Nach dem Kursverfall in der Branche erhält Nokia die besten Noten
Aussichten für Telekomtitel sind gut

Telekomgesellschaften und Anbieter stehen in der Gunst der Anleger ganz weit unten. Hohe Schulden und geringere Margen belasten die Unternehmen. Doch die Aussichten sind nicht so schlecht wie die Gegenwart. Der Telekomsektor bleibt eine Schlüsselbranche der Zukunft, meinen die Experten.

HB DÜSSELDORF. Der Telekom-Boom ist erst einmal vorbei. Ebenso wie Anleger die entsprechenden Aktien zurückgeben, ziehen sich Hersteller wie Ericsson, Philips, Motorola und Alcatel aus der Handy-Produktion zurück. Der Preiskampf beschert Verluste. Allein die Nummer eins, Nokia, arbeitet profitabel. Der Marktanteil der Finnen liegt bei 35,3 %. Doch die lahmende Nachfrage trifft auch Nokia. Forschungsinsitute erwarten für 2001 einen weltweiten Gesamtabsatz von 400 bis 500 Mill. Handys gegenüber 412 Millionen im vergangenen Jahr. Der Markt ist erst einmal gesättigt.

Dennoch: Die Aussichten sind gar nicht schlecht. 12 % der Weltbevölkerung ist derzeit mobil erreichbar. China und Amerika - einschließlich USA - sind kaum erschlossen. Zudem werden auch in "gesättigten" Märkten wie Europa die Verkaufszahlen wieder zunehmen. Zur Jahreswende soll nach dem Willen der Hersteller der neue Standard GPRS für einen Umsatzschub sorgen. Und der übernächste Boom ist zumindest schon geplant - auch wenn sich an ihm die Geister scheiden: UMTS. Die teure und kostspielig ersteigerte Mobilfunktechnik erfordert Rieseninvestitionen.

Profiteure sind zwar die Ausrüster wie Ericsson, Nokia und Alcatel. Doch die hoch verschuldeten Anbieter nehmen die Ausrüster in die Pflicht, in dem sie sich die Kosten vorfinanzieren lassen. Dadurch sitzen Ausrüster und Anbieter gemeinsam im schlingernden UMTS-Boot. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob und inwieweit sich die Technik durchsetzen wird. Marktstudien ergaben, dass Verbraucher monatlich rund 50 DM für Unterhaltungs- und Servicedienste auf UMTS-Basis ausgeben wollen. Um die Kosten bis zum Ende dieses Jahrzehnts wieder einzuspielen, brauchen die Gesellschaften aber gut doppelt so viel.

Hinzu kommen Probleme beim Aufbau der Technik. So schließt Vodafone Verzögerungen bei der Einführung der neuen Technik bis 2003 nicht aus. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid erwartet jedoch, die Ziele schneller als geplant zu erreichen. Dazu könnten geringere Kosten für den Netzaufbau beitragen: Auf Grund neuer Software-Techniken und der Zusammenarbeit mit anderen Anbietern wird das UMTS-Abenteuer für Anbieter 15 % bis 40 % billiger als gedacht.

Hilfe für kleinere Gesellschaften

Diese günstigeren Bedingungen helfen nach Ansicht vieler Analysten vor allem kleineren Gesellschaften wie Mobilcom. So glaubt West LB Panmure, dass sich die Aktie besser als der Markt entwickeln wird (Outperformer). Gerüchte um Finanzierungsengpässe seien nicht gerechtfertigt. France Télécom sei ein großer Partner. Allerdings werden dem französischen Ex-Monopolisten neben der niederländischen KPN die geringsten Kurschancen unter den großen Werten Europas eingeräumt. Beide Anbieter sind hoch verschuldet. Besser werden Vodafone (Salomon Smith Barney, Morgan Stanley Dean Witter) und Telcom Italia (Helaba Trust, Société Générale, ABN Amro) beurteilt, deren Bewertung günstiger und Verschuldung niedriger ist.

Unter den Netzausrüstern genießt Nokia die besten Noten. Gründe dafür sind die hohen Margen im Mobilfunkbereich, der erfolgreiche Einstieg in den UMTS-Netzaufbau und die im Vergleich zu den Konkurrenten günstige Börsenbewertung. Zwar rechnet Nokia-Chef Jorma Ollila auch im zweiten Halbjahr mit gehörigem Preisdruck bei Mobiltelefonen. Aber wie die meisten Analysten sieht auch er nach Einführung der neuen GPRS-Handys Anfang 2002 neuen Schwung.

Das ist nach Meinung der meisten Investmenthäuser auch der Zeitpunkt für die Erholung der gesamten Branche. "Ende diesen Jahres dürften sich die früh zyklische Halbleiter erholen. Sie beliefern die Handy-Hersteller, deren Aufschwung Anfang 2002 zu erwarten ist. Danach profitieren Telekom-Gesellschaften", meint Theo Kitz von Merck Finck & Co. In diesem Segment räumt er Telecom Italia ("niedrigste Schuldenbelastung") und Deutsche Telekom (Bewertung wieder attraktiver") die größten Chancen ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%