher, dass seine Mannschaft bei einem Sieg auch Meister wird. Eine Galavorstellung boten die Münchner nicht. "Wir haben uns so über die Runden gerettet", kommentierte Hitzfeld knapp. Und grübelte wohl schon über die Taktik für das Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid am kommenden Mittwoch. Dann wird es ernst. Denn die Bayern wollen in dieser Saison vor allem eins: den Titel der besten europäischen Vereinsmannschaft gewinnen.

Die Doppelbelastung geht an die Substanz: "Ich bin rund um die Uhr mit dem Gegner beschäftigt", sagte Hitzfeld. Er scheint in den vergangenen Wochen auch körperlich gelitten zu haben. Seinen Spielern ergeht es wohl nicht anders. Dem müden Kick auf dem Rasen der BayArena folgte ein leiser Abgang durch den Hinterausgang des Stadions. Das Spiel in Leverkusen erinnerte an die Partie der Bayern gegen Real Madrid. Der Fußball der Münchner ist unansehnlich, dafür aber erfolgreich. "Natürlich bin ich zufrieden, auch wenn wir kein gutes Spiel gemacht haben", resümierte Hitzfeld. "Was alleine zählt, sind die drei Punkte."

"Wir werden in Leverkusen offensiver spielen als in Madrid", hatte Bayern-Stürmer Paulo Sergio vor dem Spiel verkündet. Noch in der ersten Hälfte musste Sergio den Platz verletzt verlassen - danach war es mit der offensiven Einstellung des Meisters vorbei. Wieder einmal war Bayerns Defensivstärke der Schlüssel zum Erfolg. Neben Patrik Andersson zeigte Oliver Kahn eine glänzende Leistung - etwa als er kurz nach dem Anpfiff gegen den völlig freistehenden Ulf Kirsten klärte.

Das Problem des FC Bayern war der Sturm. Carsten Jancker schoss Mitte der zweiten Hälfte nach einem Latten-Kopfball von Kuffour völlig unbedrängt neben das Tor. Doch die Bayern bekamen ihre zweite Chance - und nutzten sie. "Uns war klar, dass wir nur durch Standardsituationen gefährlich sein können", sagte Hitzfeld nach dem Spiel. In der 86. Minute trat Effenberg einen Eckball, Santa Cruz köpfte das Siegtor.

"Es war ein Pflichtsieg, wenn man Deutscher Meister werden will", resümierte Hitzfeld trocken. Die Leverkusener hatten es nicht geschafft, die Schwäche der Bayern zu nutzen. "Die letzten Niederlagen vor heimischem Publikum haben am Nervenkostüm der Mannschaft gezerrt", sagte Manager Reiner Calmund. Während der gesamten Spielzeit fehlte Bayer nicht nur die Abgeklärtheit, die der Gegner zeigte. Es mangelte auch an spielerischen Mitteln, um die in der Champions League erprobte Abwehr des FC Bayern in Bedrängnis zu bringen. "Augenblicklich ist halt der Wurm drin", sagte Bayer-Manager Calmund. "Immerhin hatten wir die eindeutigeren Chancen." Ein schwacher Trost.

Denn Calmund weiß genau, dass er sich dafür nichts kaufen kann. Drei Punkte sind weg. Damit ist auch die letzte Titel-Chance vergeben. "Wieder einmal haben wir es nicht geschafft, doch im nächsten Jahr werden wir es erneut versuchen, an den Bayern vorbeizuziehen", sagte ein enttäuschter Carsten Ramelow. Der Nationalspieler hatte ebenfalls keine Erklärung für die Leistung seines Teams. "Wir sind in den entscheidenden Situationen nicht voll da", sagte der Mittelfeldspieler, dessen Trainer Berti Vogts am Ende nichts anderes übrig blieb, als dem "glücklichen Sieger Bayern München" zu gratulierten.

"Wir haben alles versucht", kommentierte Vogts, der weiß, dass es seine Mannschaft nun schwer haben wird, einen der geforderten Plätze drei bis vier zu erreichen. Für Reiner Calmund ist die Bayer-Leistung des Wochenendes "ein Spiegelbild der Saison". Noch habe er den Kampf um Champions-League-Plätze nicht aufgegeben. Für "Calli" gibt es nun nur noch eines: "Anschnallen für das Bundesliga-Finale", so seine Parole. Das Finale an der Tabellenspitze findet allerdings ohne Bayer Leverkusen statt.

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