Nach dem großen Formel-1-Shodown in Suzuka
Messer an den Frontflügeln

Bei der Party nach seinem sechsten WM-Titel gerät Michael Schumacher mit seinem Bruder Ralf aneinander.

SUZUKA. Natürlich gratulierte Ralf Schumacher seinem Bruder Michael in Suzuka artig zum Titel. Es war ja zudem ein historischer Triumph. Zum sechsten Mal wurde Michael Schumacher, trotz Platz acht, Formel-1-Weltmeister, sein Bruder im BMW-Williams landete nur auf Platz zwölf. Auf der Strecke hatten beide auch schon engen Kontakt, sehr engen. Ihre Fahrzeuge touchierten, beide Autos rutschten in die Wiese, und Ralf Schumacher fuhr mit kaputtem Frontflügel zur Box.

Später trafen sich die Brüder dann wieder bei der Formel-1-Party von Promi-Wirt Karl-Heinz Zimmermann. Ein Ohrenzeuge versichert, folgenden Dialog so oder zumindest so ähnlich gehört zu haben. Ralf Schumacher: "Hey, was sollte das? Du machst Mist und schmeißt mich dabei noch fast mit raus?" - Michael Schumacher: "Ich hab mich hinter da Matta ein bisschen verbremst. Ich musste ausweichen, um ihm nicht draufzuknallen." - "Und dabei bist du mir voll vor das Auto gefahren. Du musst doch im Spiegel gesehen haben, dass ich direkt hinter dir war." - "Ich schaue immer noch nach vorn und nicht nach hinten." - "Ich schlage vor, nächstes Jahr an den Frontflügeln kleine Messer zu montieren, damit der andere zumindest einen Reifenschaden hat."

Großer erfolgreicher Bruder gegen kleinen, neidischen Bruder? Hörte sich fast so an. Ist aber nicht so. Es gibt keinen Bruderkrieg. Es hat ihn nie gegeben. Es gab immer einen Konkurrenzkampf, aber nie einen Aufstand gegen die blutsverwandte Übergröße. Ralf und Michael Schumacher sind am Steuer Egoisten bis zur sportlichen Schmerzgrenze, das müssen sie sein, sonst wären sie nicht so weit oben in der Rennsport-Branche. Michael Schumacher sagt: "Ich genieße den Kampf mit ihm, weil es mir Spaß macht, gegen ihn zu gewinnen, genauso wie umgekehrt."

Aber der andere ist immer mehr Bruder als Rivale. Nachdem Ralf Schumacher vor zwei Jahren in Kanada vor seinem Bruder durchs Ziel gerast war, fuhr der Weltmeister dem sechs Jahre Jüngeren beim Gratulieren mit dem Finger übers Kinn. Eine Geste, die er keinem anderen gönnen würde. Andererseits sagt Ralf Schumacher über die Erfolge des Bruders: "Auch wenn das jetzt komisch klingt: Das ist etwas, worauf ich stolz bin." Dem Jüngeren kommt so ein Satz jetzt souverän über die Lippen. Er hat sich längst aus der Rolle des ungelenken "Rolex-Ralf" gelöst, der mit geröteten Wangen den Schumi 1b gab. Und wenn Michael Schumacher etwas Lobendes über den Nachgeborenen sagt, klingt das nicht mehr so, als müsste da einer beschützt werden.

Im Übrigen ist die Stimmung bei der Formel-1-Party schnell umgeschlagen. Als beim Feiern Tische und Stühle flogen, da waren, versichert ein Augenzeuge, Michael und Ralf Schumacher brüderlich vereint am Werk. Eine nette Familie halt.

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