Nach dem morgigen Blix-Bericht
London sucht Kompromiss im Uno-Sicherheitsrat

Nach dem demonstrativen Schulterschluss von Russland, Frankreich und Deutschland in der Irak-Frage arbeitet die britische Regierung nach Medienberichten an einem Kompromiss für das weitere Vorgehen des Weltsicherheitsrats.

HB/dpa LONDON/NEW YORK/PEKING. Das berichtete am Donnerstag die britische Zeitung "Guardian". Zugleich solle eine Frist gesetzt werden, mit der die Mehrheit der 15 Mitgliedstaaten einverstanden sein könnte.

Die Außenminister Russlands, Frankreichs und Deutschlands hatten am Mittwoch in Paris gemeinsam erklärt, im Sicherheitsrat keine Resolution passieren zu lassen, die - wie von den USA und Großbritannien angestrebt - einen Militärschlag gegen den Irak legitimiert. Ein Entwurf für eine derartige Resolution hatten die USA, Großbritannien und Spanien bereits am 24. Februar vorgelegt, über den aber noch nicht abgestimmt wurde.

Als Ständige Mitglieder des Sicherheitsrat haben Russland und Frankreich ein Vetorecht, das jede Resolution zu Fall bringen kann. Am Donnerstag schloss sich die Veto-Macht China ihrer Position an. Die Irak-Frage wird auch eines der zentralen Themen bei den deutsch- italienischen Konsultationen von Bundeskanzler Gerhard Schröder und seines Amtskollegen Silvio Berlusconi am Abend in Bremen sein. UN-Waffenchefinspekteur Hans Blix wird am Freitag dem Sicherheitsrat erneut Bericht erstatten und will einen konkreten Arbeitsplan für die weitere Abrüstung des Iraks vorlegen. Er bescheinigt Bagdad, inzwischen erheblich besser mit den Uno zusammenzuarbeiten.

Nach Informationen des "Guardian" plant die britische Regierung im Anschluss an den Blix-Bericht dem Sicherheitsrat ein Kompromisspapier mit einem neuen Zeitplan für die Waffeninspektionen zu präsentieren. Danach könnte sich eine kurze Frist vor einem möglichen Militärschlag anschließen. Nach Worten eines nicht namentlich genannten US-Beamten könnte an der Formulierung etwas geändert werden, ohne jedoch die Substanz der Resolution zu beeinträchtigen. Der Tenor der Resolution sei es weiterhin, einen Krieg gegen den Irak zu ermöglichen.

Nach den Worten des chinesischen Außenministers Tang Jiaxuan ist eine neue Resolution im Weltsicherheitsrat "völlig unnötig". Die Frage, ob China sein Veto einlegen wird, nannte Tang Jiaxuan "ein bisschen zu früh". Die Diplomatie dauere noch an, sagte er am Donnerstag in Peking.

Der Irak setzte unterdessen die Zerstörung der Kurzstreckenraketen vom Typ Al Samoud 2 fort. Nach Angaben der Uno-Waffenkontrollmission im Irak (UNMOVIC) waren bis zum Donnerstag 28 von rund 120 Raketen dieses Typs unschädlich gemacht worden.

Angesichts der zugespitzten Lage rund um den Irak beschloss das Außenministerium in Moskau den Abzug des Großteils seiner Staatsbürger aus dem Land. Bis spätestens Sonntag sollen die meisten Russen - Firmenvertreter, Spezialisten und deren Familien - den Irak mit Sonderflügen verlassen haben. Die russische Botschaft in Bagdad halte weiterhin den Betrieb aufrecht.

Die Uno-Waffeninspekteure sind nach den Worten von Blix darauf eingestellt, den Irak bei einer amerikanischen Angriffswarnung sofort zu verlassen. Die 250 Uno-Mitarbeiter bräuchten dafür nicht mehr als ein oder zwei Tage.

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