Nach dem Kurseinbruch
Nebenwerte kaum Alternative für Neue Markt-Anleger

Händler und Analysten gehen davon aus, dass ein beträchtlicher Teil der Neue Markt-Investoren noch auf ihrem Geld sitzt und auf eine Trendwende wartet, um in die Wachstumstitel einzusteigen.

Reuters FRANKFURT. Dem Kurseinbruch bei den Wachstumstiteln am Neuen Markt in den vergangenen Wochen stand eine solide Kursentwicklung in den Indizes der Nebenwerte wie den MDax oder dem Smax gegenüber. Händler und Analysten zeigten sich allerdings uneins, ob die Mittelabflüsse aus dem Neuen Markt zu Investitionen in diese Segmente verwendet wurden. Sie gehen davon aus, dass ein beträchtlicher Teil der Neue Markt-Investoren noch auf ihrem Geld sitzt und auf eine Trendwende wartet, um in die Wachstumstitel einzusteigen. Eine Umschichtung in weniger schwankungsanfällige Werte ist einigen Börsianern zufolge aber aufgrund des eher risikofreudigen Verhaltens der Anleger am Neuen Markt eher unwahrscheinlich.

Der MDax für mittelständische Werte ist seit Anfang des Jahres um rund 14 % geklettert, während im selben Zeitraum in den Kleinwertesegmenten SMax und SDax die Kurse um durchschnittlich sechs beziehungsweise neun Prozent zulegten. Der Deutsche Aktienindex DAX verlor in dem Zeitraum rund ein Prozent. Am Neuen Markt purzelten die Kurse im Nemax-All-Share-Index seit Jahresbeginn um mehr als 31 %. Am Freitag notierte der Index knapp zwei Prozent höher auf 3318 Punkte, was Händler zumeist auf eine technische Erholung von den deutlichen Kursverluste der vergangenen Tage und Wochen zurückführten.

Wechsel am ehesten in den MDax

Udo Becker vom Bankhaus Merck Fink & Co. in München sagte, aus dem Neuen Markt hätten sich zumeist Spezialfonds herausgezogen und seien nur zum Teil in die Blue Chips im Dax eingestiegen. Zu einer Umschichtung in die Neben- oder Kleinwerte sagte er: "Die Entwicklung in den Indizes ist an vielen vorbeigegangen. Wenn Investoren rübergewechselt sind, dann wohl eher in den MDax. Die Liquidität bei den Kleinwerten im SDax und SMax ist einfach zu gering".

Für Friedrich Henne von der Hypovereinsbank in München kann man keinen Hauptprofiteur von der Marktschwäche bei den Wachstumstiteln ausmachen. "Was an Mitteln dort abfließt, verteilt sich in viele Richtungen, es fließt nicht eins zu eins in irgendeinen anderen Index", sagt er. "Viel wird auch zurückgelegt, bis ein Boden gebildet wird und geht dann in den Markt zurück." Als favorisierte Anlagealternative sieht Friedrichs neben dem Dax die großen Eurostoxx-Indizes an.

Investoren haben nur wenig umschichten können

Die Marktkapitalisierung des Nemax-50-Index belaufe sich auf unter 100 Mrd. Euro, während der EuroStoxx50-Index eine Kapitalisierung von mehreren Billiarden Euro aufweise, sagte Henne weiter. Der EuroStoxx50-Index hat seit Jahresbeginn rund 1,4 % zugelegt. Bemerkenswert sei allerdings, dass die großen Verkaufsorders am Neuen Markt aus den USA und London kämen. "Die ausländischen Anleger investieren dann nicht alternativ im Dax, sondern lieber in europäische Werte". Die deutschen institutionellen Anleger, die sich am Neuen Markt engagierten, seien zumeist Versicherungen, die seiner Einschätzung zufolge ihre rund zwei Mrd. Euro-schwere Investititionen ebenfalls auf Dax und Eurostoxx verteilten oder ihre Rentenbestände vergrößerten.

Ein Händler ein Großbank in Frankfurt sagte, die meisten Investoren hätten nach den Kurverlusten der vergangenen Wochen nur wenig umschichten können. Zum einen seien die Neue Markt-Fonds aufgrund ihrer eigenen Richtlinien daran gebunden, in die Wachstumstitel am Neuen Markt zu investieren, zum anderen sei der Kapitalverlust bei einzelnen Anlegern so groß gewesen, dass zum Umschichten nicht mehr viel übrig geblieben sei. "Wenn, dann hat man eher in den MDax oder SMax umgeschichtet, da es dort für den spekulativ eingestellten Käufer auch etwas spekulativere Werte gibt", sagte der Händler.

"Wir haben gesehen, dass sich viele von Wachstumswerte in defensive Werte bewegt haben, darunter welche im MDax", sagte eine Analystin bei Dresdner Kleinwort Benson. Beispielsweise habe die im MDax gelistete Aktie von Rhön Klinikum in den vergangenen Monaten deutlich zulegen können. Rhön notierten am Freitag bei 67 Euro. Die Aktie hatte im Januar ihr Jahrestief bei 38,50 Euro markiert. "Trotzdem glaube ich, dass sehr viele Investoren noch auf ihrem Geld sitzen und darauf warten, wieder in den Markt einzusteigen", sagte sie.

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