Nach dem neuen Anschlag im Großraum Washington
Heckenschütze: Polizei findet Nachricht

Nach dem neuesten Anschlag im Großraum Washington hat die Polizei eine Nachricht am Tatort gefunden. Der Polizeichef des Bezirks Montgomery, Charles Moose, rief bei einer Pressekonferenz am Sonntagabend den Autor der Nachricht auf, sich zu melden. Er solle die Polizei unter der Nummer anrufen, die er hinterlassen habe.

HB WASHINGTON. Ein Mitarbeiter von Moose sagte dem US- Nachrichtensender CNN, die Worte von Moose würden für denjenigen, der die Nachricht hinterlassen habe, Sinn machen.

Moose wollte nicht sagen, ob es um einen privaten Anschluss oder die Nummer einer Telefonzelle handelte. Unklar blieb auch, ob die Polizei davon ausgeht, dass die Nachricht von dem Heckenschützen stammt. Sollte es sich wirklich um eine Mitteilung des Scharfschützen handeln, wäre dies die zweite öffentlich bekannt gewordene Botschaft in diesem Kriminalfall. An der Stelle, von der aus der Schütze auf einen Schuljungen gefeuert hatte, war eine Tarot-Karte mit dem Bild des Todes und der Aufschrift "Dear Policeman, I am God" (Lieber Polizist, ich bin Gott) gefunden worden.

Am Samstagabend war ein 37 Jahre alter Mann durch einen Schuss aus dem Hinterhalt niedergestreckt und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Die Polizei geht davon aus, dass der mysteriöse Heckenschütze wieder zugeschlagen hat, obwohl es zunächst keine kriminaltechnischen Beweise dafür gab. Ein Sprecher sagte am Sonntag, es gebe "zahlreiche Hinweise", doch nannte er keine Einzelheiten. Der Scharfschütze hat seit dem 2. Oktober neun Menschen erschossen und zwei weitere schwer verletzt.

Die jüngste Tat ereignete sich am Samstagabend gegen 20.00 Uhr Ortszeit bei einem Restaurant in Ashland im Bundesstaat Virginia rund 140 Kilometer südlich von Washington. Das Opfer, ein Reisender, hatte das Steakhaus gerade mit seiner Frau verlassen und war zu seinem parkenden Wagen gegangen.

Der Schuss wurde nach den bisherigen Erkenntnissen von einem kleinen Wald hinter dem Restaurant abgefeuert. Die Frau des Opfers hörte einen einzigen Schuss, den sie zuerst für die Fehlzündung eines Automotors hielt. Ihr Mann ging noch drei Schritte weiter und brach dann zusammen.

Nach einer dreistündigen Operation in einem Krankenhaus der Staatshauptstadt Richmond war sein Zustand am Sonntag nach Auskunft der Ärzte "relativ stabil". Er schwebte aber weiter in Lebensgefahr. Der Mann wird wahrscheinlich noch einmal operiert, weil sich die Kugel noch in seinem Körper befindet. Sie gilt als wichtiges Beweisstück.

Obwohl ein Zusammenhang mit dem Heckenschützen nicht fest stand, wird der Fall als ein neues Verbrechen des Unbekannten behandelt, sagte ein Polizeisprecher des Bezirks Hanover. Dort liegt der Tatort in der Nähe einer stark befahrenen Schnellstraße. Kurz nach dem Verbrechen spannte die Polizei ein dichtes Netz von Kontrollpunkten über die nähere und weitere Umgebung. Ein Team von Sonderermittlern, die am Fall des Heckenschützen arbeiten, schaltete sich in die Ermittlungen ein.

Die Spurensuche mit Hunden und Hubschrauber-Unterstützung aus der Luft wurde durch die Dunkelheit und durch Regenwetter erschwert. Die Arbeiten gingen die ganze Nacht über weiter und wurden bei Tagesanbruch am Sonntag intensiviert. Die Polizei wies die Öffentlichkeit erneut auf einen weißen Lieferwagen hin, obwohl er dieses Mal von keinem Zeugen gesehen worden war. Im Zusammenhang mit dem Heckenschützen wird bereits seit zwei Wochen nach einem weißen Lieferwagen oder Kleinlaster gefahndet.

Erst am Freitag hatte die Polizei ein verdächtiges Fahrzeug sichergestellt. Ein Angestellter einer Autoverleihfirma in der Nähe des Washingtoner Flughafens Dulles hatte beim Reinigen des Autos eine Patronenhülse gefunden. Die kriminaltechnische Untersuchung war am Sonntag noch nicht abgeschlossen.

Nach Medienberichten halten es die Ermittler jedoch für wenig wahrscheinlich, dass der Lieferwagen tatsächlich auf die Spur des Serienkillers führen könnte. Die Patronenhülse sei zu groß, um in die mutmaßliche Tatwaffe des Serienmörders zu passen, berichtete die "Washington Post". Der Unbekannte hatte zuletzt am Montag der vergangenen Woche eine 47 Jahre alte Frau auf dem Parkplatz eines Baumarktes im Bezirk Fairfax südlich von Washington getötet.

Weil sich der "Sniper" mehrere Tage lang nicht gerührt und bisher auch nie an einem Wochenende zugeschlagen hatte, war zaghaft die Hoffnung auf ein Ende der Serie von Bluttaten gekeimt. In den Medien wurde bereits gefragt, ob die Behörden und die Bevölkerung mit ihren Vorsichtsmaßnahmen nicht überreagierten. Die "Washington Post" rechnete vor, dass 21 Menschen seit Anfang Oktober in und um Washington Opfer "traditioneller Morde" geworden seien.

Der Schuss von Ashland gilt als Signal, dass der Heckenschütze nicht aufhören will, obwohl sich inzwischen auch das Militär mit modernsten Aufklärungsflugzeugen an der Jagd nach ihm beteiligt. Kriminalexperten spekulierten am Sonntag, dass der Täter deshalb sein Aktionsgebiet erweitert haben könnte. Die anderen Anschläge hatten sich alle näher an Washington ereignet.

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